31. Januar 1971 - Telefonleitungen zwischen Ost- und West-Berlin freigeschaltet

Fernamt I in der Winterfeldtstraße in West-Berlin, von hier werden ab dem 31.01.1971 die Gespräche nach Ost-Berlin geschaltet

31. Januar 1971 - Telefonleitungen zwischen Ost- und West-Berlin freigeschaltet

Als 1961 in Berlin die Mauer gebaut wird, ist eine andere Verbindung längst gekappt: die Telefonleitungen zwischen Ost- und Westberlin. Die sowjetische Besatzungsmacht hat fast zehn Jahre zuvor alle Fernsprechleitungen zwischen den Sektoren unterbrochen.

Es gibt nur wenige und aufwendige Möglichkeiten, über Funkverbindungen miteinander zu telefonieren. Seit der Gründung der beiden deutschen Staaten ist die deutsch-deutsche Grenze auch kommunikativ immer undurchdringlicher geworden.

Gespräche über bessere Beziehungen

Im Dezember 1969 schlagen die drei westlichen Besatzungsmächte der Sowjetunion Gespräche über die Verbesserung der Beziehungen vor. Ein Thema, das dabei auch besprochen werden soll, ist die Wiederherstellung des innerstädtischen Telefonverkehrs in Berlin.

Ende März 1970 beginnen die Verhandlungen der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges. Ergebnis ist das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin, das später zusammen mit den Ostverträgen in Kraft tritt.

Bahr: "Schon im vorigen Jahr besprochen"

Während die USA, Großbritannien, Frankreich und die UdSSR verhandeln, gibt es Bewegung in Sachen Telefonverkehr. Am 31. Januar 1971 werden neue Telefonleitungen zwischen Ost- und West-Berlin freigeschaltet.

Egon Bahr, Staatssekretär im Bundeskanzleramt bei Willy Brandt (SPD), sagt damals allerdings dazu: "Ich glaube zunächst einmal, dass man die Schaltung dieser Telefonleitungen überhaupt nicht im Zusammenhang mit den Vier-Mächte-Gesprächen sehen kann, jedenfalls nicht sollte." Diese Frage sei "schon im vorigen Jahr besprochen worden".

Nur zehn Leitungen

Trotzdem betrachtet auch er die Einigung als Fortschritt. "Die Möglichkeit, dass man nach 19 Jahren die absurde Situation beseitigt", so Bahr, "und wieder telefonieren kann zwischen den beiden Teilen dieser Stadt, ist mit Sicherheit eine erfreuliche Tatsache."

Es geht zunächst allerdings nur um zehn Leitungen. Schon nach kurzer Zeit sind die Kapazitäten ausgebucht - obwohl die Gesprächszeit pro Anruf reglementiert ist: Nach drei Minuten ist Schluss.

Neue Telefonleitungen zw. Ost- und West-Berlin (am 31.01.1971)

WDR 2 Stichtag 31.01.2021 04:15 Min. Verfügbar bis 29.01.2031 WDR 2


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Handvermittelte Telefonate

"Bei diesen knappen Leitungen konnte man das nicht für die Selbstwahl freigeben", sagt Lioba Nägele vom Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main. "Sondern es waren Gespräche, die über Fräuleins vermittelt wurden."

Rund 750 Gespräche pro Tag seien möglich gewesen. "Man bediente sich einer alten Technik, nämlich des sogenannten Rückwärtsaufbaus", erklärt Nägele. "Der Anrufer bekam seine Verbindung, wenn erfolgreich alle Stellen bereit waren - dass man nicht die gesamte Wartezeit bezahlen musste."

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