22. Februar 1680 - Verbrennung der Giftmischerin La Voisin

La Voicin Burns

22. Februar 1680 - Verbrennung der Giftmischerin La Voisin

"Sie erschien im Karren, weiß angezogen, in einer Art Gewand, um darin verbrannt zu werden. Ihr Kopf war rot und man sah, wie sie den Beichtvater und das Kruzifix zornig zurückstieß." So beschreibt Madame de Sévigné in ihrem berühmten Brief die Hinrichtung der Giftmischerin La Voisin am 22. Februar 1680.

Cathérine Monvoisin, wie sie eigentlich heißt, wehrt sich mit Händen und Füßen. "Man zog sie mit Gewalt heraus und brachte sie auf den Holzstoß, band sie mit eisernen Ketten fest und bedeckte sie mit Stroh. Sie fluchte drauflos, stieß fünf- oder sechsmal das Stroh weg, aber schließlich loderte das Feuer auf, und sie ward nicht mehr gesehen", schreibt de Sévigné.

La Voisin, die Giftmischerin (Todestag 22.02.1680)

WDR 2 Stichtag 22.02.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 19.02.2030 WDR 2

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Ein Netzwerk von kriminellen Giftmischern ist am Hof aktiv

Die Giftaffäre rund um La Voisin zeigt, wie viele Intrigen, Rivalität und tödlichen Hass es am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gibt. Und der eine oder andere Höfling hilft mit Gift nach um seine Ziele zu erreichen.

Als 1677 der Verdacht aufkommt, der König selbst könnte Opfer einer Vergiftung werden, beginnt sein Polizeichef La Reynie zu ermitteln. In einem armseligen Vorort von Paris stößt er auf eine Art Hexennetzwerk, eine kriminelle Gruppe von Giftmischern und Satanisten aus der Unterschicht. Strippenzieherin dieser Verbindung ist Cathérine Monvoisin, die sich selbst als Hexenkönigin inszeniert. "Sie ist eine Maklerin für alle okkulten, satanistischen und giftmörderischen Aktivitäten", sagt der Berliner Historiker Leonhard Horowski, der ein Buch über die höfische Gesellschaft des 17. und 18. Jahrhunderts geschrieben hat.

Madame de Montespan verabreicht dubiose Liebeszauber

Bei den Verhören vor Monvoisins Hinrichtung wird klar, dass der höchste Adel bei den Giftmischern ein- und ausgegangen ist. Madame La Voisin nennt nur wenige Namen, ihre Tochter allerdings sagt nach dem Tod ihrer Mutter aus. Und sie belastet vor allem eine Person: Madame de Montespan, seit zehn Jahren mächtige Mätresse des Königs.

Erwiesen ist, dass sie bei satanischen Messen dabei war und Ludwig dubiose Liebeszauber verabreicht hat. "Jedenfalls ist durch seine Ärzte gut dokumentiert, dass er zu dieser Zeit massive Kopfschmerzen und Fieberanfälle bekommen hat, die durch nichts anderes erklärbar wären", sagt Leonhard Horowski.

Der König verbannt die Montespan in einen abgelegenen Teil des Schlosses. Von den 194 Verhafteten sind bis dahin 88 verurteilt worden, davon 36 zum Tode.

"Die Übrigen wurden auf Befehl des Königs ohne gerichtlichen Beschluss für den Rest ihres Lebens in Festungen eingesperrt", erklärt Historiker Leonhard Horowski.

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Stand: 22.02.2020, 00:00