17. September 1179 - Todestag der Hildegard von Bingen

Hildegardisaltar Rochuskapelle Bingen

17. September 1179 - Todestag der Hildegard von Bingen

"Sie war die erste große Theologin der Kirchengeschichte", sagt die Historikerin Barbara Beuys über Hildegard von Bingen. "Sie hatte viele Talente, war Theologin, Schriftstellerin, Musikerin – und verstand sich als christliche Prophetin", erklärt Beuys, die eine wichtige Biografie über die Äbtissin und Mystikerin aus dem Mittelalter geschrieben hat.

Bereits im Alter von drei Jahren hat Hildegard von Bingen visionäre Erlebnisse, eine Erfahrung, die ihr ganzen Leben lang anhalten wird. Drei Bücher schreibt sie über ihre Visionen; sie werden vom Papst anerkannt.

Hildegard von Bingen, Nonne (Todestag 17.09.1179)

WDR 2 Stichtag 17.09.2019 04:03 Min. Verfügbar bis 14.09.2029 WDR 2

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Visionen werden vom Papst anerkannt

1098 wird Hildegard von Bingen als Tochter des Landadeligen Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild in der Nähe von Alzey in der Pfalz geboren. "Die Eltern haben gesagt: Wir werden sie Gott widmen. Das hieß damals: Wir werden sie in ein Kloster geben", sagt Beuys.

Nach der Ausbildung bei einer Witwe wird sie auf den Disibodenberg geschickt, in ein Männerkloster, an das eine Frauengemeinschaft angeschlossen ist. Mit 36 Jahren wird sie Leiterin des Konvents.

"Dort entwirft sie ganz eigenständig ihre Theologie: Darin ist Gott die Liebe", sagt Barbara Beuys. Mit ihrem ersten Visionsbuch, "Liber Scivias – Wisse die Wege" (um 1150), wird sie, unterstützt vom Papst Eugen III., in ganz Europa bekannt.

Die Anerkennung des Papstes ist für sie als Mystikerin lebenswichtig im Mittelalter. Ihre besondere Gabe ist nun öffentlich legitimiert – sie gilt nicht als Besessene.

Hildegard prangert Missstände an

Bald erhält sie in einer Vision den Auftrag, ein eigenes Kloster zu gründen. Die Mönche wollen die längst berühmt gewordene Hildegard nicht ziehen lassen. Da geht sie in eine Art Streik.

"Man könnte das einen Visionsstreik nennen", sagt Barbara Beuys. "Sie erklärte dem Abt: Ich bekomme keine Visionen mehr. Und eine Prophetin, die keine Visionen mehr hat, nützt dem Kloster nichts." Am Ende darf Hildegard ihr eigenes Frauenkloster zu gründen, auf dem Rupertsberg gegenüber von Bingen.

Ebenfalls ungewöhnlich: Sie prangert in ihren vielen Briefwechseln Missstände in der Kirche an. "Ihr seid eine Nacht, die Finsternis ausatmet. … Ihr liegt am Boden und seid kein Halt für die Kirche, sondern ihr flieht in die Höhle eurer Lust", schreibt sie zum Beispiel an den Kölner Klerus.

Als eine der bedeutendsten Universalgelehrtinnen ihrer Zeit stirbt Hildegard von Bingen am 17. September 1179 im Kreise ihrer Mitschwestern. 2012 wird sie von Papst Benedikt XVI. heilig gesprochen.

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Stand: 17.09.2019, 00:00