12. Oktober 1990 - Attentat auf Bundesinnenminister Schäuble

Wolfgang Schäuble sechs Wochen nach dem Attentat in der Rehabilitationsklinik Langensteinbach bei Karlsruhe

12. Oktober 1990 - Attentat auf Bundesinnenminister Schäuble

Seit 1972 gehört der CDU-Abgeordnete Wolfgang Schäuble ohne Unterbrechung dem Deutschen Bundestag an. Als intelligenter, effizienter und äußerst loyaler Gefolgsmann macht er an der Seite von Helmut Kohl Karriere in Partei und Regierung.

1990 ist Schäuble als Bundesinnenminister und "Kronprinz" des Kanzlers im Zentrum der Macht angekommen. Am 3. Oktober wird die Deutsche Einheit vollendet, die er im Wesentlichen ausgehandelt hat. Neun Tage später, am 12. Oktober 1990, absolviert Schäuble einen Wahlkampfauftritt in seinem badischen Wahlkreis.

Schüsse in den Rücken

Kurz nach 22 Uhr will Schäuble die "Brauerei Bruder" in Oppenau verlassen. "Stern"-Reporter Hans-Peter Schütz begleitet ihn zum Ausgang: "Wir liefen direkt nebeneinander."

Plötzlich knallt es. "Ich dachte, da sind Luftballons geplatzt." Doch dann sinkt Schäuble in sich zusammen.

Tatort des Attentats auf Wolfgang Schäuble am 12.10.1990

Tatort des Attentats: Das Gasthaus "Brauerei Bruder" in Oppenau

Aus einem halben Meter Entfernung hat ein Attentäter von hinten zwei Schüsse auf ihn abgegeben. Die Kugeln treffen den Minister am Hals und im Rücken und verletzen ihn lebensgefährlich. Bei dem Versuch, den Täter zu überwältigen, wird Schäubles Personenschützer von einer dritten Kugel getroffen.

Kampf zurück ins Leben

Mehrere Tage kämpfen die Ärzte in der Freiburger Uniklinik um das Leben des 48-jährigen Politikers. Eine Kugel hat das Rückenmark verletzt. "Als er aufwachte, wusste er schon, dass er gelähmt ist", sagt Ehefrau Ingeborg Schäuble. "Da hat er gesagt: 'Warum habt Ihr mich nicht sterben lassen?'"

Gelähmt im Rollstuhl zu sitzen, habe ihm anfangs schwer zugesetzt, gesteht Schäuble. Doch mit eiserner Disziplin kämpft er sich ins Leben zurück.

Wenige Wochen nach dem Attentat ist der Bundesinnenminister wieder im Dienst und erklärt: "Sicher ist, dass ich für absehbare Zeit im Rollstuhl leben muss. Sicher ist allerdings auch, dass ich im Rollstuhl leben kann."

Attentat auf Wolfgang Schäuble (am 12.10.1990)

WDR 2 Stichtag 12.10.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 10.10.2030 WDR 2


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Historischer Rekord im Bundestag

Ironie des Schicksals: Schäuble kennt den Attentäter namentlich. Jahre zuvor hat er erreicht, dass der in Spanien als Drogenhändler Verurteilte seine Haft in Deutschland verbüßen konnte. Im Attentatsprozess wird der geistesgestörte 38-Jährige für schuldunfähig erklärt und in eine Psychiatrie eingewiesen.

Wolfgang Schäuble meistert nicht nur die physischen und psychischen Folgen des Attentats, sondern auch das Ende der Ära Kohl und die CDU-Parteispendenaffäre, in die er verstrickt war. Seit 2017 ist er Präsident des Bundestags, gehört dem Parlament nun seit 48 Jahren an – länger als jeder Abgeordnete eines deutschen Parlaments seit 1848.

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Stand: 12.10.2020, 00:00