23. Juni 1920 - Abschaffung der Adelsprivilegien in Preußen

Die preußische Königskrone aus dem Jahr 1889 ist auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen (Zollernalbkreis) hinter Panzerglas zu sehen

23. Juni 1920 - Abschaffung der Adelsprivilegien in Preußen

Der royale Rückzug sorgt im Januar 2020 weltweit für Schlagzeilen. "Wir wollen als ranghohe Mitglieder der Königsfamilie zurücktreten und arbeiten, um finanziell unabhängig zu werden", lassen Prinz Harry und seine Frau Meghan verkünden. Damit verzichten sie künftig auf einen Teil der Sonderrechte, die ihnen als Mitglieder der englischen Königsfamilie zustehen – freiwillig.

Wie es sich ohne Adelsprivilegien lebt, könnte Prinz Harry bei seiner deutschen Verwandtschaft erfragen. Die muss schon seit dem Abdanken von Kaiser Wilhelm II. ohne Sonderrechte auskommen. 1919 legt die Weimarer Reichsverfassung fest: "Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich."

Adelsprivilegien in Preußen abgeschafft (am 23.06.1920)

WDR 2 Stichtag 23.06.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 21.06.2030 WDR 2

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"Prinz" ist nur noch ein Name

Adelstitel sind nun nur noch Bestandteile des Namens – ohne Funktion. Die Länder entscheiden, zu welchem Zeitpunkt die letzten Privilegien aufgehoben werden. In Preußen ist es der 23. Juni 1920, seither sind Fürsten und Grafen nicht mehr von Wehrpflicht und Steuern befreit.

Andere alte Vorrechte wie die gutsherrliche Gerichtsbarkeit, das Recht auf bäuerliche Frondienste und eine Bevorzugung im Staatsdienst, sind dem Adel bereits in den Revolutionen 1789 und 1848 aberkannt worden.

"Für die meisten adligen Familien, eigentlich für die adligen Familien insgesamt, hat die Revolution von 1918 keine große Bedeutung gehabt", sagt Andreas Graf von Bernstorff.

Besitz bleibt dem Adel erhalten

Wohl auch, weil der deutsche Adel verglichen mit seinesgleichen in der Französischen und Russischen Revolution glimpflich davonkommt. So laufen keine marodierenden Banden durch das Deutsche Reich und erschießen jeden, der saubere Fingernägel hat, vergewaltigen adlige Frauen oder knüpfen Menschen auf.

"Das ist ja alles nicht passiert in Deutschland", sagt der Historiker Stefan Malinowski. "Es ist eine Revolution, die dem Adel und auch den anderen Funktionseliten in Deutschland das Leben und die Besitztümer lässt."

Auch heute noch "Märchen-Hochzeiten "

Aber auch ohne Adelsprivilegien hält sich das Märchen vom Prinzen, Fürsten und Grafen bis heute. Egal ob Hochzeiten, Nachwuchs, Scheidungen oder Trauerfeiern - wenn sich beim Adel etwas tut, stehen die Fotografen und Reporter bereit. "Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir ein bisschen immer noch Exoten sind", sagt Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Prinz Harry und seiner Ehefrau Meghan ist die Aufmerksamkeit indes zu groß geworden. Sie verzichten auf ihre royalen Titel in der Hoffnung auf ein freieres Leben.

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