Amateursport - die große Unsicherheit

Mario Schwarz  (l.)

Amateursport - die große Unsicherheit

Von Olaf Jansen

Wann darf wieder trainiert werden? Wann ist mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu rechnen? Der verlängerte Lockdown sorgt für große Unsicherheit beim organisierten Breitensport in NRW.

Thomas Palapies weiß auch nicht so recht weiter. Der Mitarbeiter in der Presseabteilung des Fußballverbandes Niederrhein bittet den anrufenden Journalisten um Verständnis - sein Verband kann nach den neuen Corona-Vorgaben der Politik keine aktuelle Aussage zum weiteren Saisonverlauf machen. "Wir können unseren Vereinen erst neue Infos geben, wenn wir wissen, wann die Sportplätze wieder geöffnet werden. Und genau das ist ja momentan nicht absehbar", sagt Palapies.

Fakt ist: Mannschaftssport in Training und Spiel ist weiter untersagt, zunächst wurde auch hier der Lockdown bis Ende Januar verlängert - vorerst. Das bedeutet auch: Beispielsweise tausende Amateurfußballer, die ihrem Sport unterhalb der viertklassigen Regionalliga nachgehen, haben keinerlei Hinweis darauf, wann sie - von einsamen Waldläufen einmal abgesehen - wieder Sport treiben dürfen.

Drei denkbare Szenarien für die Amateurfußballer

Unsicherheit pur - was auch allmählich die Ligapläne der Fußballverbände betrifft. Schon vor dem Lockdown Ende November hatten Niederrhein, Westfalen und Mittelrhein ja drei mögliche Szenarien festgelegt, wie mit der Fußball-Saison in ihrem Gebiet umzugehen sei:

  • Man absolviert so viele Spieltage wie möglich. Die Saison wird dann gewertet, wenn mindestens 50 Prozent aller Spiele absolviert wurden.
  • Es wird nur eine Hinrunde gespielt und die Saison wird samt Auf- und Abstieg gewertet.
  • Die Saison wird abgebrochen und nicht gewertet. Es gibt auch keine Auf- und Absteiger.

Aufgeblähte Oberligen sind ein großes Problem

Soweit, so unklar. Denn das größte Problem der Verbände sind ihre höchsten Spielklassen, die Oberligen. Die wurden im vergangenen Sommer aufgestockt, weil man keine Absteiger hatte. In der Oberliga Niederrhein spielen aktuell daher 23 Teams - entsprechend viele Spiele müssten absolviert werden, um zu einer Wertung kommen zu können. Satte 46 Spieltage würde die komplette Saison umfassen. Aufgrund diverser Ausfälle gibt es aber Mannschaften in der Liga, die bis jetzt gerade einmal sieben Spiele absolviert haben.

Jeder kann sich daher ausrechnen, dass es bereits jetzt utopisch ist, in dieser Liga bis zur Deadline am 30. Juni zumindest 50 Prozent aller Spiele hinzubekommen. Und was bedeutet das für die Ligen darunter? Sollte die Oberliga Niederrhein nicht gewertet werden können, gäbe es ja keine Absteiger. Aber Aufsteiger könnte die jetzt schon aufgeblähte Spielklasse auch nicht aufnehmen. Müssten also auch alle anderen Ligen unterhalb ebenfalls ohne Wertung bleiben - egal, wieviel Spieltage absolviert wurden?

"Sind derzeit ratlos"

Ähnlich äußerst sich Pressemann Christian Schubert vom Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen, der die Oberliga Westfalen mit aktuell 21 Mannschaften organisiert. "Wir können erst Neuigkeiten in Sachen Saisonfortführung geben, wenn wir definitiv wissen, wann wir wieder auf die Sportplätze dürfen" - Nichts Genaues weiß man also auch hier nicht.

Frust pur also bei den Fußballern - aber auch bei allen anderen, die sich mit dem organisierten Breitensport befassen. "Die unbefriedigende Situation macht auch uns derzeit ratlos", räumt Michael Schirp, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ein. Auch der DOSB kann aktuell nur konstatieren, dass organisierter Sport bis auf Weiteres untersagt ist. Was der daraus resultierende Bewegungsmangel - vor allem für Jugendliche - bedeutet? Darüber kann im Moment ebenfalls nur spekuliert werden.

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WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 01.01.2021 46:15 Min. Verfügbar bis 27.12.2040 WDR 5


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Stand: 06.01.2021, 12:07