2. Juli 1910 - Geburtstag des Physiotherapeuten Erich Deuser

Der 72-jährige DFB-Physiotherapeut Erich Deuser (rechts) mit seinem Kollegen Adolf Katzenmaier

2. Juli 1910 - Geburtstag des Physiotherapeuten Erich Deuser

1931 beschließt Erich Deuser, dass er mit 40 nicht mehr arbeiten will. Da hat sich der 22-jährige Physiotherapeut gerade selbstständig gemacht. Aus dem Vorsatz wird nichts, denn der "Mann mit den heilenden Händen", wie er später bewundernd genannt wird, wird ständig gebraucht. An sieben Olympischen Spielen nimmt er teil, über drei Jahrzehnte betreut er die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

Seinen kuriosesten Einsatz hat Deuser bei der WM 1970 in Mexiko. Da rennt er nach einer fehlgedeuteten Geste des Schiedsrichters auf den Platz, um dem sich am Boden krümmenden Kölner Nationalspieler Hannes Löhr zu helfen – und erhält die gerade erst eingeführte Rote Karte. Während des ganzen Turniers wird sie keinem Spieler gezeigt. Nur Erich Deuser. "Nicht für eine Unfairness", wie er später betonen wird, "sondern für eine Samaritertat."

Erich Deuser, Physiotherapeut (Geburtstag 02.07.1910)

WDR 2 Stichtag 02.07.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 29.06.2030 WDR 2

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Finger wie Radarstrahlen

Geboren wird Deuser am 2. Juli 1910 in Düsseldorf. Schon früh spielt er Fußball und Handball und hält sich mit Boxen, Turnen und Leichtathletik fit. Ursprünglich will er Sportlehrer werden, macht dann aber eine Ausbildung zum Drogisten. 1930 lässt er sich an der Universitätsklinik Düsseldorf zum Physiotherapeuten umschulen. Zwei Jahre später eröffnet er seine erste Praxis. Hier kümmert er sich unter anderem auch um die Spieler von Fortuna Düsseldorf.

Von 1950 bis 1953 lehrt Deuser an der Deutschen Sporthochschule in Köln. 1951 holt ihn Bundestrainer Sepp Herberger als freien Physiotherapeuten zur deutschen Nationalmannschaft. Hier erspüren seine Finger nach eigener Aussage wie "Radarstrahlen" noch die kleinesten Blessuren. "Ich sehe mir die Leute beim Training schon alle an und kann den einzelnen Spielern sagen: Hör mal, was hast du für eine Verletzung am linken Bein."

Mit Eiswasser und Fahrradschläuchen

Während seiner Karriere erfindet Deuser zahlreiche Therapien. Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki führt er die Unterwassermassage ein, für Gewebeverletzungen verwendet er japanische Massagestäbchen, später Eiswasser für Schienbeinschwellungen. 1962 nutzt er zur Behandlung des Nationalspielers Hans Tilkowski einen Fahrradschlauch. Daraus entwickelt er das sogenannte Deuser-Band aus elastischem Kautschuk, mit dem Dutzende von Sportübungen möglich sind.  

Seinen Abschied vom Leistungssport nimmt Deuser nicht wie geplant mit 40, sondern mit 72 Jahren. Er stirbt 1993, drei Tage vor seinem 83. Geburtstag, in seiner Geburtsstadt Düsseldorf.

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