Lisa Bergenthal - auf der Überholspur zu den Paralympics nach Tokio

Lisa Bergenthal in Ballbesitz

Lisa Bergenthal - auf der Überholspur zu den Paralympics nach Tokio

Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen gehören bei den Paralympics in Tokio zu den Titelfavoritinnen. Mit dabei: Lisa Bergenthal. Die Kölnerin ist das "Küken" des Teams.

Lisa Bergenthals Weg ins Nationalteam war im Grunde vorgezeichnet. Schon als sie noch ein Kind war, verbrachte sie viel Zeit in der Sporthalle, um ihrem Vater Lars bei seinem großen Hobby zuzusehen: dem Rollstuhlbasketball. Und weil sie wie ihr Vater die gleiche vererbbare Gehbehinderung hat, landete auch sie schon bald bei diesem Sport. Sie durchlief im Trikot ihres Vereins RBC Köln alle Jugendteams und ist nun mit 21 Jahren in der 1. Mannschaft angekommen. "Köln ist der optimale Verein, um diesen Weg zu gehen. Das sind wirklich tolle Möglichkeiten, die ich habe und hatte", sagt die 21-Jährige über ihre "kölsche Karriereleiter".

Dass sie aber so schnell auch Nationalspielerin werden könnte und nun sogar für die Paralympics in Tokio nominiert wurde, überraschte die Studentin der Erziehungswissenschaften doch sehr. Zumal sie als eine der wenigen Nationalspielerinnen während des Corona-Lockdowns tatsächlich zur sportlichen Untätigkeit verurteilt war.

Kein Sport während Corona

Während ihre Teamkolleginnen in der Nationalmannschaft größtenteils in der 1. deutschen Liga oder in der College League in den USA spielen und daher weiter aktiv waren, konnte sie als Kölner Zweitligaspielerin weder trainieren noch spielen. Denn in Deutschland wurde unterhalb der Bundesliga der Spiel- und Trainingsbetrieb eingestellt. Daher hatte sie zwischenzeitlich sogar über einen Vereinswechsel nachgedacht, um ihre Paralympics-Chancen nicht zu gefährden. Letztlich siegte aber der "Köln-Faktor" und sie blieb. "Ich bin zu 100 Prozent Köln, ich studiere hier, ich lebe hier und ich will hier leben. Deshalb war ein Wechsel dann doch keine Option", sagt sie.

Umso glücklicher ist sie mit dem Tokio-Ticket: "Ich hatte nicht damit gerechnet und dadurch, dass ich so lange keine Liga gespielt habe, ehrt mich das noch mehr. Die Coaches haben mir gesagt, dass ich mich sehr verbessert habe und klar, die Paralympics waren immer ein Ziel für mich - dass es jetzt schon gereicht hat, ist sehr aufregend."

5-6 Stunden Training täglich

Damit es funktioniert, investiert Lisa Bergenthal allerdings auch eine Menge in ihren Sport. "Ich trainiere normalerweise jeden Tag etwa drei Stunden. Jetzt in der Vorbereitung auf die Spiele sind es aber eigentlich täglich fünf bis sechs Stunden Training pro Tag - verteilt auf zwei Einheiten. Da bleibt natürlich nicht mehr viel Zeit für Anderes", sagt sie.

Sie selbst findet im Übrigen, dass sie der Rollstuhlbasketballsport auch menschlich geprägt und ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen gegeben hat. "Ich war in allen Sportarten eingeschränkt und dass es im Rollstuhlbasketball so gut geklappt hat, hat mich gepusht und extrem bereichert. Ich habe Gleichgesinnte gefunden, konnte Freundschaften aufbauen und reise als Nationalspielerin um die Welt. Das hätte ich woanders nicht geschafft."

"Sie wird viel lernen können"

Mit der U25-Nationalmannschaft gewann Bergenthal bei der Europameisterschaft 2018 schon Silber und 2019 bei der WM wurde sie Fünfte. "Lisa hat seit ihrer guten Juniorinnen-WM diszipliniert trainiert und sich durch gute Leistungen in den beiden Selection Camps für den Paralympics-Kader empfohlen. Sie wird viel von den erfahrenen Spielerinnen lernen können und ist eine vielversprechende Spielerin für die Zukunft", sagt Bundestrainer Dennis Nohl, der Bergenthal damals auch bei der U25 trainierte.

Am 14. August fliegt das Team ins Pre-Camp nach Kitakyushu und siedelt kurz vor Beginn der Paralympics nach Tokio um, am 26. August ist dann das erste Spiel gegen Australien. Sportlich möchte das deutsche Team nach Silber in Peking 2008, Gold in London 2012 und Silber in Rio 2016 auch bei den vierten Paralympics in Folge eine Medaille gewinnen.

oja | Stand: 11.08.2021, 11:41