Sieg gegen Shapovalov - Struff ist wieder in seinem Element

Jan-Lennard Struff aus Deutschland in Aktion beim Tennisturnier Western & Southern Open während des Spiels gegen de Minaur aus Australien

Sieg gegen Shapovalov - Struff ist wieder in seinem Element

Von Jörg Strohschein

Jan-Lennard Struff besiegt Denis Shapovalov beim Cincinnati-Masters-Turnier in New York mit 7:6, 3:6, 6:4. Der 30-Jährige will wieder sein altes Niveau erreichen - um dann noch höhere Ziele anzupeilen. Im Achtelfinale drei geht es jetzt aber erstmal gegen den Belgier David Goffin.

Jan-Lennard Struff hat die ungewöhnliche Zeit auch genossen. Natürlich hätte er auch gerne Tennis gespielt während des Lockdowns. Aber wie alles im Leben hatte diese unvorhersehbare Pandemie-Unterbrechung des nahezu gesamten Weltsports für den 30 Jahre alten Tennisprofi auch etwas Gutes. In dieser Zeit konnte er sich intensiv um seinen im Frühjahr vergangenen Jahres geborenen Sohn Henry kümmern.

So viele Wochen Freizeit haben Tennisspieler sonst nie zur Verfügung - da sie in Nicht-Corona-Zeiten fast das ganze Jahr um den Erdball fliegen, um Turniere auf der ATP-Tour zu spielen. Der Kontakt zur Familie beschränkt sich dann häufig nur auf Videotelefonie.

Showturniere genügen nicht

Doch zuletzt kribbelte es Struff wieder in Fingern. Er wollte wieder seiner Leidenschaft nachgehen und sein hohes Niveau wieder erreichen. Immerhin belegt er Platz 34 in der Welt, ist hinter Alexander Zverev der zweitbeste deutsche Spieler.

Ein paar Showturniere sind dafür nicht ausreichend: Bei diesen Matches kann ein Spieler zwar seinen Rhythmus so gut es geht aufrecht erhalten. Aber der innere Druck, die körperliche Anspannung, die mentale Belastung - all diese Dinge, die einem ernsten Tennismatch diese besondere Note verleihen, lassen sich nicht so einfach kopieren.

In der Bubble

Wohl auch deshalb hat sich der gebürtige Warsteiner dazu entschieden, dass Risiko auf sich zu nehmen und nach New York zu reisen - einem der größten Corona-Hotspots weltweit. Das ATP-1000er-Turnier von Cincinnati - die zweithöchste Kategorie auf der Tour - und im Anschluss die US Open werden auf dem Gelände von Flushing Meadows im Big Apple gespielt.

Ähnlich wie die Basketballer der NBA leben auch die Tennisprofis vor Ort in einer Bubble, einer Blase, in der sie von der Außenwelt abgeschirmt werden und nur das Hotel und die Tennisanlage der Stadt zu sehen bekommen.

"Good to be on Court" teilte Struff via sozialer Medien nach seinem Auftaktsieg gegen Australier Alex de Minaur (ATP-Nr. 26; 6:2, 6:4) mit.

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Gute Nerven gegen Shapovalov

"Gut wieder auf dem Court zu sein" schien auch das Motto für seinen zweiten Auftritt beim Cincinatti-Turnier zu sein. Gegen den Kanadier Denis Shapovalov fand Struff schwer ins Match, machte einige leichte Fehler, die ihn schnell in Rückstand geraten ließen. Aber Struff ist in der Lage, seine Nerven im Griff zu behalten und sich steigern zu können. Er servierte besser, reduzierte seine Fehleranzahl und stellte Shapovalov zunehmend vor unlösbare Probleme. Am Ende behielt Struff mit 7:6 (7:4) die Nase vorn.

Im zweiten Satz konnte Struff sein Niveau allerdings nicht halten. Shapovalov übernahm mehr und mehr die Initiative, setzte den Deutschen unter Druck. Struff fand kaum noch Mittel und musste sich im zweiten Satz mit 3:6 geschlagen geben.

Im dritten Satz spielten sowohl Struff als auch Shapolvalov souverän und brachten ihre Aufschlagspiele lange souverän durch. Die Return-Spieler waren zumeist nur Staffage. Beim Spielstand von 5:4 für Struff musste dann Shapolvalov servieren - und dem Deutschen gelang mit konzentrierten Schlägen das entscheidende Break zum 6:4.

Damit hat Struff das Achtelfinale gegen den Belgier David Goffin erreicht. Struff ist wieder in seinem Element.

Stand: 24.08.2020, 22:54