Szene aus dem Tatort "Der dunkle Fleck"

20. Oktober 2002 - Erster "Tatort" aus Münster ausgestrahlt

Stand: 20.10.2017, 00:00 Uhr

Hauptkommissar Frank Thiel ist gerade erst ein paar Minuten in Münster, da beobachtet er schon eine junge Frau, die versucht, über den Balkon in die Wohnung ihrer verschwundenen Mutter einzudringen. In der Tiefgarage entdeckt Thiel Blut, dass er ins Labor gibt.

Kurz darauf lernt er seinen Vermieter Karl-Friedrich Boerne kennen, der als Forensikprofessor mit seiner kleinwüchsigen, von ihm liebevoll-abschätzig "Alberich" genannten Assistentin Silke Haller in den Fall einsteigt. Es geht um Mord, eine Moorleiche und Inzest - für das idyllische Münster ziemlich starker Tobak.

Erster Tatort aus Münster gesendet (am 20.10.2002)

WDR 2 Stichtag 20.10.2017 04:16 Min. Verfügbar bis 18.10.2027 WDR 2


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Dass der erste Münsteraner Tatort, der am 20. Oktober 2002 unter dem Titel "Der dunkle Fleck" in der ARD erstausgestrahlt wird, trotzdem selbst an seinem Drehort vor allem gute Kritiken bekommt, liegt sicher nicht zuletzt an der Prise Humor, mit der sich das schnoddrige Nordlicht Thiel und der überhebliche, zu Snobismus und Sarkasmus neigende Westfale Boerne wahre Dialogschlachten liefern. Eine kettenrauchende, sehr rauchstimmige Staatsanwältin und Thiels kiffender und Taxi fahrender Altachtundsechziger-Vater komplettieren das Bild.

Gag statt Leiche

"Was wir von vornherein gesagt haben und was auch Konsens war: dass es humorig wird", betont Drehbuchautor Stefan Cantz. Anders als beim normalen "Tatort", der mit einer Leiche beginne und mit der Auflösung Ende, sei es in der Münsteraner Variante eben anders, unterstreicht auch Regisseur Kaspar Heidelbach: Hier sei es "eigentlich so, dass es mit einem Gag anfängt und mit einem Gag aufhört". Richtig Magenschmerzen habe ihr das Konzept deshalb zunächst bereitet, gesteht Produzentin Sonja Goslicki: "Wir hatten wirklich Angst, weil wir alles anders gemacht haben als vorher."

Die Angst ist unbegründet, nicht zuletzt wegen des grandiosen Hauptdarsteller-Duos Axel Prahl und Jan Josef Liefers, das sich, anders als in den "Tatorten" aus München, Hamburg oder Köln, eben nicht als befreundetes Kollegenpaar inszeniert: Den "dunklen Fleck" verfolgen bei seiner Erstausstrahlung mehr als 8,8 Millionen Zuschauer: ein Marktanteil von knapp 25 Prozent. Zudem wird er für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.

Kleinwuchs und Humor

Auch wenn viele Szenen aus Kostengründen im Rheinland entstehen und das "Gutsherren-Gehabe" (Boerne) sowie die Mordlust hinter einer nur vordergründig heilen Fassade immer wieder durchscheint, sind die Münsteraner stolz auf ihren "Tatort".

Mehrere hundert Leute kommen regelmäßig an die Drehorte, insgesamt 31 Folgen sind inzwischen ausgestrahlt, darunter Highlights wie "Der doppelte Lott" (2005), "Spargelzeit" (2010), "Das Wunder von Wolbeck" (2012) oder "Feierstunde" (2016). "Fangschuss" (2017) erreicht mit 14,6 Millionen Zuschauern gar den höchsten Marktanteil in der Krimiserie in den letzten 25 Jahren.

Besonders ungewöhnlich ist die Rolle der Silke Haller, die von Christine Urspruch verkörpert wird. Mit deren Kleinwüchsigkeit geht ihr Chef Boerne alles andere als sensibel und politisch korrekt um. Für ihren "humorvollen Umgang mit einem vermeintlichen Defizit" erhält Urspruch mit dem gesamten Münster-Team 2013 den Medienpreis "Bobby" der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

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