6. Oktober 1889 - Erstbesteigung des Kibo im Kilimandscharo-Massiv

Blick auf den Kilimandscharo

6. Oktober 1889 - Erstbesteigung des Kibo im Kilimandscharo-Massiv

"Diese Spitze des Kilimandscharo wurde uns vom Erstbesteiger Hans Meyer geschenkt", erklärt die Museumskuratorin Käthe Klappenbach vom Neuen Palais in Potsdam. Der schwarze Lavastein hat etwa die Größe eines Zuckerhuts. "Es war eine Trophäe und der Beweis, dass er oben war."

Erstbesteigung des Kilimandscharo (am 06.10.1889)

WDR 2 Stichtag 06.10.2019 04:15 Min. Verfügbar bis 03.10.2029 WDR 2

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In der Hochsaison versuchen heute bis zu 200 Menschen am Tag den Kibo im Kilimandscharo-Massiv zu erklettern, mit 5.895 Metern der höchste Berg Afrikas. Auch der 30-jährige Hans Meyer ist im 19. Jahrhunderts fasziniert von dem Berg mit der eisglitzernden Kappe am Äquator. Er ist der Enkel des Meyer-Lexikon-Erfinders und hat das nötige Geld für eine Expedition. Tansania ist zu der Zeit deutsche Kolonie.

"Über den Wolken strahlt plötzlich aus dem Himmelsblau ein wunderbar erhabenes Bergbild in schneeblendender Weiße hervor wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt", schreibt er in seinem Kilimandscharo-Tagebuch. "Es packt mich mit unwiderstehlicher Gewalt!"

Jeden Schritt hinauf müssen die Bergsteiger mit dem Eispickel schlagen

Am Kilimandscharo-Massiv hatten sich schon mehrere Europäer versucht, bisher vergeblich. Die einheimischen Stämme fühlen sich bestätigt: Der Berg Kibo ist in ihren Augen unantastbar. Trotzdem gelingt es Meyer, den tansanischen Bergführer Yohani Kinyala Lauwo und einheimische Träger zu rekrutieren. Aus Österreich stößt noch der Abenteurer Ludwig Purtscheller dazu.

Am 6. Oktober 1889 nehmen Meyer, Purtscheller und Lauwo den Gipfel in Angriff. Ab 5.200 Metern Höhe stehen sie auf einem spiegelglatten Panzer aus Gletschereis. Jeden Schritt hinauf müssen sie mit dem Eispickel schlagen, 20 Hiebe für jede Stufe. Nach sieben endlosen Stunden stehen sie tatsächlich auf dem Gipfel. "Besinnungsloses Taumeln … mit frostzitternden Gliedern fest aneinander geschmiegt erwarten wir den Sonnenaufgang … Dann tief erschüttert oben am Kraterrand", berichtet Meyer.

Und er schreibt weiter mit einem Gefühl des Triumphs: "Ich pflanzte mit dreimaligem Hurra eine kleine deutsche Fahne auf und rief frohlockend: Mit dem Recht des Erstbesteigers taufe ich den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde 'Kaiser-Wilhelm-Spitze'!"

Ein Stück vom Kilimandscharo für Kaiser Wilheim II.

Und Hans Meyer schlägt eine Spitze schwarzen Lavafels am Gipfel ab und schickt ihn Kaiser Wilhelm II. Der Kibo gilt nun als höchster Berg des Deutsches Reiches.

Bei dem Felsstück in Potsdam handelt es sich längst nicht mehr um das Original; das ist verschollen. "Eine Bekannte, die den Kilimandscharo bestiegen hat, hat jedoch ein Stück mitgebracht – und das ist hier eingesetzt", sagt Käthe Klappenbach vom Neuen Palais.

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