5. Januar 1921 – Geburtstag des Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt beim Pfeifenrauchen, 1962

5. Januar 1921 – Geburtstag des Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt

Eine einstmals aus der Dorfgemeinschaft verstoßene reiche Frau kommt in ihre Heimat zurück und bietet den Bewohnern viel Geld für die Leiche jenes Mannes, der sie ins Verderben stürzte. Das ist die raffinierte Grundidee von Friedrich Dürrenmatts Drama "Der Besuch der alten Dame" (1956).

In dem Klassiker geht es um die Wirtschaftswunderjahre, den Nationalsozialismus – und vor allem um die ewige Verführbarkeit des Menschen und seine unaufhörliche Verstrickung in Schuld und Sühne.

Friedrich Dürrenmatt, Schriftsteller (Geburtstag 05.01.1921)

WDR 2 Stichtag 05.01.2021 04:14 Min. Verfügbar bis 03.01.2031 WDR 2


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Zu apokalyptisch fürs Publikum

Geboren wird Friedrich Dürrenmatt am 5. Januar 1921 in einer kleinen Gemeinde im Kanton Bern. Als Pastorensohn muss er laut eigener Aussage auf Schleichwegen zur Schule gehen, um nicht von den Bauernjungen verprügelt zu werden. Das Dorfleben wird später im Werk zum Mikrokosmos menschlicher Grausamkeit und Unzulänglichkeit.

Ursprünglich will Dürrenmatt Maler werden, gibt den Plan aber auf, als es merkt, dass seine immer phantastischer und apokalyptischer werdenden Bilder völliges Unverständnis hervorrufen. Stattdessen studiert er ab 1941 in Bern und Zürich Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik und wird Schriftsteller.

Die absurde Komödie

Sein Debüt als Dramatiker gibt Dürrenmatt 1947 mit dem Wiedertäufer-Drama "Es steht geschrieben". Drei Jahre später erscheint sein später auch verfilmter Kriminalroman "Der Richter und sein Henker", den er als junger Familienvater von zwei Kindern primär aus finanziellen Gründen schreibt. 1952 bringt das Stück "Die Ehe des Herrn Mississippi" den Durchbruch. Es folgen  "Ein Engel kommt nach Babylon" (1953), "Der Besuch der alten Dame" und "Die Physiker" (1962) über die Katastrophe der Atombombe. Dürrenmatt wird gefeiert wie kein anderer Theaterautor der 50er und frühen 60er Jahre.

"Der Mensch ist für mich ein Wesen, das nur durch paradoxe, komödiantische Mittel dargestellt werden kann", lautet dabei Dürrenmatts Devise. Seine Themen sind Schuld und Sühne, Verrat und Rache, Gnade und Gerechtigkeit, für die er immer neue, phantastisch-makabre, gleichnishafte Geschichten erfindet.

Im Gefängnis Schweiz

Als seine Stücke Anfang der 70er Jahre nicht mehr ankommen, wendet sich der Autor wieder verstärkt der Prosa zu. Die stark autobiographisch geprägten Texte erscheinen ab 1981 unter dem Titel "Stoffe - Zur Geschichte meiner Schriftstellerei". 30.000 Manuskriptseiten werden es am Ende sein.

Noch in seiner letzten Rede kurz vor seinem Tod analysiert er satirisch das eidgenössische Lebensgefühl und skizziert die Schweiz als Gefängnis, in dem jeder Gefangene sein eigener Wärter sei Der schwer zuckerkranke Dürrenmatt stirbt 1990 im Alter von 69 Jahren in seinem Haus in Neuchâtel an einem Herzinfarkt.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 5. Januar 2021 ebenfalls an Friedrich Dürrenmatt. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 05.01.2021, 00:00