23. Oktober 1954 - Pariser Verträge werden unterzeichnet

Unterzeichnung der Pariser Verträge 12.10.1954, Bundeskanzler Konrad Adenauer

23. Oktober 1954 - Pariser Verträge werden unterzeichnet

"Die Sowjetunion draußen halten, die Amerikaner drinnen - und die Deutschen am Boden." Das ist zunächst das Ziel der NATO in Westeuropa - wie es der erste Generalsekretär, Hastings Ismay, formuliert. Doch bald nach der Gründung des Nordatlantikpaktes im April 1949 ändert sich die Lage: Der Koreakrieg verstärkt die Angst vor dem Kommunismus.

Kanzler Konrad Adenauer (CDU) fühlt sich bestätigt: Ohne deutsche Soldaten werden die Sowjets Westeuropa überrollen. "Seine Politik ist die der Westbindung", sagt Thorsten Loch, Militärhistoriker der Bundeswehr in Potsdam. Über die Integration der Bundesrepublik in die westliche Staatengemeinschaft habe Adenauer perspektivisch die Wiedervereinigung erlangen wollen.

Selbstbestimmung statt Besatzung

Auch die Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich sind an einem westdeutschen Verteidigungsbeitrag interessiert. Ende September 1954 ist man sich einig: Die Bundesrepublik wird NATO-Mitglied und darf eigene Truppen aufstellen. Verboten sind für die geplante Bundeswehr allerdings atomare, biologische und chemische Waffen.

Im Gegenzug soll Westdeutschland weitgehend souverän werden. Diese Regelung wird in den sogenannten Pariser Verträgen festgeschrieben, die am 23. Oktober 1954 auch von Adenauer unterzeichnet werden.

Die Pariser Verträge werden unterschrieben (am 23.10.1954)

WDR 2 Stichtag 23.10.2019 04:00 Min. Verfügbar bis 20.10.2029 WDR 2

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Adenauer will Atomwaffen

In der BRD wächst eine Wehrpflicht-Armee von 500.000 Mann. In der DDR wird aus der kasernierten Volkspolizei eine Nationale Volksarmee mit 120.000 Soldaten. Hinzu kommt die atomare Aufrüstung in Ost und West. Auch Adenauer will Atomwaffen für die Bundeswehr, obwohl die Pariser Verträge das untersagen.

Bei der Wiederbewaffnung hatte sich Adenauer gegen die Bedenken der Bevölkerung durchgesetzt, doch diesmal ist die öffentliche Meinung stärker als der Kanzler. Es gibt Demonstrationen, Petitionen und die ersten Ostermärsche Anfang der 1960er Jahre. Willy Brandts (SPD) sozialliberale Regierung tritt schließlich 1969 dem Atomwaffensperrvertrag bei.

NATO dehnt sich aus

Nach einer Entspannungsphase setzt wieder eine Phase des atomaren Wettrüstens ein. Die Sowjetunion stationiert in der DDR atomare Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20. Die US-Armee stationiert Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles in der BRD. Die Friedensbewegung protestiert, die NATO setzt ihre Abschreckungspolitik durch.

1991 lösen sich die Sowjetunion und der Warschauer Pakt auf. Die NATO hingegen dehnt sich aus: Vor allem osteuropäische Länder wollen Mitglied werden, aus Angst vor Russland. Es kommt zur NATO-Osterweiterung.

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Stand: 23.10.2019, 00:00