10. Juli 1985 - Französischer Geheimdienst versenkt Greenpeace-Schiff

Greenpeaceschiff Rainbow Warrior liegt versenkt im Hafen von Auckland, Neuseeland

10. Juli 1985 - Französischer Geheimdienst versenkt Greenpeace-Schiff

Neuseeland, am Abend des 10. Juli 1985: An Bord der "Rainbow Warrior", die im Hafen von Auckland vor Anker liegt, feiert die Besatzung einen Geburtstag. Das Schiff der Umweltschutzorganisation Greenpeace soll am nächsten Tag in den Südpazifik starten. Der Plan ist es, die französischen Atomwaffentests im Gebiet des Mururoa-Atolls zu stören.

Doch dazu kommt es nicht: Kurz vor Mitternacht explodiert eine Haftmine an der Schiffswand. Die "Rainbow Warrior" beginnt sofort zu sinken. Die Besatzung kann sich auf den Anleger retten - bis auf den Fotografen Fernando Pereira. Er kehrt noch einmal um, weil er seine Kameraausrüstung retten will.

Rainbow Warrior wird versenkt (am 10.07.1985)

WDR 2 Stichtag 10.07.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 08.07.2030 WDR 2

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Fotograf ertrinkt

In dem Moment explodiert eine zweite Bombe. Das Wasser dringt noch schneller ein. Der portugiesische Fotograf ertrinkt im Bauch des Schiffes. Die Spur der Täter führt die Ermittler zum französischen Geheimdienst. Die Weltöffentlichkeit ist fassungslos: Frankreich gab einen Bombenanschlag gegen Umweltaktivisten in Auftrag.

Es folgt eine schwere politische Krise zwischen Neuseeland und Frankreich. Die neuseeländische Polizei fasst zwei Agenten, die zu hohen Haftstrafen verurteilt werden. Nach einem Schiedsspruch von UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar werden die Männer an Frankreich ausgeliefert, wo sie allerdings nur einen Bruchteil ihrer Strafe absitzen.

"Operation Satanic"

Verteidigungsminister Charles Hernu und Geheimdienstchef Pierre Lacoste verlieren zwar ihre Posten. Staatspräsident François Mitterrand jedoch kann sich im Amt halten. Später schreibt Lacoste in seinen Memoiren, Mitterrand habe von der Aktion gewusst und seine Zustimmung erteilt.

Die an der "Operation Satanic" beteiligten Franzosen werden geehrt und befördert. Einer von ihnen wird später sogar zum "Großoffizier der Ehrenlegion" ernannt, eine hohe nationale Auszeichnung.

Wrack wird Biotop

Die "Rainbow Warrior", seit 1978 das Flaggschiff der Greenpeace-Flotte, erhält in der Matauri-Bucht im Norden Neuseelands eine feierliche Seebestattung. Das Wrack wird zum Ziel tausender Taucher. Es liegt 2,5 Kilometer vor der Küste, in 30 Metern Tiefe – in Besitz genommen von der Natur; Korallenbänken, Seeanemonen, Hummern und Fischschwärmen.

Die umgerechnet rund acht Millionen Euro, die Frankreich an Greenpeace zahlt, steckt die Organisation teilweise in ein neues Schiff: die "Rainbow Warrior II". Auch die Familie des Fotografen und Neuseeland werden entschädigt. 1995 - zehn Jahre nach ihrem Anschlag - beenden die Franzosen die Atomtests auf Mururoa.

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Stichtag am 11.07.2020: Vor 60 Jahren: Roman "To Kill a Mockingbird" erscheint

Stand: 10.07.2020, 00:00