10. November 2015 - Todestag von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) raucht kurz vor Beginn einer Gesprächsrunde der SPD im Theater.

10. November 2015 - Todestag von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt

Im Februar 1962 wird Hamburg von einer Sturmflut heimgesucht. Mitten in der Nacht brechen die Deiche, das Wasser steigt teils bis zu den Dächern, Menschen und Tiere ertrinken. Der SPD-Politiker Helmut Schmidt ist Innensenator der Hansestadt. Erst am frühen Morgen wird er informiert. Unrasiert stürzt Schmidt zum Dienstwagen, rast ohne Rücksicht auf Verkehrsregeln durch die Stadt zur Polizeiwache, beruft einen Krisenstab ein. Da sind schon 20 Prozent der Stadtfläche vom Elbwasser überflutet.

Ohne Rücksicht auf Bürokratie und Hierarchien schafft Schmidt Hilfe. Er setzt Bundeswehrsoldaten und Hubschrauber ein, obwohl das damals verfassungswidrig beziehungsweise aufgrund des Sturms lebensgefährlich ist. Insgesamt mobilisiert er 40.000 Helfer, die eine noch größere Katastrophe verhindern. So erwirbt sich Schmidt den Ruf, ein "Macher" zu sein.

Helmut Schmidt, deutscher Politiker (Todestag 10.11.2015)

WDR 2 Stichtag 10.11.2020 04:17 Min. Verfügbar bis 08.11.2030 WDR 2


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"Verantwortung" als Schlüsselwort

Geboren wird Schmidt 1918 in Hamburg-Barmbek. Mit 15 Jahren kommt er zur Hitler-Jugend, vier Jahre später meldet er sich freiwillig zur Wehrmacht. 1942 heiratet er seine Jugendliebe Hannelore Glaser, genannt "Loki", mit der er eine Tochter hat. Es ist eine Ehe, die nicht immer problemlos ist, aber bis zum Tod Lokis im Jahr 2010 hält.

1953 wird Schmidt Mitglied des Bundestages. Später wird er Fraktionschef, Verteidigungs-, Finanz- und Wirtschaftsminister und 1974 schließlich Bundeskanzler. Mitten in der Ölkrise, zur Zeit von Rezession und Massenarbeitslosigkeit, übernimmt er Verantwortung: ein wichtiges Wort in seiner ganzen Laufbahn. Während sein Vorgänger und Parteikollege Willy Brandt als Visionär umjubelt wird, gilt Schmidt als nüchterner Realist: "Wer Visionen hat", sagt er einmal, "sollte zum Arzt gehen".

Gemeinsam mit Profis am Klavier

Bis zum Misstrauensvotum, das er 1982 nach dem Koalitionsbruch durch die FDP gegen Helmut Kohl (CDU) verliert, setzt Schmidt auf Geradlinigkeit. Etwa beim Terror der RAF, der mit der Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer 1977 seinen Höhepunkt erreicht. Schmidt lässt sich nicht erpressen, Schleyer wird ermordet. Die Politik stößt auf viel Kritik.

Als Privatmann spielt der Kettenraucher Schmidt Klavier, interessiert sich auch für Malerei und Buddhismus. Nach dem Ende seiner politischen Karriere wird er 1983 Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", schreibt Artikel und Bücher, hält Vorträge. 1984 spielt er mit Profi-Pianisten und den Hamburger Philharmonikern Bachs Konzert für vier Klaviere ein.

Der Tod seiner Frau Loki stürzt Helmut Schmidt in eine tiefe Krise. Helmut Schmidt stirbt am 10. November 2015 im Alter von 96 Jahren in Hamburg-Langenhorn.

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Stand: 10.11.2020, 00:00