Olympiasiegerin sucht Teampartnerin via Internet

Beachvolleyballerin Kira Walkenhorst in Aktion

Olympiasiegerin sucht Teampartnerin via Internet

  • Olympiasiegerin Kira Walkenhorst will Karriere fortsetzen
  • Die 29-Jährige hat ihre großen Schmerzen in den Griff bekommen
  • Walkenhorst spielt nun für TuSA 06 Düsseldorf

Frau Walkenhorst, Sie suchen via Internet und sozialen Medien eine Doppelpartnerin für die kommenden Wochen und Spiele. Ist Ihre Verzweiflung so groß? Will niemand mit Ihnen spielen?

Kira Walkenhorst: Nein, das ist es nicht. Es war ja lange offen, ob es überhaupt Turniere geben wird. Mittlerweile haben auch die Kitas wieder auf und ich habe wieder Zeit, Sport zu treiben. Und meine eigentliche Partnerin sollte sich anderweitig umschauen, weil sie unbedingt spielen wollte und sollte. Diese Anfrage war auch ein Update, wie es um mich derzeit steht und dass ich auf der Suche bin. Die Zeit ist weit voran geschritten und viele Teams haben sich bereits gefunden.

Wie wählerisch sind Sie denn bei der Partnerwahl?

Walkenhorst: Ich habe einfach Lust zu zocken und hoffe, dass mein Körper das alles mitmacht. Und deshalb ist es mir auch fast egal, mit wem ich spielen kann. Es wäre schön, wenn diejenige Person genauso Lust hat wie ich - und Beachvolleyball spielen kann. Je stärker sie ist, umso mehr kann sie mich mitreißen, wenn ich noch nicht ganz fit sein sollte. Aber es ist auch wichtig, dass sie eine gewisse Anzahl an Punkten mitbringt, weil ich selbst sonst nicht in eine Qualifikation hineinrutschen könnte.

Kira Walkenhorst: "Viele schöne und lustige Nachrichten"

Sportschau 14.07.2020 06:37 Min. Verfügbar bis 14.07.2021 ARD

Gab es denn schon Rückmeldungen zu Ihrem Aufruf, den sie am vergangenen Montag gestartet haben?

Walkenhorst: Tatsächlich kamen sehr viele Nachrichten rein, wovon es auch bei einigen Gespräche geben wird. Ich habe auch nochmal mit dem Volleyballverband gesprochen, ob es vielleicht noch Nachwuchsspielerinnen gibt, die noch nicht untergebracht sind und die auch Spielpraxis sammeln sollen. Es ist noch keine Entscheidung getroffen, das werde ich aber bis zum Ende der Woche machen.

Sie haben sich dazu entschieden, ein Comeback zu geben, obwohl sie Ihre Karriere aufgrund von gesundheitlichen Problemen bereits 2019 beendet hatten. Können Sie nicht ohne Beachvolleyball leben?

Walkenhorst: Der Grund, warum ich gesagt habe: 'Das war es mit dem Sport', hatte vor allem gesundheitliche Gründe. Ich konnte keine drei Minuten mehr trainieren, ohne dass mir ein Rippe herausgesprungen ist oder ich mich überhaupt noch vor Schmerzen bewegen konnte. Da habe ich ein halbes Jahr keinen Sport mehr gemacht und habe auch keinen Arzt mehr besucht, weil ich einfach keine Lust mehr darauf hatte. Ich habe dann aber tatsächlich noch jemanden gefunden, der mir helfen konnte. Vor Corona konnte ich dann wieder schmerzfrei trainieren, weshalb ich dann auch weitermachen wollte um zu schauen, ob es körperlich auch längerfristig geht. Dafür war dieses Jahr eigentlich gedacht.

Sie sind Mutter von Drillingen, wie intensiv können Sie Ihren Sport eigentlich noch betreiben?

Walkenhorst: Im normalen Alltag, wenn die Kitas wieder geöffnet haben, ist es möglich, gut zu trainieren. Das war während Corona nicht gegeben, da haben wir die Betreuung komplett alleine übernommen. Außer in der Mittagspause ein paar Übungen war da kaum etwas machbar. Es ist natürlich immer eine organisatorische Frage, da benötigen wir auch stets Hilfe.

Als Olympiasiegerin haben Sie doch mit Blick auf Ihre Leistungsfähigkeit sicherlich die höchsten Ansprüche an sich selbst?

Walkenhorst: Ja, das stimmt. Das sehe ich aber erst in weiter Zukunft. Erstmal muss ich schauen, ob mein Körper mitspielt. Das steht erst einmal im Vordergrund. Ich glaube, ich habe im Jahr 2017 das letzte Mal ein Turnier bestritten. Ich will schauen, ob ich in diesem Jahr schmerzfrei durchkomme. Alles andere wird man dann sehen.

Sie wollen bei einem Turnier der Serie Road to Timmendorf an den Start gehen, die dann Anfang September im Finalturnier um die deutsche Meisterschaft mündet. Rechnen sie sich Chancen auf den Titel aus?

Walkenhorst: Nein, die male ich mir nicht aus und das ist für mich in diesem Jahr auch nebensächlich. Wenn ich in den nächsten Jahren dort wieder stehe und ich bis dahin wieder professionell Sport treiben kann, wäre das sicher ein Titel, den man gerne gewinnen möchte. Aber das ist momentan nicht realistisch und ganz weit weg.

Sie sind mit 29 Jahren eigentlich voll in der sportlichen Blüte. Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere auf höchstem Niveau fortzusetzen?

Walkenhorst: Wenn ich merke, mein Körper macht ohne Probleme mit und ich den Sport auch weiter betreiben will, dann wäre Paris 2024 interessant. Dann sind alles Entscheidungen, die ich aber erst später treffen kann.

Das Interview führte Jörg Strohschein

Stand: 14.07.2020, 13:14