2. Dezember 1938 - Erster Kindertransport erreicht England

Kinderausweis von Werner Herbert Levy, der 1939 mit einem Kindertransport von Berlin nach London gebracht wurde

2. Dezember 1938 - Erster Kindertransport erreicht England

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wird die Lage der Juden immer prekärer. Das bleibt dem Ausland nicht verborgen. Im Juli 1938 beruft US-Präsident Franklin D. Roosevelt deshalb in Évian eine Konferenz ein.

Dort debattieren Vertreter von 32 Ländern über die erleichterte Aufnahme deutscher und österreichischer Juden. Aber keiner der Staaten verändert seine Einreisebestimmungen.

Erste jüdische Kinder kommen in England an (am 02.12.1938)

WDR 2 Stichtag 02.12.2018 04:16 Min. WDR 2

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Kinder bis 16 Jahre

Erst die Novemberpogrome im selben Jahr verändern die Haltung. Englands Premierminister Neville Chamberlain setzt die Aufnahme von Flüchtlingen im Unterhaus durch - auf Bitten des britischen "Council for German Jewry" ("Rat für deutsches Judentum").

Die Regeln sind streng: Nur Kinder zwischen vier Monaten und 16 Jahren dürfen einreisen, aus Angst vor Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Finanziert und organisiert werden die Transporte vorwiegend von jüdischen Gemeinden. Diese müssen pro Flüchtling nach heutigem Wert 1.500 Euro bereitstellen und Familien für die Unterbringung suchen.

Rund 10.000 Gerettete

Um jegliches Aufsehen zu vermeiden, untersagen die deutschen Behörden den Eltern ihre Kinder auf den Bahnsteigen zu verabschieden. Der erste Transport mit 196 Kindern erreicht Großbritannien am 2. Dezember 1938.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gelingt rund 10.000 Kindern die Ausreise. Nicht alle von ihnen haben den jüdischen Glauben, rund 2.000 sind katholisch, protestantisch oder konfessionslos. Doch das spielt für die rassistische Eingruppierung der Kinder durch die Nürnberger Gesetze keine Rolle.

Kontakt reißt ab

Der letzte Kindertransport kommt am 2. September 1939 in Großbritannien an. Mit dem Kriegsbeginn werden die Kontakte der Kinder zu ihren Angehörigen immer seltener. Spätestens mit den Deportationen reißen sie ganz ab.

Zudem gelten die Flüchtlinge plötzlich als verdächtige Deutsche. Zum Teil werden sie sogar interniert und als potenzielle Spione bis nach Australien gebracht. Gastfamilien verheimlichen nun, dass sie Kinder aus dem Feindesland haben, oder geben sie sogar ab.

Angehörige ermordet

Die meisten Verwandten der geflüchteten Kinder überleben den Holocaust nicht. Aus dem Plan der Briten, die vereinten Familien in Palästina anzusiedeln, wird nichts.

Bereits 1944 erklärt ein Vormundschaftsgesetz die Organisation "Refugee Children's Movement" (RCM) für die Kinder verantwortlich. Das Gesetz bleibt gültig, bis 1959 das letzte der Kinder mit 21 Jahren die Volljährigkeit erreicht. Viele von ihnen nehmen das Angebot an, britische Staatsbürger zu werden.

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