13. März 1925 - Verbot der Evolutionslehre in Tennessee

Evolution vom Menschenaffen über Homo erectus, Homo neanderthalensis zum Homo sapiens (Zeichnung von 1998)

Stichtag

13. März 1925 - Verbot der Evolutionslehre in Tennessee

Mensch und Affe haben gemeinsame Vorfahren - sagt Charles Darwin in seiner 1871 veröffentlichten Evolutionstheorie. In den frommen US-Südstaaten gilt das allerdings als Blasphemie. Der Mensch sei schließlich Gottes Schöpfung. Deshalb soll Darwins Lehre an Schulen gesetzlich verboten werden. Entsprechende Initiativen in Kentucky und Florida scheitern jedoch knapp. Darum nimmt John Washington Butler die Angelegenheit in die Hand. Der Weizen- und Tabakfarmer bewirbt sich erfolgreich um einen Sitz im Kongress des Staates Tennessee und verfasst einen Gesetzestext, der ihn landeweit bekannt macht.

Mit großer Mehrheit verabschiedet der Kongress in Tennessee am 13. März 1925 das Verbot, "irgendeine Theorie zu unterrichten, welche die göttliche Schöpfung des Menschen leugnet, wie sie in der Bibel gelehrt wird, und stattdessen unterrichtet, dass der Mensch von einer niedrigeren Tierart abstammt." Jeder Verstoß dagegen soll mit einer Gelstrafe zwischen 100 und 500 Dollar geahndet werden. Gegen diese neue Regelung gibt es allerdings Widerstand. Die US-Bürgerrechtsunion will gegen dieses Gesetz klagen und sucht per Anzeige einen Musterfall.

Bibel gegen Wissenschaft

Im bankrotten Dayton, Tennessee, wird der Insolvenzverwalter auf das Vorhaben aufmerksam. Bei einer Versammlung im Drugstore schlägt er dem Gemeindevorstand und Geschäftsleuten vor, einen solchen Prozess zu provozieren - um den Ort bekannter zu machen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Der junge Lehrer John Scopes, der den Delinquenten spielen soll, willigt in den Plan ein. Gegen den 24-Jährigen wird daraufhin Anzeige erstattet und die Presse informiert. Es kommen Filmteams und Zeitungskorrespondenten in den Ort, der damals 1.800 Einwohner zählt. Mindestens so viele Schaulustige wollen die Auseinandersetzung live verfolgen. Die Kontrahenten sind Ankläger William Jennings Bryan, Kongressabgeordneter und demokratischer Präsidentschaftskandidat, im Glauben zutiefst konservativ, und Verteidiger Clarence Darrow, der bekannteste Staranwalt seiner Zeit aus Chicago.

Auch Butler, der das Gesetz formuliert hat, sitzt im Gerichtssaal. Acht Tage dauert der sogenannte Affenprozess. Dann brauchen die Geschworenen nur neun Minuten, um festzustellen: Lehrer Scopes hat gegen geltendes Recht verstoßen. Der Richter setzt 100 Dollar Strafe fest. Der erfolgreiche Ankläger Bryan bleibt noch in der Stadt, um am Sonntagsgottesdienst teilzunehmen. Wenige Stunden später stirbt der 65-Jährige völlig überraschend.

Gesetz gilt 42 Jahre lang

Bryan wird auf dem Nationalfriedhof von Arlington in Washington beigesetzt. Zum Gedenken an ihn finanzieren religiöse Gruppen die private Bryan-Universität in Dayton, die sich noch heute seinen Idealen verpflichtet fühlt. Zwei Jahre später wird das Urteil gegen Lehrer Scopes wegen eines Formfehlers aufgehoben.

Das Butler-Gesetz selbst gilt bis 1967. Dann setzt es der Kongress außer Kraft, um einer Klage vor dem Bundesgericht zuvor zu kommen. Der Plan der Geschäftsleute ist aufgegangen: Dayton ist Universitätsstadt geworden, die Einwohnerzahl hat sich vervierfacht.

Stand: 13.03.2015

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