Para-Ski | WM in Lillehammer

Para-Ski - WM-Spannung für Bochumerin Isabell Thal

Stand: 20.01.2022, 08:11 Uhr

Mit nur fünf Prozent Sehkraft die steilsten Berge auf Skiern herunter? Für die Bochumerin Isabell Thal ist das Alltag und die Para-WM in Lillehammer ihr ganz großes Highlight.

Von Dirk Burkhardt

Sich im Alltag mit fünf Prozent Sehkraft zurecht zu finden, ist schon eine Herausforderung. Isabell Thal setzt aber noch eins oben drauf und stürzt sich mit dieser Beeinträchtigung auf Skiern die steilsten Pisten hinunter.

Die Bochumerin ist Teil des deutschen Para-Teams, das bis zum 23. Januar bei den World Para Snow Sports Championships im norwegischen Lillehammer antritt. Es ist die erste große, gemeinsame WM der Para-Athleten im Ski alpin, Ski nordisch und Snowboard - und für die 22-jährige Thal das bisherige Karriere-Highlight.

Para-Skifahrerin Thal über das Fahren mit Sehbehinderung 1LIVE 19.01.2022 00:41 Min. Verfügbar bis 19.01.2023 1LIVE

Mindestens zwei WM-Starts für Thal

"Ich bin richtig happy, dass ich dabei sein darf", sagte sie im Interview mit dem WDR-Radiosender 1Live. Mindestens zwei Mal ist Thal in Lillehammer am Start, in Riesenslalom und Slalom. Wenn alles gut läuft, geht sie auch noch im Parallelslalom auf die Piste.

Begleitet wird Thal bei ihrem WM-Debut von Maximilian Körner. Er ist Isabells Guide. Körner fährt zur Orientierung vor ihr her. "Er trägt ein neonpinkes Leibchen und zudem sind wir über Headset miteinander verbunden und können uns abstimmen", erklärt Thal im 1Live-Intveriew. Vertrauen und perfekte Kommunikation sind unerlässlich, denn Thal hat in der Mitte ihres Sehfeldes einen schwarzen Fleck und darum herum nimmt sie alles nur verschwommen wahr.

Harte Diagnose mit neun Jahren

Als sie neun Jahre alt war, wurde bei ihr eine fortschreitende Netzhautdegeneration festgestellt. Das Sporttreiben hat sie sich trotzdem nie nehmen lassen. Als Kind hat Thal Judo gemacht. Zum Skifahren hat ihre Mutter sie schon früh gebracht: "Sie ist sehr Ski begeistert und das Sauerland ist von Bochum aus ja auch nicht so weit weg."

Mittlerweile studiert Thal außerdem Sportwissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum. Dort setzt sie sich auch mit Speerwerfen oder Tennis auseinander. Das Skifahren ist aber ihre große Leidenschaft. Nach dem Weltcup in St. Moritz Ende Dezember 2021, wo sie im ersten Lauf unter die Top Ten kam, stand fest, dass sich Thal für die WM in Lillehammer qualifiziert hat.

Paralympics in Peking nur ein ganz fernes Ziel

Ein großer Schritt. Ein noch größerer wären die Paralympics. Über das Saison-Highlight der Para-Sportler in Peking Anfang März will sie sich aber noch keine Gedanken machen: "Ich mache mir keinen Druck, sondern versuche, das zu genießen, meine Nervosität in den Griff zu kriegen und mein Bestes zu geben." Auf diese Weise ist sie ja auch schon zur WM gekommen.