14. November 1910 - Eric L. Malpass wird geboren

Eric L. Malpass, britischer Schriftsteller

14. November 1910 - Eric L. Malpass wird geboren

In Großbritannien kennt kaum jemand Eric L. Malpass. Der britische Schriftsteller wäre gern für seine drei späten Shakespeare-Bücher berühmt. Aber sie sind ein Flop. So wie die meisten seiner Werke. Eine Ausnahme gibt es allerdings - auch wenn es zunächst nicht danach aussieht.

1965 erscheint sein zweiter Roman "Morning's at seven", der in England zwar lediglich 5.000 Mal verkauft wird. Aber eine US-Illustrierte kauft die Rechte daran für eine Fortsetzungsserie und der deutsche Rowohlt-Verlag will das Buch ebenfalls veröffentlichen.

Eric Malpass, brit. Schriftsteller (Geburtstag 14.11.1910)

WDR 2 Stichtag 14.11.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 12.11.2030 WDR 2


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Bestseller in der Bundesrepublik

Den englischen Buchtitel verlängert Rowohlt im Deutschen zu "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung." Das schlägt auf dem deutschen Markt ein - bei einem Lesepublikum, das von Wirtschaftskrise und Studentenprotesten genug hat.

Von Juni 1967 an steht der Roman ein Jahr lang auf der Bestseller-Liste des "Spiegels". Die Fantasie von der heilen Welt erregt in der Bundesrepublik mindestens 360.000 Leser. In Malpass' Buch kommen keine langhaarigen APO-Gammler, keine linken Sprüche und keine erschreckenden Nachrichten vor.

Liebenswerte Traumfamilie

Stattdessen präsentiert Malpass junge Leute, die noch brav und wohlerzogen sind - und sich nicht mit ihren Eltern und Großeltern über Vergangenheit und Gegenwart streiten.

Im Roman wuselt der achtjährige Gaylord Pentecost als liebenswerter Lausbube durch seine harmonische Traumfamilie. Morgens springt er beim brummigen Opa ins Bett und sorgt den ganzen Tag dafür, dass die Welt auch abends noch in Ordnung ist.

Endlich freier Schriftsteller

Auch die gleichnamige Verfilmung mit James-Last-Musik wird in der Bundesrepublik ein Kassenschlager. Der deutsche Erfolg der "Morgens-um-sieben"-Idylle erlaubt es Malpass, seinen Job als Bankangestellter zu kündigen.

Er schreibt zwei Fortsetzungsbände seiner Gaylord-Geschichte für den deutschen Markt. "Wenn süß das Mondlicht auf die Hügel fällt" wird ebenfalls verfilmt.

Keine Nachrufe in England

Der Erfolg in der Bundesrepublik ist für den am 14. November 1910 im mittelenglischen Derby geborene Eric Lawson Malpass zumindest eine finanzielle Genugtuung. Bis dahin hat er einen Kurzgeschichten-Wettbewerb der Zeitung "Observer" und für seinen ersten Roman die "Goldene Palme des Humors" gewonnen.

Als Malpass am 16. Oktober 1996 mit 86 Jahren nach einem Schlaganfall in Hampshire stirbt, stehen keine Nachrufe in der englischen Presse. Den Deutschen hinterlässt er ein geflügeltes Wort: "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung".

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Stand: 14.11.2020, 00:00