Reitturnier CHIO in Aachen abgesagt

Reiter springt mit seinem Pferd über eine Hindernis

Reitturnier CHIO in Aachen abgesagt

Von Marc Eschweiler

  • Erste Absage in 94-jähriger Geschichte
  • Verschiebung kam nicht mehr in Frage
  • Alternativ soll es einen virtuellen CHIO geben
  • Hoher finanzieller Schaden

1924 ging es los im Aachener Stadtteil "Soers". Zum ersten Mal veranstaltete der Aachen Laurensberger Rennverein, kurz ALRV, ein Reitturnier. Und ahnte damals wohl noch nicht, welchen Stellenwert sein Turnier einmal in der Welt haben würde. Seitdem ist der CHIO - offiziell "Concours Hippique International Officiel" -  immer weiter gewachsen und zum offiziellen Reitturnier Deutschlands geworden. In diesem Jahr hätte das Turnier einen Gesamtetat von 18 Millionen Euro gehabt. 1.200 Menschen hätten in der Turnierwoche auf dem Gelände gearbeitet. 340 Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsreiter aus aller Welt wären gekommen. Und über 360.000 Besucher.

Absage im Grunde alternativlos

Die Absage kommt daher nicht überraschend. Aufgrund eines solchen Ansturms blieb dem Veranstalter im Grunde keine andere Wahl. Schon vor einem Monat hatte der ALRV noch gehofft, das Turnier vielleicht in den Herbst verschieben zu können. Aber auch diese Hoffnung hat sich nunmehr zerschlagen. Die Entscheidung sei sehr schwer gefallen und sehr emotional gewesen, sagte Turnierchef Frank Kempermann. Aber die Gesundheit aller Beteiligten stehe über Allem, so Kempermann weiter. Damit wird der CHIO zum ersten Mal in seiner langen Geschichte komplett abgesagt. Für alle Beteiligten eine völlig neue Erfahrung. Mit Ausnahme der Zeit um den zweiten Weltkrieg gab es in Aachen jedes Jahr ein Reitturnier. Wenn es nicht der CHIO war, waren es Weltreiterspiele oder Europameisterschaften.

CHIO-Reitturnier in Aachen abgesagt

Sportschau 22.04.2020 02:48 Min. Verfügbar bis 22.04.2021 ARD Von Marc Eschweiler (WDR)


Virtueller CHIO kann wirtschaftliche Schäden nicht kompensieren

Alternativ plant der ALRV jetzt einen virtuellen CHIO. Zum ursprünglich geplanten Termin sollen so die Atmosphäre und die Emotionen des größten Reitturniers über das Internet nach Hause transportiert werden. Den finanziellen Schaden kann dieses Konzept aber nicht auffangen. Der Aachen Laurensberger Rennverein spricht von einem schweren Schlag. Der Verein und sein Vermarkter, die Aachener Reitturnier GmbH, existieren mit ihren über 40 Mitarbeitern im Grunde nur von und für dieses eine Event im Jahr. Trotz der finanziellen Einbußen versprach Turnierchef Frank Kempermann aber schon, dass es im kommenden Jahr wieder einen CHIO geben wird.

Schwerer Schlag auch für Hotels, Restaurants und Unternehmen

Eine Hiobsbotschaft ist die Absage darüber hinaus für die Wirtschaft und den Tourismus in Aachen und Umgebung. Restaurants, Geschäfte und auch viele Unternehmen, die als Zulieferer tätig sind, haben den CHIO Jahr für Jahr fest eingeplant. Auch für die Hotels bedeutet die Absage enorme Verluste. Neben dem Weihnachtsmarkt im Winter ist der Reitsport im Sommer ein Garant für ausgebuchte Häuser. Im letzten Juli beispielsweise wurden in Aachen 100.000 Übernachtungen verzeichnet, ein Großteil hing mit dem Reitturnier zusammen. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sagte, für die Region sei der CHIO ein großes Aushängeschild und ein Imagefaktor. Auch er hofft, dass alle Beteiligten diese Krise überstehen, damit im nächsten Jahr die lange Tradition des Reitsports in Aachen in altbekannter Form fortgesetzt werden kann.

Stand: 22.04.2020, 10:36