Unerschrocken auf der großen CHIO-Bühne: Philipp Schulze Topphoff

CHIO: Schulze Topphoffs starker Ritt beim Großen Preis von Aachen Sportschau 19.09.2021 02:28 Min. Verfügbar bis 19.09.2022 Das Erste

Pferdesport | CHIO

Unerschrocken auf der großen CHIO-Bühne: Philipp Schulze Topphoff

Von Volker Schulte

Bemerkenswert cool hat Philipp Schulze Topphoff sein Debüt beim Großen Preis von Aachen bestritten. Er ist Teil einer ganzen Riege deutscher Springreit-Talente.

"Wahnsinn! Das ist Weltklasse!", rief Carsten Sostmeier ins Mikrofon. Der Sportschau-Reitsport-Kommentator ist hörbar beeindruckt. "Phänomenal geritten, cool geblieben, alles richtig gemacht. Das ist eine grandiose Runde gewesen!"

Philipp Schulze Topphoff beim Großen Preis von Aachen

Philipp Schulze Topphoff beim Großen Preis von Aachen

Sostmeiers Worte galten einem 23 Jahre jungen deutschen Springreiter, der in diesem Jahr sein Debüt beim CHIO in Aachen gab. Philipp Schulze Topphoff hatte schon beim Preis von Europa am Mittwoch mit Platz zehn überrascht. Aber beim mit eine Million Euro dotierten Großen Preis am Sonntag, dem großen Finale des CHIO, setzte er noch einen drauf.

Ludger Beerbaum lobt Schulze Topphoff

Im größten Springsport-Stadion der Welt (40.000 Plätze) zu reiten, kann einschüchternd sein. Doch Schulze Topphoff legte auf seiner Erfolgsstute Concordess einen fehlerfreien ersten Durchgang hin - und konnte es im Anschluss selbst kaum fassen. "Mehr als perfekt", sagte er im WDR-Interview. "Ich war froh, dass ich heute überhaupt noch reiten darf. Die Qualifikation war schon ein Riesenerfolg, jetzt null - ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll."

Routinier Ludger Beerbaum fand dagegen Worte: "Hut ab! Das war wirklich große Klasse, hier in diesem Starterfeld über diesen Parcours so zu reiten. Das war vielleicht ein bisschen überraschend, aber absolut verdient."

Schulze Topphoff beendete sein TV-Interview nach der kurzen Sprachlosigkeit genauso cool wie seinen Ritt zuvor. Ob er in der Nacht zuvor gut geschlafen habe? "Absolut", antwortete der junge Mann aus dem westfälischen Havixbeck - und klang dabei überzeugend.

Schulze Topphoff nach erstem Durchgang: "Mehr als perfekt" Sportschau 19.09.2021 00:42 Min. Verfügbar bis 19.09.2022 Das Erste

Nationenpreis-Sieg in Budapest

Schulze Topphoff gilt als hoffnungsvolles Talent - und ist damit im deutschen Springsport nicht alleine. "Um die Zukunft brauchen wir uns keine Sorgen zu machen", sagte Ralf Munge im Juli in Budapest, wo er Bundestrainer Otto Becker während dessen Olympia-Vorbereitungen als Equipechef vertrat. Munge erlebte mit, wie ein junges deutsches Team das Halbfinale der Nationenpreisserie der Europäischen Reiterlichen Vereinigung (EEF) gewann.

Mit dabei: Cedric Wolf (23, Buchholz), Jana Wargers (30, Ibbenbüren), Sophie Hinners (24, Pfungstadt) - und Schulze Topphoff. Allesamt haben bereits Erfolge vorzuweisen. Wolf ist U21-Europameister von 2018, Wargers Überraschungs-Dritte beim CHIO-Preis von NRW, Hinners ist amtierende deutsche Meisterin. Schulze Topphoff holte sich 2019 den Titel bei den U21-Europameisterschaften.

Auch Gerrit Nieberg fehlerfrei

Alle waren auch beim Großen Preis von Aachen am Start. Wolf (4 Strafpunkte), Wargers (12) und Hinners (13) verpassten zwar den zweiten Durchgang, sammelten aber wichtige Erfahrungen.

Und die Liste an deutschen Talenten ist noch länger, wie Gerrit Nieberg bewies. Der 28 Jahre alte Sohn von Lars Nieberg (Mannschaftsgold bei Olympia 1996 und 2000) blieb beim Großen Preis mit etwas Glück fehlerfrei im ersten Durchgang und durfte damit genau wie Schulze Topphoff im zweiten Durchgang erneut die weltgrößte Springreit-Bühne betreten.

Frühe Fehler im zweiten Durchgang

Dort leistete sich Nieberg einen ärgerlichen Abwurf direkt am ersten Hindernis, blieb danach aber souverän und landete am Ende auf Platz neun. Schulze Topphoff übersprang die erste, patzte aber an der zweiten Hürde und beendete das Springen mit acht Strafpunkten auf Platz 13.

Vielleicht schauen die beiden ein bisschen neidisch auf den US-Amerikaner Brian Moggre, der es bereits mit 20 Jahren mit zwei Nullrunden bis ins Stechen beim Großen Preis schaffte und am Ende sensationell auf Platz zwei landete.

Aber die Enttäuschung dürfte sich in Grenzen halten, denn Daniel Deußer musste auch erst 40 Jahre alt werden, um erstmals in Aachen zu triumphieren. Und auch Moggres Teamkollegin Laura Kraut schaffte es auf Platz fünf - mit 55 Jahren. Schulze Topphoff, Nieberg und die anderen deutschen Talente haben also noch viele Jahre Zeit, im Springsport Erfolge zu sammeln.

Stand: 19.09.2021, 14:33