French Open: Top-Talent Altmaier tastet sich vor in höhere Sphären

French-Open-Qualifikant Daniel Altmaier (Kempen) spielt eine Vorhand

French Open: Top-Talent Altmaier tastet sich vor in höhere Sphären

Von Julian Tilders

Daniel Altmaier blieb cool. Den vierten Matchball gegen den Spanier Feliciano Lopez in der ersten Runde der French Open nutzte er am Montag per Aufschlag zum Sieg (7:6 (7:1), 6:4, 6:4). Lopez, die Nummer 57 der Welt, konnte nicht retournieren.

Und auch als wenige Sekundenbruchteile später endgültig feststand, dass dem Kempener hier Großes gelungen war, blieb er cool. Der 22-Jährige verzichtete - obwohl es nachvollziehbar gewesen wäre - auf ausufernde Jubeleinlagen, rückte nur seine Kappe zurecht und schlug am Netz mit seinem Kontrahenten ab.

Altmaier liegt im Zeitplan

Es war ein Highlight seiner noch jungen Karriere. Altmaier steht nun bei seinem Grand-Slam-Debüt bei den French Open in Runde zwei. Zuvor hatte er sich als einziger von elf Deutschen über drei Siege in der Qualifikation überhaupt erst ins Hauptfeld gekämpft.

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Sein Ziel hat er fest im Blick - und das lautet aktuell nicht nur, bei den French Open zu überraschen. Dem Fachmagazin "Tennisnet" sagte Altmaier kürzlich am Rande eines Turniers im italienischen Todi, er wolle im Frühjahr 2021 beim südamerikanischen Sandplatz-Swing der ATP-Tour starten: "Dies bedeutet, dass ich ein sehr stabiles Ranking zwischen den Plätzen 130 und 170 benötige, um dort in die Qualifikation zu kommen." Altmaier, auf der ATP-Webseite als Nummer 186 geführt, hat nun in der ersten Runde der French Open bereits gezeigt, dass in der Tat mit ihm zu rechnen ist.

Struff klarer Favorit gegen Altmaier

Doch in der nächsten Runde wartet auch ein stärkerer Gegner. Ein Gegner, der da ist, wo Altmaier wohl mal landen möchte. NRW-Kollege Jan-Lennard Struff (Warstein) setzte sich ebenfalls am Montag in einem kräftezehrenden Match gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe mit 3:6, 7:6 (7:5), 6:3, 6:7 (2:7), 6:3 durch. Nach einigen leichten Fehlern im ersten Satz arbeitete sich die deutsche Nummer zwei (Weltrangliste: 32) in die Partie und konnte ihr druckvolles Spiel zunehmend durchsetzen. Nach vier Stunden durfte Struff dann endlich jubeln.

Am Mittwoch stehen sich nun die zwei NRW-Starter der French Open gegenüber (Uhrzeit noch offen). Struff, 30 Jahre alt und damit Altmaier (22) um einige Jahre Profi-Erfahrung voraus, will bei den French Open nach seinen Erstrunden-Niederlagen in Rom und Hamburg wieder angreifen. Gegen Altmaier ist er der klare Favorit. Struff (1,93 Meter/92 Kilogramm) und Altmaier (1,91 Meter/88 Kilogramm) bringen zumindest physisch ähnliche Voraussetzungen mit.

Fitnesstraining während Corona-Pause

Altmaier wurde dabei zum Start seiner Karriere von Verletzungen zurückgeworfen, was das Training und die Entwicklung beeinträchtigte. Der talentierte Nachwuchsspieler musste beinahe die gesamte Saison 2018 aussetzen, nachdem er 2017 mit gerade einmal 18 Jahren das Viertelfinale des ATP-Turniers in Antalya erreicht hatte und in der Weltrangliste auf Platz 210 vorgedrungen war.

2019 sollte dann sein erfolgreichstes Profi-Jahr werden: Er holte vier Titel auf der ITF World Tennis Tour. Die für viele Tennisspieler aufgrund ausbleibender Preisgelder schwierige Corona-Zwangspause hat Altmaier genutzt, um sich daheim am Niederrhein "im Fitnessbereich zu verbessern. Ich habe es geschafft, einen sehr stabilen Körperbau zu erlangen." Die Vorbereitung auf die Saison erschwerte, dass sein argentinischer Trainer Francisco Yunis während der Corona-Pause monatelang fernbleiben musste. "Er war ungefähr 120 Tage in Quarantäne", erklärte Altmaier gegenüber "Tennisnet".

Arbeit mit Trainer Yunis trägt Früchte

"Francisco ist ein sehr erfahrener Coach", lobte das Talent den Ex-Profi und fügte an: "Wir haben bereits relativ viel geschafft. Als wir unsere gemeinsame Arbeit begonnen haben, lag ich noch auf Platz 480." Es würde zumindest nicht verwundern, wenn Altmaier bald noch weitere Plätze gutmacht.

Stand: 29.09.2020, 11:57