5. Februar 1878 - André Citroën wird geboren

André Gustave Citroën, Automobilkonstrukteur

5. Februar 1878 - André Citroën wird geboren

Als Josephine Baker Ende der 1920er Jahre für André Citroën ein Geburtstagsständchen singt, ist er Chef des größten Autoherstellers in Europa. Der kleine Mann mit Schnäuzer und fliehender Stirn hat für den Weg an die Spitze keine zehn Jahre gebraucht. Er ist einer der erfolgreichsten Autopioniere.

Geboren wird André Gustave Citroën am 5. Februar 1878 in Paris. Seine Familie stammt aus Holland und handelte dort mit exotischen Früchten. "Sie waren Juden und irgendwann bekamen sie den Familiennamen Lemonenmann", sagt André de Saint Sauveur, ein Enkel von Citroën. "Im 19. Jahrhundert wurde daraus dann das französisch klingende Citroën."

André Citroen, Firmengründer (Geburtstag 05.02.1878)

WDR 2 Stichtag | 05.02.2018 | 04:16 Min.

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Zahnräder, Granaten, Autos

André Citroën hat das Talent, eine zukunftsweisende Technik zu erkennen und daraus ein gutes Geschäft zu machen. Vor dem Ersten Weltkrieg stellt er Winkelzahnräder her - und macht zwei dieser Zahnradwinkel zu seinem Firmenlogo. Während des Krieges produziert Citroën Granaten für die französische Armee.

Pionier der Autogeschichte: André-Gustave Citroën

Von Sabine Kortland

Der Franzose André Citroen sitzend an seinem Schreibtisch (1932)

Zunächst entwickelte er Zahnräder, bis er mit der Automobilbranche in Kontakt kam. Nachdem er im ersten Weltkrieg noch eine Fabrik zur Herstellung von Granaten besaß, plante André Citroën 1918 die Autoherstellung.

Zunächst entwickelte er Zahnräder, bis er mit der Automobilbranche in Kontakt kam. Nachdem er im ersten Weltkrieg noch eine Fabrik zur Herstellung von Granaten besaß, plante André Citroën 1918 die Autoherstellung.

1919 wurde dann der Citroën Typ A (auch 10HP), sein erstes in Serie produziertes Automobil, hergestellt. Um die Bekanntheit der Marke Citroën zu steigern, unternahm André Citroën mit seinen Fahrzeugen 1922 eine Durchquerung der Sahara. 1924 folgte die Expedition "Croisière Noire": eine Transafrikaexpedition über eine Strecke von 28.000 km mit Halbkettenfahrzeugen. In den folgenden Jahren überquerte er bei weiteren Fahrten das Himalaya-Gebirge und fuhr durch Alaska.

André Citroën war neben den Entwicklungen auch ein außerordentlich guter Geschäftsmann mit einer guten Nase für Werbestrategien. Dazu zählten Werbeplakate in China und – ganz spektakulär – der Leuchtreklameschriftzug "Citroën" auf dem Eifelturm.

Das erste Automobil mit Vorderradantrieb, den "Traction Avant" brachte Citroën 1934 auf den Markt. Die Entwicklungskosten stiegen ihm allerdings über den Kopf und Citroën ging bankrott. Das Unternehmen wurde 1935 an Michelin, dem größten Gläubiger, verkauft. Im Sommer 1935 verstarb André Citroën im Alter von 57 Jahren.

Der Traction Avant mit seiner besonderen technischen Neuerung genoss durch seine hervorragenden Straßenlage den Ruf, sich besonders gut als Fluchtfahrzeug zu eignen. Daher war er auch als "Gangsterlimousine" bekannt.

Im Herbst 1948 wurde dann aus dem Prototypen von "TPV" (Toute petite voiture = das "ganz kleine Auto") der 2CV (deux chevaux = "zwei Pferde") weiterentwickelt und der Öffentlichkeit präsentiert. Wegen der Form wurde der Wagen auch als "Ente" oder in der Schweiz als "Döschwo" bezeichnet.

"Eine Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen", betitelte eine Satire-Zeitung dieses spezielle Fahrzeug nach seiner Enthüllung. Mag stimmen, doch heute lieben die Besitzer ihre "Konservendose" und treffen sich jährlich beim 2CV World Meeting, wie 2017 in Mafra, Portugal, zu einer Parade.

Mittlerweile ist die "Ente" ein echtes Oldtimer-Lieberhaberstück für Sammler und Bastler, wie dieses Fahrzeug aus Holz, das wirklich fahren kann. Der französische Tischler Michel Robillard hat mehrere Jahre daran gebaut und wollte damit etwas schaffen, das ihn überdauert.

"Einmal DS, immer DS, so ein Auto verkauft man nicht", sagen Fans von diesem Citroën-Modell, das ebenfalls als Erfolgsfabrikat gilt. 1955 wurde der DS vorgestellt: avantgardistisches Design mit technischen Innovationen, wie der Hydropneumatik. Gerne wird dieser Schlitten auch als "Göttin" oder "Haifisch" bezeichnet.

Die "Göttin" war ein beliebtes Fahrzeug für ganz besondere Anlässe, wie 1972 bei der Europäischen Gipfelkonferenz in Paris. Die Fahrzeuge der Delegationen mit den jeweiligen Staatsflaggen warteten auf dem Vorplatz des Elysee-Palastes in der französischen Hauptstadt Paris am 19. Oktober 1972. Im Vordergrund ist der Rolls-Royce des britischen Europaministers Edward Heath zu sehen.

"Schimmi" – der Magnum des deutschen Tatorts, posierte statt auf einer "Göttin" lieber auf dem nagelneuen Wagen vom Typ CX GTI Turbo in silberblau. Das war 1985 eine Meldung wert.

Mit einem Citroën 8 CV "Petite Rosalie" fuhr 1933 das Unternehmen auf einer Autorennstrecke in Montlhéry 136.000 km mit durchschnittlich 104 km/h in 54 Tagen und stellte damit einen Weltrekord auf. Bis heute ist Citroën schnell und Rekordhalter: Das Unternehmen ist der Hersteller mit den meisten Fahrertiteln und den zweitmeisten Herstellertiteln in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft.

1919 präsentiert der Absolvent der Technischen Hochschule mit "Typ A" sein erstes Automobil. Er setzt auf Massenproduktion und orientiert sich dabei an den Methoden von Autohersteller Henry Ford und Frederick Taylor, der mit dem Taylorismus das "Scientific Management" ("Wissenschaftliche Betriebsführung") entwickelt hat. Die Folge sind genau geplante Arbeitsschritte am Fließband.

Werbung am Eiffelturm

Citroën verlangt von seinen Arbeitern nicht nur deren Einordnung in ein neues Arbeitssystem. Er kümmert sich auch um das Wohlergehen der Belegschaft. Das Unternehmen hat einen Kindergarten, eine Berufsschule, eine Krankenversicherung und zahlt später ein 13. Monatsgehalt.

Citroën ist auch ein Meister der Werbung. Den Eiffelturm erleuchten neun Jahre lang 250.000 Glühbirnen, die den Schriftzug des Unternehmens bilden. "Ich möchte, dass ein Kind, das mit einem Modellauto spielt, nicht sagt, 'gibt mir mein Auto', sondern 'gib mir meinen Citroën'."

Übernahme durch Michelin

Die Weltwirtschaftskrise stoppt Citroëns Erfolg. 1932 verkauft sein Unternehmen nur halb so viele Autos wie vor der Krise. Zur gleichen Zeit erkrankt der Firmengründer an Magenkrebs. Trotzdem lässt er ein komplett neues Auto entwickeln: den "Traction Avant" mit Ganzstahl-Karosserie und Frontantrieb.

Für diesen Wagen muss das Werk in Paris umgebaut werden. Geld dafür kommt vom Reifenkonzern Michelin - der kurz darauf den bankrotten Autobauer übernimmt. André Citroën muss sein Werk Anfang Januar 1935 verlassen. Er stirbt am 3. Juli 1935 in Paris.

Programmtipps:

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Stand: 05.02.2018, 00:00