Powervolleys Düren: Gut gerüstet in eine komplizierte Saison

Zuspieler Tomas Kocian (Powervolleys Düren) jubelt

Powervolleys Düren: Gut gerüstet in eine komplizierte Saison

Von Lukas Thiele

Die Volleyball-Bundesliga steht aufgrund der Corona-Pandemie vor eine ungewissen Saison. Die Powervolleys Düren sehen sich sowohl finanziell als auch sportlich aber gut aufgestellt.

Goswin Caro muss ins Englische ausweichen, um die aktuelle Situation in Volleyball-Deutschland zu beschreiben: „strange“. Seltsam. Der Wechsel der Sprachen lag wahrscheinlich daran, dass der Sportliche Leiter der Powervolleys Düren den Morgen noch mit dem kanadischen Zugang Lucas van Berkel verbracht hatte. Aber ob Deutsch oder Englisch, die Beschreibung passt.

Am Wochenende startet die Volleyball-Bundesliga (VBL) in die Saison 2020/21, die aufgrund der Corona-Pandemie die wohl komplizierteste Spielzeit ihrer Historie werden wird.

"Die Situation ist extrem angespannt und kann existenzbedrohend werden. Die Klubs gehen nicht nur mit einem organisatorischen und finanziellen Mehraufwand in die Saison, sondern auch mit großer Unsicherheit, ob und wie ihre Spiele ausgetragen werden können", sagte VBL-Präsident Michael Ewers. Die ersten Partien mussten nach Corona-Fällen bereits verlegt werden.

Caro: „Nicht aufs Portemonnaie schauen“

"Die ganze Organisation ist ein enormer Aufwand", sagte Caro am Donnerstag im Gespräch mit dem WDR. Am Samstag fahren die Powervolleys zum ersten Saisonspiel zu den Berlin Volleys. Eine Woche später "sollen" (Caro) die Dürener dann gegen den TSV Giesen ihr ersten Heimspiel bestreiten. "Wer weiß, was uns dann für Zahlen erwarten. Wir wollen natürlich unseren Fans die größtmögliche Sicherheit bieten. Und wenn es dann gar nicht geht, ist das eben so. Wir wollen das verantwortungsbewusst tun und nicht aufs Portemonnaie schauen."

Das ist ein Luxus, den sich die Dürener leisten können. Denn im Gegensatz zu vielen Ligakonkurrenten ist die Existenzangst in Düren nicht so groß. Schon im Mai beschrieb Gesellschafter Erich Peterhoff die Powervolleys als "gut aufgestellt". "Von der wirtschaftlichen Seite ist es ok", sagte Caro.

"Die Sponsoren haben uns nicht im Stich gelassen. Das hat uns schon sehr gut getan." Eine Fragezeichen stehe jedoch hinter den Zuschauerzahlen. Normalerweise generieren die Dürener bis zu 75.000 Euro pro Saison an Zuschauereinnahmen. "Was damit ist, wird sich zeigen. Aber hier werden wir etwas Federn lassen müssen."

Spieler wollen Meister werden

Sportlich sieht es bei den Powervolleys dagegen klarer aus: "Wir wollen oben mitspielen und den Topteams ein Beinchen stellen", sagt Caro. Seine Spieler seien da konkreter: "Die wollen Meister werden." In den Personalplanungen hat Caro deshalb schon früh Nägel mit Köpfen gemacht. So konnten die Dürener gleich zehn Spieler aus der Vorsaison halten. "Das ist schon ziemlich einzigartig", ist Caro auch ein wenig stolz. Dazu kamen vier Neuzugänge. "Die Mannschaft ist eingespielt, die Hierarchie steht, man versteht sich. Es gibt eine sehr schöne Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern und die Älteren helfen auch den Jüngeren. Das macht es einfacher für den Trainer."

Auf der Trainerbank hatte es vor gut drei Wochen einen überraschenden Wechsel gegeben. Stefan Falter ist aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Das war zunächst ein Schock für die Dürener. Der Nachfolger stand aber schnell bereit. Mit Rafal Murczkiewicz übernahm auf Falters Empfehlung der bisherige Co-Trainer die Aufgaben des Cheftrainers. "Es war mein Ziel, irgendwann mal Cheftrainer zu werden. Aber natürlich habe ich mir nicht gewünscht, dass das unter solchen Umständen passiert", sagte der 38-Jährige. Caro bescheinigt dem gebürtigen Polen bislang eine gute Arbeit. "Als Sportlicher Leiter gucke ich dann auch mal hinter die Fassade und hole mir Statements von den Spieler. Die waren alle positiv", sagte er. "Er ist ein anderer Typ als Stefan, er kann auch mal laut werden. Wir sind sehr zufrieden und ich sehe da keine Probleme auf uns zukommen."

Somit sind die Powervolleys also wirtschaftlich und sportlich gerüstet für eine seltsame Saison.

Stand: 15.10.2020, 16:32