Mies und Krawietz: Die Grand-Slam-Sieger aus dem Nirgendwo

Kevin Krawietz (l.) und Andreas Mies liegen nach dem entscheidenden Punkt zum Finalsieg in Paris mit allen Vieren ausgestreckt auf dem Boden. Im Hintergrund unterlegenen Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin.

Mies und Krawietz: Die Grand-Slam-Sieger aus dem Nirgendwo

  • Duo Mies (Köln)/Krawietz (Coburg) gewinnt Doppel in Paris
  • Beide spielen erst seit anderhalb Jahren zusammen
  • Finalsieg bei French Open kommt Sensation gleich

Da lagen sie nun, alle viere von sich gestreckt, zeitgleich überwältigt und umgehauen von der Wucht ihres unfassbaren Sieges. Rechts vorne am Netz Andreas Mies, links dahinter auf der T-Linie Kevin Krawietz. Geplant war das nicht. "Ich hab dich nicht gesehen", sagte Mies später am Samstagabend (08.06.2019) lachend zu Krawietz, "ich dachte: Wo bleibst du denn, warum springst du nicht auf mich drauf?" Sekunden später lagen sich die ersten deutschen Grand-Slam-Sieger im Doppel seit 82 Jahren dann immerhin in den Armen.

Andreas Mies (r.) und Kevin Krawietz mit dem Pokal.

Andreas Mies (r.) und Kevin Krawietz mit dem Pokal.

Die Szene nach dem Matchball ging um die Welt. Ihr Sieg bei einem Grand Slam, der erste eines deutschen Doppels seit den Erfolgen 1937 in Paris und New York von Gottfried von Cramm und Henner Henkel, kommt aus dem Nirgendwo und einer Sensation gleich. Krawietz und Mies spielen erst seit eineinhalb Jahren zusammen, sie haben sechs Titel auf der zweitklassigen Challenger-Tour gewonnen und im Februar in New York zum ersten mal auf der ATP-Tour.

"Wussten, dass wir Zeug zu einem Grand-Slam-Sieg haben"

Schon einmal spielten sie gemeinsam bei einem Grand-Slam-Turnier, im Vorjahr erreichten sie in Wimbledon die dritte Runde. Nun, in Roland Garros, besiegten sie im Finale die Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin abgebrüht wie große Champions mit 6:2, 7:6 (7:3). "Wir waren immer fest davon überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen", hatte Mies vor dem Endspiel betont. Als es nun so weit war, waren beide freilich nicht darauf vorbereitet.

Der Matchball von Krawietz und Mies in der Livereportage

Sportschau 08.06.2019 01:34 Min. Verfügbar bis 08.06.2020 ARD Von Guido Ringel

Wie auch? Krawietz (27) und Mies (28) standen in der Doppel-Weltrangliste bisher auf Rang 49 (Krawietz) und 50 (Mies). Im Einzel lag Krawietz zuletzt auf Rang 269, Mies ist dort nicht mehr aufgeführt. Er war mal die Nummer 781, aber das liegt fünf Jahre und ein paar Knieverletzungen zurück. Nun werden sie wohl ein paar Tage brauchen, um alles zu verarbeiten.

"Dieser Titel ist wichtiger als das Geld"

Und sich zum Beispiel zu überlegen, was sie mit den jeweils 290.000 Euro Preisgeld anfangen. "Jetzt bekommt man auch mal was wieder", sagte Mies mit leicht bebenden Stimme. Und dennoch, versicherte er: "Dieser Titel ist wichtiger als das Geld."

French-Open-Sieger Andreas Mies: "Ein Moment des puren Glücks"

WDR 2 09.06.2019 03:40 Min. Verfügbar bis 08.06.2020 WDR Online

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Warum sie den Titel gewonnen haben, was sie können und andere nicht, wussten sie nicht so recht zu erklären. "Als Doppel", erklärte Krawietz, "haben wir wenig Schwächen". Schwerer taten sie sich da schon mit Plänen für die Feierlichkeiten. "Ich trinke sonst nicht", sagte Mies, aber diesmal "werde ich mich mit dem Kevin mal richtig abschießen". Und dann, ergänzte er übermütig, "reißen wir noch den Eiffelturm ab".

Glückwünsche zum Erfolg kamen einen Tag später aus Mies´ Heimat. Fußball-Bundesligist 1. FC Köln ließ es sich nicht nehmen, zum Triumph zu gratulieren.

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sid | Stand: 09.06.2019, 20:56