1. August 1819 - Geburtstag von Herman Melville

Herman Melville

1. August 1819 - Geburtstag von Herman Melville

Sein Leben als Schriftsteller beginnt mit einem Trauma: Als Herman Melville zwölf Jahre alt ist, muss der Vater Bankrott anmelden und stirbt kurz darauf. "Die Familie war verschuldet. Armut drohte und Melville musste die Schulbildung einige Zeit aufgeben", sagt Arno Heller, Amerikanistiker in Österreich, der 2017 eine bedeutende Biografie über Melville geschrieben hat. Etwa 150.000 Menschen leben damals in New York, Herman Melville wird dort am 1. August 1819 geboren.

Herman Melville, US-Schriftsteller (Geburtstag 01.08.1819)

WDR 2 Stichtag 01.08.2019 04:02 Min. Verfügbar bis 29.07.2029 WDR 2

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Er muss nun Geld verdienen, arbeitet als Laufbursche in einer Bank, als Lehrer und als Hilfsmatrose auf einem Handelsschiff. Und heuert bald ein zweites Mal auf einem Schiff an, dieses Mal auf einem Walfänger in Nantucket. Doch die Bedingungen an Bord der "Acushnet" sind hart: Melville desertiert mitten im Pazifik und bleibt zunächst auf der Insel Nuku Hiva.

Seine Matrosenfantasien erscheinen 1846 als Buch und werden ein Erfolg. Nun will Melville mehr: Die Idee zu einem Roman mit einem Wal im Mittelpunkt entsteht.

Melville will ein universales Buch schreiben

Die erste Fassung bespricht Melville mit einem Kollegen. "Der hat ihm klargemacht, dass alles, was er bisher gemacht hat, zu kleinkariert war. Dass er etwas Großes, Romantisches, Universales hineinbringen muss", sagt Heller.

Fast jede Szene in der Geschichte um Kapitän Ahab und dessen Rachefeldzug gegen den weißen Wal lädt Melville also mit Bedeutung auf, zum Beispiel jene mit der Dublone, einer Goldmünze. Die nagelt Ahab an den Mast und verspricht: Wer den weißen Wal zuerst erblickt, erhält sie.

An der Dublone laufen im Buch nach und nach viele Mitglieder der Mannschaft vorbei und jeder sieht in ihr etwas anderes. "Damit wollte Melville sagen: Es gibt die Wahrheit nicht, sondern nur die Suche nach Wahrheit. Und jeder hat das Recht, die Wahrheit auf seine eigene Weise zu finden", sagt Heller.

"Moby Dick": viele Seiten, verkopft und pessimistisch

Doch das Buch "Moby Dick" von 1851, viele Seiten, verkopft und pessimistisch, fällt beim Publikum durch: Nur 3.000 Exemplare verkaufen sich zu Melvilles Lebzeiten. Auch Arno Heller kämpfte, als er es im Studium zum ersten Mal las. "800 Seiten in einer schwierigen Sprache – fast nicht zu bewältigen", erzählt er.

Herman Melville schreibt weiter, wird aber kaum beachtet. "Glücklich war er nie", glaubt Heller. Melville stirbt 1891. Erst nach seinem Tod werden seine Arbeiten wiederentdeckt, "Moby Dick" gilt heute als Meisterwerk.

Im Mai 2019 hat die Digitalkonferenz re:publica mit Melville ein Zeichen gegen die Verkürzung gesetzt. Auf dem Gelände hing Seite für Seite ausgedruckt ein sehr langes Buch: "Moby Dick".

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Stand: 01.08.2019, 00:00