u.a. Armin Laschet (l) und Michael Mronz auf einer Veranstaltung für die Rhein Ruhr City

Rhein-Ruhr - Olympiabewerbung wird wieder ein Thema

Stand: 17.08.2022, 15:39 Uhr

Die European Championships in München sorgen atuell für Begeisterung bei den deutschen Sportfans. Das könnte auch eine Gelegenheit für eine erneute Olympia-Bewerbung in NRW sein.

Von Olaf Jansen

Michael Mronz hat derzeit wieder viel zu tun. Hat der Sportmanager ja eigentlich immer - aber im Moment kocht gerade sein Liebingsthema wieder hoch - eine Olympiabewerbung der Region Rhein-Ruhr. "Olympische und Paralympische Spiele an Rhein und Ruhr wären ökologisch und ökonomisch nachhaltig, da 90 Prozent der benötigten Sportstätten für die Spiele schon heute vorhanden sind, sie passen daher hervorragend in die Region. Nicht für, sondern durch die Spiele können wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen der Region entscheidend vorangetrieben werden", sagt Mronz im Gespräch mit wdr.de.

Freude am Sport - Olympische Spiele als Vehikel

Der Anlauf der Rhein-Ruhr-Region auf die Sommerspiele 2032 war vorzeitig gescheitert, Brisbane und die Region Queensland in Australien erhielten vom Internationalen Olympischen Komitee den Vorzug. Laut Mronz unterstützen Land und Kommunen die Olympia-Pläne in Nordrhein-Westfalen aber weiterhin. "Wenn Deutschland geschlossen hinter einer Bewerbung steht, haben wir gute Chancen, auch international", sagt der 55-Jährige.

Für Mronz ist eine Großveranstaltung nach wie vor die ideale Möglichkeit, den Wert des Sports in der Bevölkerung zu verankern. "Ein solches Großereignis kann als Vehikel genutzt werden, die Bevölkerung wieder verstärkt für Sport zu begeistern. Was enorm positive Auswirkungen unter anderem auf unser Gesundheitswesen hätte."

"Investitionen in den Sport sind Muss-Investitionen"

Die stark von den Folgen der Corona-Krise betroffene Sportlandschaft in Deutschland könne von Olympia im eigenen Land enorm profitieren. "Die Themen Bewegungsarmut und Adipositas sind leider hochaktuell. Investitionen in den Sport sind Muss-Investitionen und keine Kann-Investitionen", findet Mronz und verweist auf die Nachwirkungen der Sommerspiele vor 50 Jahren: "München 1972 hat gezeigt, wie nachhaltig Spiele im eigenen Land sein können."

Ähnlich sieht es Olympiasiegerin Malaika Mihambo. "Die Sportnation Deutschland kreist vor allem um eine Sportart. Das ist natürlich schade, weil Sport mehr ist als nur Fußball", sagte die Weitspringerin am Rande der European Championships. Daher seien die European Championships ein Gewinn. "Kinder können das ganz anders miterleben und danach vielleicht selbst Fuß fassen in diesen Sportarten", sagte Mihambo. Dies könne auch zum Signal für eine neue Olympia-Bewerbung werden.

"Man muss Lust drauf haben"

Eine weitere Kandidatur aber dürfe nicht zum Selbstzweck werden, betonte Mihambo. "Die Gesellschaft und besonders die Ausrichterstadt müssen wirklich Lust darauf haben", sagte die 28-Jährige. Als Ziel nannte Mihambo, den olympischen Gedanken stärker zu verankern.

Trotz der Zuschauerbegeisterung bei den European Championships in München will der Deutsche Olympische Sportbund eine erneute deutsche Olympia-Bewerbung eher vorsichtig angehen. "Uns motiviert das natürlich bei unseren Überlegungen. Aber wir dürfen uns auch nicht zu sehr davon treiben lassen, sondern müssen erst mal ruhig und sachlich unsere Hausaufgaben erledigen", sagt DOSB-Präsident Thomas Weikert.

"Nicht genug geprüft"

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): Thomas Weikert.

Vorsichtig: Thomas Weikert

Bei der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember soll ein möglicher Prozess für eine Olympia-Bewerbung präsentiert werden. "Das heißt aber nicht, dass wir uns direkt bewerben", sagt Weikert. Stattdessen solle transparent und ergebnisoffen mit allen Beteiligten und Betroffenen diskutiert werden, "ob und unter welchen Voraussetzungen eine erneute Bewerbung Deutschlands überhaupt Sinn macht. Oder eben nicht", sagte Weikert.

Offene Diskussionen zum Thema sind auch die Sache von Michael Mronz. Er findet sogar eine deutsche Bewerbung für 2036 nicht abwegig - trotz der Symbolik, die unweigerlich mit den Nazi-Spielen von 1936 aufkommen wird. "Wir müssen unsere Bürgerinnen und Bürger fragen, ob sie einen Malus oder eine Chance darin sehen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass man diese Symbolik nutzt und aufzeigt, wie weltoffen Deutschland im Vergleich zu damals ist. Dass wir jetzt ein Land sind, das Werte wie Integration und Miteinander auf allen Ebenen fördert und Minderheiten, die damals ausgegrenzt wurden, nun massiv unterstützt."

Seit München 1972 hat sich Deutschland siebenmal um Winter- oder Sommerspiele bemüht, immer erfolglos. "Häufig wurde im Vorfeld nicht gründlich genug geprüft, welchen Nutzen die Veranstaltung dem Land und der Gesellschaft bringen würde. Und wenn doch, wurden diese positiven Auswirkungen nicht ausreichend kommuniziert", sagte Weikert.

Kosten "möglichst gering" halten

Damit ein Konzept die Zustimmung in Deutschland findet, müssten die Kosten "möglichst gering" gehalten werden. "Der Gigantismus vergangener Tage ist nicht mehr zu verkaufen. Aber ich bin generell optimistisch, dass dies gelingen kann, allein schon durch die breite Nutzung vorhandener Anlagen und den Verzicht auf Neubauten", meint Weikert. Genau diese Forderungen sind der Kern der Rhein-Ruhr-Initiative.