21. Mai 1965 - Erste Sendung des WDR-Magazins "Monitor"

Der Fernsehjournalist und Moderator des ARD-Magazins Monitor, Klaus Bednarz, aufgenommen am 19.02.1991 im Studio vor dem Logo seiner Sendung

Stichtag

21. Mai 1965 - Erste Sendung des WDR-Magazins "Monitor"

Missstände öffentlich machen, Diskussionen anregen: Die WDR-Sendung "Monitor" versteht sich als Meinungsmagazin - von Anfang an. Die erste Ausgabe läuft am 21. Mai 1965 in der ARD, als drittes Politmagazin nach "Panorama" (NDR) und "Report" (BR/SWF). Claus Hinrich Casdorff ist der erste Redaktionsleiter von "Monitor". Neben zeitkritischen Beiträgen macht er zusammen mit seinem Kollegen Rudolf Rohlinger das "Kreuzfeuer" zum damaligen Markenzeichen der Sendung.

Dieses Format ist beim US-Sender ABC abgeguckt: Zwei Journalisten nehmen mit schnellen, respektlosen Fragen einen Politiker in die Zange. Der Schlagabtausch mit Franz Josef Strauß (CSU) wird ein Stück Fernsehgeschichte: "Diese Überfallfragen liebe ich nicht - bitte lassen Sie das!" Andere trauen sich gar nicht erst in die Sendung. Casdorff erinnert sich: "Als der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke von mir gefragt wurde, ob er in ein Kreuzfeuer käme, da hat er geantwortet: 'Sie wissen wohl nicht, dass Sie mit Ihrem Souverän sprechen!'"

Waschmittel, Dioxin, Würmer

In diesem gesellschaftlichen Klima ist Aufklärungsarbeit im Fernsehen so notwendig wie einfach. In einem "Monitor"-Beitrag geht zum Beispiel Redakteur Ulrich Wickert den Versprechen der Waschmittelwerbung nach: "Das Ergebnis des wissenschaftlichen Tests: Der 'Omo'-Knotentest ist eine Werbelüge - ein fest verknotetes, stark verschmutztes Küchentuch wird nicht sauber!" In den 60er- und 70er-Jahren ist "Monitor" mit seiner Kritik Teil des Mainstreams, der fortschrittlich ausgerichtet ist. "Wenn man ganz bewusst eine kritische Fernsehsendung macht - sich also für Minderheiten einsetzt, gegen Vorurteile kämpft und für die soziale Gerechtigkeit eintritt - dann wird man immer näher bei denen stehen, die den Fortschritt wollen, die progressiv sind, die nicht alles beim Alten lassen wollen", sagt Wickert 1972.

Anfang der 80er-Jahre wandelt sich der Zeitgeist: Helmut Kohl (CDU) wird Bundeskanzler. Der neue "Monitor"-Chef Klaus Bednarz, der 1983 auf Gerd Ruge folgt, positioniert sich nun klar gegen den Mainstream: "Ich bin allerdings der Meinung, dass unsere Republik eher an einem Zuwenig an veröffentlichter, engagierter Meinung krankt, als an einem Zuviel." Mit dieser Haltung gelingen der Redaktion in den 80er-Jahren viele spektakuläre Enthüllungen. Ein Bericht über Dioxinverseuchungen in Hamburg durch den Chemiekonzern Boehringer führt zur ersten Schließung einer großen Chemiefabrik. Noch größer ist die Aufregung, als "Monitor" 1987 die Hygienepraxis der deutschen Fischwirtschaft untersucht - und dabei in vielen Fischen Würmer entdeckt.

Recherche, Anspruch, Arbeitsweise

Erfolge wie diese basieren auf gründlicher Recherche, hohem Anspruch und einer kollektiven Arbeitsweise. In Themenkonferenzen und Beitragsabnahmen diskutieren alle mit - Redakteure, freie Autoren, Rechercheure. "Man musste sehr, sehr gut vorbereitet in die Redaktionssitzung gehen", erinnert sich der heutige "Monitor"-Chef Georg Restle über seine Zeit als Volontär und freier Mitarbeiter unter Bednarz. "Er hat einem jeden blinden Fleck in der Argumentation schonungslos aufgedeckt - das habe ich aber sehr geschätzt." Gerade eine Sendung wie "Monitor" brauche diese Härte in der Sache.

Stil, Haltung und Arbeitsweise bleiben erhalten, als 2001 Sonia Mikich und elf Jahre später Restle die Leitung übernehmen. Mittlerweile bildet die zunehmende Verflechtung von Wirtschaft und Politik ein Schwerpunktthema. So findet "Monitor" 2006 heraus, dass viele Lobbyisten im Rahmen eines "Austauschprogramms" mit Bundesministerien für wirtschaftsfreundliche Gesetze sorgen - etwa im Auftrag des Frankfurter Flughafens bei der Entschärfung von Lärmschutzregeln. Der Bericht wird mit dem Grimmepreis ausgezeichnet. "Monitor" nimmt auch weiterhin bewusst eine Gegenposition zu einer vermeintlich objektiven journalistischen Distanz ein: "Wir sagen klar, wenn wir der Meinung sind, dass es Politik-Versagen gibt und wir begründen es auch", so Restle.

Stand: 21.05.2015

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