US-Präsident Andrew Johnson (1865-1869), undatiertes Porträtfoto

24. Februar 1868 - Erstes Amtsenthebungsverfahren gegen einen US-Präsidenten

Stand: 24.02.2018, 00:00 Uhr

Nach vier blutigen Jahren endet 1865 der amerikanische Bürgerkrieg. Präsident Abraham Lincoln, ein Republikaner, hat die Sklavenbefreiung erkämpft und die Sezession der Südstaaten vom Norden verhindert. Die USA bleiben vereint.

Die Rassenfrage jedoch treibt weiter einen Keil zwischen den demokratischen Süden und den republikanischen Norden. Am 14. April 1865 wird Lincoln von dem Südstaatler John Wilkes Booth erschossen. Mit Vizepräsident Andrew Johnson folgt ihm ein erklärter Rassist ins Weiße Haus.

Erstes Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsidenten

WDR 2 Stichtag 24.02.2018 04:17 Min. Verfügbar bis 22.02.2028 WDR 2


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Milde für die Sklavenhalter

Johnson ist ein bulliger Selfmademan aus der Unterschicht von Tennessee; seine Triebfeder ist tiefer Hass auf die Plantagenbesitzer-Aristokratie des Südens. Das Ende der Sklaverei bedauert Johnson nicht. Trotz seiner Herkunft steht er als Demokrat während des Krieges stramm auf Seiten der Union.

Ein schwarz-weiß Foto zeigt den US-Präsidenten Abraham Lincoln.

Abraham Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten

Als Versöhnungsgeste an die verfeindeten Lager nominiert Lincoln ihn für die zweite Amtszeit als Vizepräsidenten. Der Choleriker Johnson kämpft mit allen Mitteln für ein Amerika der Weißen, gegen gleiche Rechte für die Schwarzen. Lincoln nimmt es in Kauf; er rechnet nicht damit, dass dieser Mann Präsident werden könnte.

Im Amt geht Johnson auf Konfrontation zum Senat und zum Kongress. Statt der geforderten harten Bestrafung begnadigt er mehr als 13.000 Sklavenhalter - nahezu die gesamte politische Elite des Südens. Sämtliche Gesetzesvorlagen zur Einführung der Bürgerrechte für Schwarze schmettert er ab.

Gescheiterter Sturz

Als Johnson am Kongress vorbei den Kriegsminister entlässt, ist für die Republikaner das Maß voll. Am 24. Februar 1868 leitet der Kongress ein Impeachment-Verfahren ein. Als erstem Präsidenten der USA droht Johnson damit die Amtsenthebung. Im Mai 1868 folgt die Entscheidung im Senat. Am Ende fehlt eine Stimme zur erforderlichen Mehrheit.

Mehrere gemäßigte Republikaner hatten gegen Johnsons Sturz gestimmt. Denn dann würde mit Vizepräsident Benjamin Wade ein ultra-radikaler Republikaner ins Weiße Haus einziehen. Wade plädiert nicht nur für das Wahlrecht für Schwarze, er will auch das Wahlrecht für Frauen. Darauf wollen es selbst seine Parteifreunde nicht ankommen lassen.

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