Dieter Hallervorden vor dem Kabarett-Theater "Die Wühlmäuse"

Stichtag

22. Dezember 1960 - Kabarett-Theater "Die Wühlmäuse" gegründet

Bierfahrer, Bauarbeiter, Gärtner: Nach seiner Flucht aus der DDR 1958 hat Dieter Hallervorden ganz unterschiedliche Jobs - neben seinem Studium der Romanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften. Dann gibt ein Zufall seinem Leben eine unerwartete Wendung: "Schauspieler bin ich nur geworden, weil ich in West-Berlin einsam war nach meiner Flucht." Als ihm an der Universität der Aushang einer Theatergruppe aufgefallen sei, habe er gedacht: "Da gehste mal hin. Da lernste wenigstens jemanden kennen."

Mäuse als Namensgeber

Der Beginn von Hallervordens Karriere ist allerdings holperig. Sein Vorsprechtermin an der Max-Reinhardt-Schauspielschule ist bereits nach dem ersten Satz beendet. Auch beim Berliner Kabarett "Die Stachelschweine" blitzt Hallervorden ab. Doch er gibt nicht auf. In der ehemaligen Variéte-Bühne "Scala", die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört worden war, findet er eine Auftrittsmöglichkeit. Bei den Proben sind ständig Mäuse anwesend und geben dem Kabarett den Namen: Am 22. Dezember 1960 starten "Die Wühlmäuse" ihr erstes Programm. Es heißt "Der Humor hat seine Schuldigkeit getan".

Zusammen mit Wilfried Herbst und Rotraut Schindler präsentiert Hallervorden politische Satire: "Haste gehört, was Ulbricht gestern in seiner Rede gesagt hat? Das Leben ist leichter und schöner geworden. Ja, aber er hat nicht gesagt für wen!" Nach einer Durststrecke wird der Rundfunk aufmerksam. SFB und RIAS senden Mitschnitte von den Auftritten der "Wühlmäuse". Die Gruppe zieht in eine größere Bühne um.

Mit "Didi" kommt der Nonsens

Als Hallervorden in den 1970er Jahren schließlich seine "Didi"-Figur auf den Brettern der "Wühlmäuse" zum Laufen bringt, steigt auch das Fernsehen ein. Die Bühne wird umgebaut und dessen technischen Anforderungen angepasst. Der Süddeutsche Rundfunk zeichnet die Sendung "Nonstop Nonsens" direkt im Theater auf. Hallervordens politisches Kabarett weicht "Didis" reiner Blödelei. "Es war wirklich so, dass wir sagten: 'Wir machen das, worüber wir selbst lachen können in der Hoffnung, dass andere diesen Humor teilen", sagt Hallervorden rückblickend. "Es war wirklich so, dass wir 30 Millionen Zuschauer hatten."

Hallervorden gehört in den 1980er und 1990er Jahren fest zur Fernsehunterhaltung. Auch die "Spottschau" für Sat1 und "Spott-Light" für die ARD produziert er in den "Wühlmäusen". Im Jahr 2000 folgt ein weiterer Umzug. Seither befindet sich die Kabarettbühne im ehemaligen Kino der britischen Streitkräfte im Berliner Westend. Heute dienen "Die Wühlmäuse" überwiegend als Gastspielhaus für die Vertreter des deutschen Kabaretts.

Stand: 22.12.2015

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