14. Mai 2011 - IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn wird festgenommen

Dominique Strauss-Kahn bei Kautionsverhandlung nach Festnahme

14. Mai 2011 - IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn wird festgenommen

Nach einem privaten Besuch in New York sitzt Dominique Strauss-Kahn am Nachmittag des 14. Mai 2011 in der Air-France-Maschine nach Paris. Kurz vor dem Start holen Polizisten den Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Flugzeug und nehmen ihn wegen Vergewaltigung eines Hotel-Zimmermädchens fest. In Handschellen wird einer der einflussreichsten Männer der Welt aus dem Flughafen geführt.

Bis zu seiner Festnahme gilt Dominique Strauss-Kahn als aussichtsreichster Kandidat der französischen Sozialisten, um Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei den nächsten Wahlen 2012 abzulösen. Der frühere Minister für Wirtschaft, Finanzen und Industrie, seit 2007 erfolgreicher Direktor des IWF, genießt international hohes Ansehen, obwohl er bereits mehrfach im Mittelpunkt anrüchiger Sex-Affären gestanden hat. Die Ereignisse von New York bringen den 62-jährigen Starpolitiker und Finanzexperten endgültig zu Fall.

Oralverkehr: Ja – Gewaltanwendung: Nein

Nafissatou Diallo arbeitet seit drei Jahren als Zimmermädchen in dem zum französischen Accor-Konzern gehörenden Sofitel Manhattan. Vor der Polizei sagt die 32-Jährige aus Guinea aus, gegen 13 Uhr die Präsidentensuite betreten zu haben. Der ihr unbekannte Gast habe plötzlich nackt vor ihr gestanden und sie zweimal unter Gewaltanwendung sexuell missbraucht. Dann sei sie aus der Suite geflüchtet und hätte ihrer Vorgesetzten von der Vergewaltigung berichtet. Beim Eintreffen der Polizei hatte Strauss-Kahn das Hotel bereits verlassen – offenbar überstürzt, wie ein Polizeisprecher erklärt. Man habe persönliche Dinge sowie das Blackberry des Beschuldigten gefunden. Später verschwindet es spurlos.

Nach vier Tagen U-Haft auf der Gefängnisinsel Ryker Island tritt Strauss-Kahn als IWF-Direktor zurück. Gegen eine Kaution von sechs Millionen Dollar und überwacht durch eine elektronische Fußfessel wird er am 20. Mai in Hausarrest entlassen. Zum Prozessauftakt gesteht er, dass es zum Oralverkehr mit dem Zimmermädchen gekommen sei, allerdings – darauf besteht Strauss-Kahn - gewaltlos und mit dessen Zustimmung. In den folgenden Wochen entdecken die Staatsanwälte Widersprüche in den Aussagen von Nafissatou Diallo und ihren Vorgesetzten. Das führt zur Aufhebung des Hausarrestes und am 23. August 2011 zur Einstellung des Strafverfahrens gegen Strauss-Kahn. "Aufgrund der Art und Anzahl der Unaufrichtigkeiten der Klägerin können wir ihre Version der Ereignisse nicht zweifelsfrei anerkennen", schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Klageabweisung.

Seltsamer Jubeltanz der Hotel-Security

Nach dem Ende des Verfahrens macht sich der US-Journalist Edward Jay Epstein daran, die offenen Fragen des Falls Strauss-Kahn zu klären. Der Investigativ-Spezialist gleicht Diallos Angaben mit den Protokollen der elektronischen Türkarten sowie den Aufnahmen der Überwachungskameras im Sofitel ab - und stößt auf etliche Ungereimtheiten. Unter anderem hat Diallo vor Gericht verschwiegen, dass sie vor und nach dem Aufenthalt bei Strauss-Kahn mehrfach die Nachbarsuite aufsuchte. Wer dort logierte, hält das Hotel bis heute geheim. Kurz vor der angeblichen Vergewaltigung befand sich außer ihr noch eine zweite Person in Strauss-Kahns Suite. Nach der Alarmierung der Polizei, das zeigen die Hotelkameras, klatschten sich zwei Sofitel-Sicherheitsangestellte ab und vollführten drei Minuten lang eine Art Jubeltanz.

Epstein findet heraus, dass ihr Vorgesetzter kurz zuvor mit dem Security-Chef des Accor-Konzerns in Paris telefoniert hat. Dieser befand sich auf dem Weg ins Stade de France, um sich in der Lounge von Staatspräsident Sarkozy das französische Pokal-Finale anzusehen. Von den Vorgängen in New York will er dennoch erst am Abend erfahren haben. Im November 2011 veröffentlicht Edward Jay Epstein seine Recherchen in der Financial Times. Sein Fazit: Strauss-Kahn tappte in eine Sex-Falle, die ihn als Kandidaten für die französische Präsidentenwahl ausschalten sollte. Den endgültigen Ruin seines Rufs besorgt der berüchtigte Womanizer Strauss-Kahn ganz ohne Einflussnahme von außen: Noch während des Hausarrestes in New York ermittelt man in Paris gegen ihn wegen versuchter Vergewaltigung einer bekannten Autorin. Wegen Verjährung wird das Verfahren eingestellt. Nach der Teilnahme an Sex-Partys im Bordellmilieu steht der Ex-Politiker im März 2012 erneut vor Gericht. Nur weil die beteiligten Prostituierten beharrlich schweigen, entgeht Strauss-Kahn einer Verurteilung wegen schwerer Zuhälterei.

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Stand: 14.05.2016, 00:00