Jule Niemeier jubelt nach einem Sieg in Wimbledon

Wimbledon: Niemeier überrascht - Otte ohne Aufwand

Stand: 29.06.2022, 20:20 Uhr

Wimbledondebütantin Jule Niemeier aus Dortmund hat nach dem bislang größten Sieg ihrer Tenniskarriere die dritte Runde beim Rasenklassiker im All England Club erreicht. Auch der Kölner Oscar Otte ist weiter.

Das erste Mal auf der ganz großen Tennisbühne. Das erste Match gegen eine Top-10-Spielerin - und dann auch noch die Premiere am Mikrofon: Kein Wunder, dass es Jule Niemeier in Wimbledon erst einmal die Sprache verschlug. Doch sie hatte sich im On-Court-Interview nach ihrer großen Überraschung schnell wieder gesammelt. "Hier auf Court 1 zu gewinnen, ist ein unglaubliches Gefühl", sagte die 22-Jährige aus Dortmund.

Otte profitiert von Aufgabe, Krawietz/Mies mit Mühe

Gegen die Estin Anett Kontaveit, Nummer zwei der Setzliste und neuerdings Schützling des früheren Kerber-Erfolgscoaches Torben Beltz, zeigte sie auf dem zweitgrößten Platz im All England Club eine Glanzleistung. Beim 6:4, 6:0 in nicht einmal einer Stunde ließ sie der Favoritin keine Chance. Noch schneller kam Oscar Otte weiter. Er profitierte beim Stand von 3:1 im ersten Satz von der Aufgabe des US-Qualifikanten Christian Harrison. Auch das Doppel Kewin Krawietz/Andreas Mies (Coburg/Köln) zog mit einem 5:7, 6:4, 7:6 (7:3), 6:1 gegen Sadio Doumbia/Fabien Reboul (Frankreich) in die nächste Runde ein.

Niemeier bekam weniger geschenkt und die Gelegenheit, in der zweiten Runde ihr Talent der Tenniswelt vorzuführen. "Das war eines der besten Matches, das ich je gespielt habe", sagte sie. Dabei sei sie "sehr nervös" gewesen angesichts der Größe des Courts, auf dem sie vorher nie gespielt oder trainiert hatte, und der Aufgabe. Im Match war davon aber nichts zu sehen.

Niemeier dominiert mit ihrem Aufschlag

Wie schon bei ihrem Wimbledondebüt gegen die Chinesin Wang Xiyu, dem überhaupt erst zweiten Grand-Slam-Match ihrer jungen Karriere, dominierte Niemeier mit ihrem Aufschlag. Noch immer hat sie kein Break zugelassen. "Ich liebe es, auf Rasen zu spielen", sagte sie, der Belag passt zu ihrem offensiven Spiel, mit dem auch am Freitag gegen die Ukrainerin Lesia Zurenko nicht Schluss sein muss. Bundestrainerin Barbara Rittner dürfte sich bestätigt fühlen, sie hat Niemeier schon länger auf dem Zettel, nicht erst für die Zeit nach der "goldenen Generation" um Angelique Kerber. "Jule besitzt alle Waffen für eine Spitzenspielerin. Ich traue ihr die Top 20 in der Welt zu", sagte Rittner dem WDR und lobte Niemeiers Spielintelligenz und das "unglaubliche Händchen".

Dass der Durchbruch ein paar Jahre später als erwartet kommt, führt Rittner auf Verletzungen und die Pandemie zurück. Zudem sorgte Niemeier vor und legte ihr Abitur ab. Mittlerweile setzt sie aber nur noch auf die Karte Tennis. Und das zahlt sich aus. Zwar gibt es in Wimbledon keine Punkte zu verdienen - Niemeier wird deshalb wohl aus den Top 100 fallen -, dafür aber eine Menge Geld. Schon jetzt hat sie 120.000 Pfund sicher.

Quelle: sid