11. März 2009 - Amoklauf von Winnenden

Kerzen und Kränze zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs vor der Albertville-Realschule in Winnenden

11. März 2009 - Amoklauf von Winnenden

Die Albertville-Realschule in Winnenden, 20 Kilometer von Stuttgart entfernt: Am Morgen des 11. März 2009 sitzt Elena Altmann in der Klasse 9c. Plötzlich wird die Tür aufgerissen. "Dann stand er in der Tür und hat geschossen", erinnert sich die Schülerin.

Der Schütze ist der 17-Jährige Tim K., der im Jahr zuvor seinen Abschluss gemacht hat. Sein Vater ist Sportschütze, besitzt 15 Waffen. Eine davon, eine Beretta 92 bewahrt er nicht im Tresor, sondern in einem Schränkchen im Schlafzimmer auf.

Der Amoklauf von Winnenden (am 11.03.2009)

WDR 2 Stichtag 11.03.2019 04:10 Min. WDR 2

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Polizei reagiert umgehend

Tim K. geht mit der entwendeten Waffe und mehr als 200 Schuss Munition durch seine alte Schule und drückt ab - wie es ihm sein Vater auf der Schießbahn gezeigt hat.

Der erste Notruf geht um 9:33 Uhr ein, die ersten Polizisten sind drei Minuten später an der Schule. Sie warten nicht auf Verstärkung. Das ist eine Lehre aus dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002, bei dem die Einsatzkräfte gezögert hatten.

Mehrheitlich weibliche Opfer

Als Tim K. aus der Schule vertrieben wird, sind bereits acht Schülerinnen, ein Schüler und drei Lehrerinnen tödlich getroffen. Auf der Flucht erschießt der Jugendliche zudem einen Passanten und zwei Männer in einem Autohaus, weil sie ihm kein Fluchtwagen geben wollen.

Mittags, nach einer Schießerei mit der Polizei, nimmt sich Tim K. das Leben. Dreieinhalb Stunden nach Beginn des Amoklaufs sind insgesamt 16 Menschen tot.

Vorschriften werden geändert

Drei Monate nach der Tat wird das deutsche Waffenrecht geändert. Waffenbesitzer müssen mit verdachtsunabhängigen Kontrollen rechnen.

Die Altersgrenze für Jugendliche bei großkalibrigen Waffen steigt auf 18 Jahre. Seit 2013 gibt es zudem das vom EU-Recht vorgegebene Nationale Waffenregister.

Bekannte Gewaltneigung

Die Ermittlungen ergeben, dass Tim K. im Jahr seines Schulabschlusses zu psychotherapeutischen Beratungsgesprächen ging, aber trotz seiner Neigung zu Gewalt nicht behandelt wurde.

Es gibt Berichte über Mobbing an der Schule, Minderwertigkeitskomplexe, Probleme im Umgang mit Mädchen und Frauen.

Vater wird verurteilt

Der Vater des Todesschützen wird 2013 wegen fahrlässiger Tötung und Verstoß gegen das Waffenrecht zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Hätte er seine Waffe ordnungsgemäß gelagert, so das Gericht, hätte dies die Tat seines Sohnes verhindert.

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Stand: 11.03.2019, 00:00