12. Dezember 1962 - "Der Schatz im Silbersee" wird uraufgeführt

Lex Barker (Old Shatterhand), Pierre Brice (Winnetou), Ralf Wolter (Sam Hawkens) bei Dreharbeiten zu "Der Schatz im Silbersee"

12. Dezember 1962 - "Der Schatz im Silbersee" wird uraufgeführt

Im deutschen Film gilt Produzent Horst Wendlandt als "Mann mit der goldenen Nase". Seine Edgar-Wallace-Krimis sind gerade Kassenknüller, als er Anfang der 1960er-Jahre die nächste Goldgrube entdeckt: Karl Mays Romane um Winnetou und Old Shatterhand.

Werktreue interessiert Wendlandt nicht; er will moderne Action für ein junges Publikum. Aus mehreren Wildwest-Erzählungen Mays entsteht so das Drehbuch zu "Der Schatz im Silbersee". Mit einem Budget von 3,5 Millionen D-Mark wird es der bis dahin teuerste deutsche Nachkriegsfilm.

"Der Schatz im Silbersee", Filmpremiere (am 12.12.1962)

WDR 2 Stichtag | 12.12.2017 | 04:10 Min.

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Pierre Brice bei Berlinale entdeckt

Als Old Shatterhand hat Wendlandt den Amerikaner Lex Barker im Auge. 120.000 Mark kassiert der Tarzan-Darsteller für seinen Ausflug nach Germany. Als Co-Star verpflichtet Wendland den 23-jährigen Götz George. Für 40.000 Mark lässt sich der junge Theatermime von Shakespeare zu Karl May locken.

Nach einem überzeugenden Winnetou aber muss Produzent Wendlandt lange suchen. Beim Abschlussball der Berlinale 1962 entdeckt er am Nachbartisch Pierre Brice. Der aber interpretiert Wendlandts Interesse zunächst völlig falsch:

"Ich dachte, er würde meine Freundin anstarren. Ich war gereizt, eifersüchtig und kurz davor aufzustehen und um eine Erklärung zu bitten", erzählt Brice später. Erst nach zähen Verhandlungen kann Wendlandt den Franzosen überzeugen, die exotische und dialogarme Rolle des Apatschenhäuptlings zu übernehmen.

Erfolgreichster Film des Jahres

Unter der Regie von Harald Reinl wird "Der Schatz im Silbersee" in Kroatien gedreht. Götz George spielt den jungen Fred Engel, der die Mörder seines Vaters jagt. Der alte Engel hatte die Hälfte einer Schatzkarte bei sich. Gangster wollen an die andere Hälfte kommen und scheuen dabei vor keiner Schandtat zurück.

Zu seinem Glück hat Fred Engel zwei große Kämpfer an seiner Seite: den aufrechten Old Shatterhand und dessen Blutbruder Winnetou. Der Schatz – und mit ihm der Oberschurke – stürzen am Ende unrettbar in die Tiefen einer Höhle. Doch Fred Engel entgeht dank seiner Freunde dem sicheren Tod.

Die Uraufführung am 12. Dezember 1962 in Stuttgart wird zum Triumph. Der Andrang ist so gewaltig, dass Pierre Brice nur in einer geliehenen Polizeiuniform aus dem Saal entkommen kann. Mit Kasseneinnahmen von 6,4 Millionen D-Mark wird "Der Schatz im Silbersee" 1962 zum erfolgreichsten Film in Deutschland.

Vor 55 Jahren: Winnetou betritt die Leinwand

Von Ingo Neumayer

Mit dem "Schatz im Silbersee" fing alles an: Am 12. Dezember 1962, also vor 55 Jahren, kam der erste der klassischen "Winnetou"-Filme in die Kinos. Ein bundesdeutscher Mythos wurde geboren.

Filmplakat "Der Schatz im Silbersee"

Nicht "Winnetou", sondern "Der Schatz im Silbersee" ist der erste der Karl-May-Filme, die in den 1960er Jahren in die Kinos kommen - und auch heute noch gerne gesehen werden. Am 12. Dezember 1962 feiert der Film in Stuttgart Premiere.

Nicht "Winnetou", sondern "Der Schatz im Silbersee" ist der erste der Karl-May-Filme, die in den 1960er Jahren in die Kinos kommen - und auch heute noch gerne gesehen werden. Am 12. Dezember 1962 feiert der Film in Stuttgart Premiere.

Die Abenteuergeschichten rund um den Apatschen-Häuptling Winnetou und den weißen Trapper Old Shatterhand basieren auf den Romanen von Karl May, die im Nachkriegsdeutschland in so gut wie jedem Jugendzimmer im Bücherregal stehen. Und genau wie die Bücher sind auch die Filme äußerst beliebt. "Der Schatz im Silbersee" hat über drei Millionen Besucher und ist der erfolgreichste Film des Jahres 1963.

Die Schauspieler Lex Barker (li.) und Pierre Brice (Mi.) werden dank der Karl-May-Filme zu Superstars und Teenie-Schwärmen. Wobei: Damals heißen Teenager noch "Backfische" ...

Winnetou als der "edle Wilde", der zusammen mit seinem weißen Blutsbruder Old Shatterhand die Bösen bekämpft: Das ist der Stoff, von dem man in den 1960ern nicht genug bekommen kann. Noch dazu, da der Wilde Westen im Film mit seinen beeindruckenden Landschaften und seinen einfachen Moral-Modellen zum Sehnsuchtsort der Deutschen wird.

Dass die Dreharbeiten der Karl-May-Reihe zum Großteil in Jugoslawien und nicht in den USA stattfinden, fällt da nicht weiter ins Gewicht.

Die Karl-May-Filme werden für viele junge Schauspieler zum Karrieresprungbrett. Götz George (li.) und Karin Dor (re.) sind darin genauso zu sehen wie ...

... Uschi Glas, die 1966 als "Halbblut Apanatschi" ihre erste große Rolle hat.

Elke Sommer, Klaus Kinski, Terence Hill, Chris Howland, Ralf Wolter, Eddi Arent, Heinz Erhardt, Bill Ramsey, Daliah Lavi: Die Liste der bekannten Gesichter, die sich in Nebenrollen bewähren dürfen, ist lang und länger. Auch Mario Adorf macht mit. Er spielt in "Winnetou I" den Bösewicht Frederick Santer.

Unverkennbar und ebenfalls äußerst erfolgreich ist die Musik von Komponist Martin Böttcher (li.). Die "Old-Shatterhand"-Melodie hält sich monatelang in den deutschen Charts.

Wer sich heute über die ständigen Fortsetzungen, Spin-Offs und Prequels erfolgreicher Filme aufregt, dem sei gesagt: In der "guten, alten Zeit" war das auch nicht anders. Zwischen 1962 und 1968 kommen sage und schreibe 17 Karl-May-Filme in die Kinos, darunter elf mit Beteiligung von Winnetou.

Als Winnetou im Film "Winnetou 3" vom Fiesling Rollins erschossen wird und in den Armen seines Freundes Old Shatterhand stirbt, bricht für viele Zuschauer eine Welt zusammen. Doch die Zeit der Trauer dauert nicht lange: Schon wenige Monate später ist Winnetou auf der Leinwand wieder quicklebendig und erlebt mit seinen alten Freunden Shatterhand, Surehand und Firehand neue Abenteuer.

Lex Barker ist die Allzweckwaffe bei den Karl-May-Verfilmungen. Im Wilden Westen ist er Old Shatterhand, im Orient spielt er den deutschen Abenteurer Kara Ben Nemsi. Und auch in Mittelamerika muss er sich beweisen: als Doktor Karl Sternau, der im Film "Schatz der Azteken" Geheimbotschaften für Abraham Lincoln überbringt.

Ende der 60er endet die Karl-May-Leidenschaft der Deutschen – zumindest, was die Kinofilme angeht, die immer schlechter besucht sind. "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten" erscheint 1968 und ist der letzte Film der klassischen Karl-May-Reihe. Doch in den Freilichtbühnen der Republik wie zum Beispiel im sauerländischen Elspe lebt der Mythos weiter.

Auch die DDR hatte mit Gojko Mitić ihren Indianerhäuptling. Der athletische Schauspieler wurde zwar auch "Winnetou des Ostens" genannt, spielte zu DDR-Zeiten diese Rolle allerdings nie in einem Kinofilm. Erst ab 1992 wurde er für 15 Jahre zum Winnetou bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

Auch im neuen Jahrtausend können die Deutschen nicht von Karl May lassen: 2001 kommt die Komödie "Der Schuh des Manitu" in die Kinos, in der Regisseur Michael "Bully" Herbig die Geschichten rund um den Apatschen-Häuptling durch den Kakao zieht. Mit riesigem Erfolg: Fast zwölf Millionen Zuschauer strömen in die Kinos. Das sind deutlich mehr als bei den Originalvorlagen aus den 60ern.

2016 wird dann auch mal wieder ein ernstgemeinter Karl-May-Film veröffentlicht: "Winnetou – der Mythos lebt" heißt der Dreiteiler mit Nik Xhelilaj als Winnetou und Wotan Wilke Möhring als Old Shatterhand. Die Deutschen und ihr Lieblingsindianer – eine Liebe, die offenbar nie erkaltet.

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Stand: 12.12.2017, 00:00