3. August 1969 - Beginn des Nordirlandkonflikts

Belfast, 1970

3. August 1969 - Beginn des Nordirlandkonflikts

Die Journalistin Lyra McKee wird bei Ausschreitungen im nordirischen Derry von einem Querschläger tödlich getroffen. Die Kugel stammt aus dem Gewehr eines irischen Nationalisten.

Das Unglück ereignet sich jedoch nicht Ende der 1960er-Jahre, als die Unruhen in Nordirland, die "Troubles", beginnen, sondern am Gründonnerstag im Jahr 2019.

Der Nordirlandkonflikt wird zum Bürgerkrieg (am 03.08.1969)

WDR 2 Stichtag 03.08.2019 04:16 Min. Verfügbar bis 31.07.2029 WDR 2

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"Überall auf der Welt sieht man den Friedensprozess in Irland als abgeschlossene Sache an. Aber das stimmt nicht", sagt die Politikwissenschaftlerin Marisa McGlinchey von der Universität Coventry. "Wenn man sich die Polizeistatistik anschaut, findet man eine erstaunlich große Zahl konfiszierter Waffen, Munition und geplanter Bombenanschläge – aber die meisten Vorfälle schaffen es nicht in die Schlagzeilen", sagt sie.

Katholiken fühlen sich systematisch benachteiligt

Die Gruppe, die sich zur Tat an Ostern 2019 bekennt, existiert erst seit 2012: die Neue IRA. Doch so will sie nicht genannt werden. "Sie sehen sich nicht als etwas Neues: Sie betrachten sich als jüngstes Kapitel im langen Kampf um ein vereinigtes Irland", erklärt McGlinchey.

Der Konflikt um die Briten in Irland reicht zurück bis ins 17. Jahrhundert: Damals schickt die englische Krone gezielt protestantische Siedler in das tief katholische Irland, eine faktische Besetzung. Seitdem gibt es immer wieder Aufstände, die vom britischen Empire blutig niedergeschlagen werden. Nach dem Ersten Weltkrieg erkämpfen Irische Nationalisten den Irish Free State im Süden. Die Nord-Provinz Ulster bleibt jedoch unter britischer Kontrolle – und viele Katholiken fühlen sich dort systematisch benachteiligt, wie Bürger zweiter Klasse.

Der Kampf um irische Unabhängigkeit hört nicht auf

Ermutigt von der Bürgerrechtsbewegung in den USA gehen junge nordirische Katholiken Ende der 1960er-Jahre auf die Straße. Am 3. August 1969 lösen Straßenschlachten mit der Polizei die Unruhen aus. Die Polizei schießt mit scharfer Munition, acht Menschen sterben in wenigen Tagen.

Es ist der Beginn der Troubles, der bürgerkriegsähnlichen Zustände zwischen Katholiken und Protestanten im Kampf um Macht und Identität. Erst 30 Jahre später, nach dreieinhalbtausend Toten, gibt es mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 Frieden. Es gesteht Katholiken mehr politische Rechte zu, dafür akzeptieren sie den Status Nordirlands als Teil Großbritanniens.

Doch einige wenige glauben weiterhin an Gewalt. "Organisationen wie die Neue IRA werden ihre bewaffnete Kampagne fortsetzen. Es wird nicht aufhören", glaubt die Politologin Marisa McGlinchey.

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Stand: 03.08.2019, 00:00