Jule Niemeier freut sich über ihren Sieg in Wimbledon.

Jule Niemeier - Dortmunder Tennis-Talent begeistert in Wimbledon

Stand: 04.07.2022, 09:51 Uhr

Ihr krachender Aufschlag und die gefürchtete Vorhand sind ihre stärksten Waffen - die Dortmunderin Jule Niemeier mischt derzeit die Tennis-Konkurrenz in Wimbledon auf.

Tennis-Deutschland wundert sich gerade - da ist mit Angelique Kerber die derzeit stärkste Spielerin schon früh in Wimbledon ausgeschieden - und dennoch treffen am Dienstag zwei deutsche Frauen im Viertelfinale des wichtigsten Tennisturniers der Welt aufeinander: Tatjana Maria und die Dortmunderin Jule Niemeier.

"Ein offenes Duell", beschreibt Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner das bevorstehende Spiel. "Jule hat womöglich mehr spielerische Möglichkeiten, aber Tatjana beeindruckt immer wieder mit ihrem Biss, der sie schon oft aus schwierigen Situationen gerettet hat", sagt Rittner. Wie immer die Partie auch ausgeht - eine Deutsche wird in Wimbledon in jedem Fall im Halbfinale stehen.

Krachender Aufschlag, feine Vorhand

Dass dies Jule Niemeier sein wird - das glauben aktuell die meisten Experten. Die erst 22-Jährige - in Dortmund aufgewachsen und aktuell in Regensburg lebend - begeistert in Wimbledon mit ihren zwei stärksten Tennis-Waffen: Einem krachenden Aufschlag, der mit bis zu 190 Stundenkilometern übers Netz fliegt und einer wunderbaren Vorhand, mit der die junge Rechtshänderin ihre Gegnerinnen ein ums andere Mal schlecht aussehen lässt.

Niemeier ist bei den Tennis-Experten allerdings bei Weitem kein unbeschriebenes Blatt - schon mit 15 Jahren machte sie einen großen Schritt in Richtung Profitennis, als sie sich der Alexander-Waske-Tennis-Universität in Offenbach anschloss. Zuvor war sie von ihren beiden älteren Brüder fürs Tennis angefixt worden, schon mit fünf Jahren hatte sie ihre ersten Turniere gespielt.

Profiluft in Offenbach geschnuppert

In Offenbach aber - da ging es so richtig los. Sie fasste Fuß bei den Besten und machte 2021 den nächsten Schritt: Niemeier wechselte nach Regensburg. Dort arbeitet sie nun mit Tenniscoach Michael Geserer und Physio- und Fitnesstrainer Florian Zitzelsberger zusammen. Der Wechsel kam über Physio Zitzelsberger zustande. "Wir haben zuvor schon zusammengearbeitet, aber nicht regelmäßig, ich war ja in Offenbach. Anfang des Jahres wollte ich täglich mit ihm trainieren. Ich wollte den nächsten Schritt machen", erklärte Niemeier 2021 in einem Beitrag des "Tennis-Magazin".

Zuvor hatte ihre Karriere einen empfindlichen Dämpfer erhalten: Eine Schulterverletzung hatte sie 2019 außer Gefecht gesetzt, keiner habe sie in den Griff bekommen, außer Zitzelsberger. "Flo hat mir direkt geholfen, nach ein paar Wochen waren die Probleme weg. Seitdem hatten wir dauerhaft Kontakt, ich war immer wieder in Regensburg bei ihm in Behandlung. Seit unserer Zusammenarbeit hatte ich keine einzige Verletzung mehr", so Niemeier im "Tennis-Magazin".

"Sie besitzt alle Waffen"

Bundestrainerin Rittner hält viel von dem sehr variablen Spiel der Dortmunderin. "Sie ist eine sehr intelligente Spielerin und hat ein unglaubliches Händchen. Jule besitzt alle Waffen für eine Spitzenspielerin. Ich traue ihr die Top 20 in der Welt zu", sagt Rittner und erwähnt auch ihren Aufschlag, der in Berlin mit kraftvollen 198 km/h gemessen wurde. Auch wenn sie damit gerechnet habe, dass Niemeier schon etwas früher durchgestartet wäre, die Richtung stimme bei Niemeier, da ist sich die Chefin des deutschen Damen-Tennis sicher. Allerdings müsse sie noch an ihrer Beweglichkeit arbeiten und einen Tick "tougher" werden, so Rittner.

Rittner über Jule Niemeier: "Hat alles was es braucht"

Sportschau 04.07.2022 00:10 Min. Verfügbar bis 04.07.2023 ARD


Helfen soll ihr dabei ihr neuer Trainer Christopher Kas, der Niemeier seit Mitte April vorrangig in der Regensburger Tennis Akademie von Michael Geserer betreut. "Christopher Kas wird Jule mit seiner positiven Ausstrahlung sehr helfen", glaubt Rittner.

BVB-Profis senden Nachrichten

Jetzt scheint ihr Weg mit dem begeisternden Auftritt in Wimbledon weiterzugehen. Wobei sich die junge Athletin erst einmal noch an das gesteigerte Interesse an ihrer Person gewöhnen muss. Regelrecht geflasht war die eingefleischte Anhängerin von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund von der Anteilnahme ihrer Idole.

"Ich habe eine Nachricht erhalten, dass mich Mats Hummels in seiner Story erwähnt hat, und ich habe tatsächlich auch eine Nachricht von Nico Schlotterbeck bekommen", sagte Niemeier nach ihrem Viertelfinal-Einzug.

"Versuche zu genießen"

"Als großer Dortmund-Fan musste ich schmunzeln, und es hat mich natürlich auch gefreut", sagte sie: "Vor dem Turnier hätte ich nicht damit gerechnet, dass ich jetzt hier sitze und so viele Leute meinen Namen kennen. Das versuche ich nur zu genießen." Sie habe aber schon mitbekommen, dass ihr Erfolg "zu Hause bei Borussia Dortmund angekommen ist".

Quelle: oja

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