Timo Boll (l.) und Gegener Truls Möregardh

Tischtennis | WM

WM-Aus unter Schmerzen: Bolls Traum endet mit Drama

Stand: 29.11.2021, 14:02 Uhr

Timo Boll war ganz dicht dran - doch den ersehnten Finaleinzug bei der Tischtennis-WM hat der Oldie nach einem Drama verpasst.

Welche Bedeutung Timo Boll für den Tischtennis-Sport hat, zeigte sich genau in dem Moment des verlorenen WM-Halbfinals. Der 19-jährige Schwede Truls Möregardh traute sich unmittelbar nach dem letzten Ballwechsel gar nicht, richtig zu jubeln. Er warf seinem 21 Jahre älteren Idol eine beinahe entschuldigende Geste zu. "Timo Boll ist ein Spieler, zu dem ich mein ganzes Leben lang aufgeschaut habe", sagte Möregardh. In der Nacht zu Montag (29.11.2021) beendete er Bolls Traum vom ersten Weltmeistertitel seiner Karriere in 4:3 Sätzen.

WM-Bronze mit fast 41 Jahren

Unter Schmerzen holte Boll nach zehn Jahren erneut Bronze - es war ein großes Drama. "Ich bin glücklich, es geschafft zu haben, noch einmal bei einer WM eine Medaille zu gewinnen", sagte Boll: "Mit fast 41 kann das wirklich keiner mehr erwarten, das ist eine wirklich schöne Geschichte."

Timo Boll hat unter Schmerzen das WM-Finale verpasst

Timo Boll hat unter Schmerzen das WM-Finale verpasst

Und fast wäre es auch ein Märchen geworden. Boll, der sich seit Turnierbeginn mit schmerzhaften Bauchmuskelproblemen herumgeplagt hatte, wehrte sich, kämpfte, gab alles und lieferte ein Spektakel ab, die Halle tobte - aber es sollte nicht reichen. Das "Adrenalin" habe ihm zwar geholfen, "den Schmerz ein bisschen zu übergehen", sagte Boll nach dem Thriller.

Boll nun ältester WM-Medaillengewinner

Boll führte bereits mit 2:0 und 3:2 Sätzen. Doch von den Schmerzen geplagt, griff er sich schon ab dem zweiten Durchgang immer häufiger mit verzerrtem Gesicht an den Körper. "Wenn man in einem WM-Halbfinale ist, zieht man einfach durch, gibt alles und schaut dann nachher, wo die Körperteile liegen", sagte Boll.

Und "wenn du dann in Führung bist und bei 3:2 merkst, dass der Gegner nervös wird, dann willst du es auch irgendwie packen und den Sack zumachen", sagte er: "Es tut einem weh, wenn man es nicht schafft und man merkt, der Gegner findet einfach gute Lösungen. Er war am Ende auch einen Tick besser." Mit 40 Jahren und 264 Tagen ist Boll nun der älteste WM-Medaillengewinner seit der ersten Auflage 1926 in London.

"Mehr ging einfach nicht"

"Am Ende muss ich das anerkennen und sagen: Mehr ging einfach nicht", sagte Boll nach dem Duell der Generationen. Als Möregard gerade geboren war, holte Boll 2002 seinen ersten EM-Titel. Viertelfinale 2007, 2013, 2015 und 2017, Bronze 2011 und jetzt in Texas - doch noch nie hat es für das große Finale gereicht, ausgerechnet jetzt, mit knapp 41, war Boll ganz, ganz dicht dran. Eine riesige Chance, doch der Körper streikte.

Was der Star von Borussia Düsseldorf der Fairness halber lieber für sich behielt, sprach dann am Montag sein Freund und bei dieser WM verletzt fehlende Nationalmannschafts-Kollege Dimitrij Ovtcharov aus: "Wenn sein Körper ein bisschen gesünder gewesen wäre, hätte er das Spiel gewonnen. Davon bin ich überzeugt."

Bolls Zukunft weiterhin offen

Boll selbst behält sich vor, noch so viele WM und EM und Olympische Spiele zu spielen, wie er Spaß und Kraft dazu hat. Dass er irgendwann einmal den Schläger in die Ecke stellen könnte, kann sich auch Dimitrij Ovtcharov nicht vorstellen.

"Ich mache immer Witze mit ihm, dass er 2028 noch bei Olympia in Los Angeles spielt. Ich bin auch weiterhin überzeugt, dass er 2024 in Paris am Start ist", sagte Ovtcharov. Die Variante des Bundestrainers Jörg Roßkopf geht so: "Timo hat 2011 in Rotterdam eine WM-Medaille geholt und zehn Jahre später wieder eine. Vielleicht holt er 2031 die nächste." Ja klar, sagte Boll selbst dazu: "Bei der Senioren-WM."

Quelle: sid/dpa