Boll vor Tischtennis-WM: Traue mir "ein bisschen was zu"

Timo Boll im August 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Boll vor Tischtennis-WM: Traue mir "ein bisschen was zu"

Europameister Timo Boll fliegt optimistisch zur ersten Tischtennis-Weltmeisterschaft in den USA. Bei den Wettkämpfen in Houston (23. bis 29. November) zählt der Rekord-Europameister im Einzel zu den Medaillenkandidaten.

"Im Moment funktioniert der Körper. Das ist das Wichtigste. Wenn das bis zur WM so bleibt, traue ich mir auch ein bisschen was zu", sagte der 40-Jährige von Borussia Düsseldorf am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des deutschen Teams. "Das Niveau ist mittlerweile so eng beieinander. Man kann sich keine Schwäche erlauben. Man muss zusehen, dass man selbst gut spielt. Dann ist für mich alles möglich - von der Medaille bis zum Endrunden-Aus."

Boll tritt beim ersten Turnier in der 95-jährigen WM-Historie auf dem amerikanischen Kontinent im Einzel und zudem im Doppel mit Europe-Top-16-Sieger Patrick Franziska (Saarbrücken) an. Neben fünf WM-Medaillen mit der Mannschaft hat der Rekord-Europameister 2005 Silber im Doppel (mit Christian Süß) sowie zuletzt vor zehn Jahren Bronze im Einzel gewonnen.

2019 in Budapest war Bolls Siegeszug im Doppel mit Franziska von einem fiebrigen Infekt gestoppt worden. In Houston hofft er nun auf mehr Fortune. "Wenn man sich am Limit bewegt, spielt die Gefahr immer mit, dass man körperlich einsackt und anfälliger ist, deswegen habe ich versucht, an meiner Kondition zu arbeiten", sagte er.

Verzicht auf Team-EM und Top-16-Turnier wegen Borussia und WM

Boll hat in diesem Jahr bereits den EM-Titel im Einzel gewonnen, bei den Olympischen Spielen in Tokio aber erneut das Viertelfinale verpasst. Danach verzichtete er auf eine Teilnahme an der Team-EM und an dem europäischen Top-16-Turnier, um sich ganz auf seinen Verein Borussia Düsseldorf und auf die WM vom 23. bis 29. November zu konzentrieren.

In Houston zählt der Rekord-Europameister im Einzel auch deshalb zu den Medaillenkandidaten, weil aus dem deutschen Team der Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov (Knöchel-Operation) fehlt und weil die übermächtigen Chinesen ohne den Olympiasieger Ma Long und den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Xu Xin antreten werden.

Als größte Medaillenhoffnungen im WM-Tross des Deutschen Tischtennis-Bundes gelten Boll im Einzel sowie im Doppel mit Franziska sowie das Mixed mit den WM-Dritten Franziska/Petrissa Solja (Langstadt). Außenseiterchancen kann sich zudem Bolls Vereinskollege Dang Qiu im Doppel mit Benedikt Duda (Bergneustadt) sowie als Europameister im Gemischten Doppel mit Europe-Top-16-Siegerin Nina Mittelham (Berlin) ausrechnen. Im Einzelturnier der Damen wäre ein Platz im Achtelfinale bereits ein Erfolg.

Boll sieht Fan Zhendong als klaren Favoriten

"Ich denke schon, dass sie mit Blick auf die nächsten Olympischen Spiele ihre jungen Spieler testen wollen", sagte Boll über die Chinesen. "Aber ob es für den Rest der Welt nun wirklich besser aussieht, wird man sehen. Zumindest waren einige jüngere Chinesen nicht ganz so konstant in ihren Leistungen." Klarer Favorit auf den WM-Titel ist für ihn jetzt der Weltranglisten-Erste Fan Zhendong.

dpa/sid | Stand: 10.11.2021, 13:34