Ruhr Games: Skateboarder suchen Europameister

Jost Arens

Ruhr Games: Skateboarder suchen Europameister

  • Skateboard-EM im Rahmen der Ruhr Games in Duisburg
  • Keine Punkte für die Olympia-Qualifikation
  • Olympia-Teilnahme der Skateboarder umstritten
  • Zwei NRW-Sportler im Perspektivkader

Es ist eine Crux mit den Olympischen Spielen: Das Event wirkt manchmal irgendwie altbacken, will aber jung und hip sein. Also wird das Portfolio an Sportarten, die sich unter den Ringen versammeln, regelmäßig aufgepimpt. Verbunden mit der Hoffnung neue Zielgruppen anzusprechen. Bei den Spielen 2020 in Tokio werden Baseball/Softball, Karate, Sportklettern, Surfen und Skateboard neu mit dabei sein.

EM ohne Punkte für Olympia-Quali

Die Skateboarder küren am Wochenende im Rahmen der Ruhr Games in Duisburg ihren Europameister in der Kategorie Street. Die rund 100 Starter werden dabei im Landschaftspark Nord in der "Kraftzentrale" des ehemaligen Meidericher Hüttenwerks durch einen Parcours skaten, der dem städtischen Raum nachempfunden ist. Treppen, Rails und andere Hindernisse bieten den Skatern die Basis für ihre Tricks.

Man kann sich in Duisburg also schon mal einen Eindruck davon verschaffen, auf welchem Leistungsstand die europäischen Skateboarder ein Jahr vor den Spielen in Tokio sind. Nur Punkte sammeln für die Olympiaqualifikation können sie in Duisburg nicht. "Das ist alles ein bisschen undurchsichtig", muss Sebastian Barabas, der Leistungssportreferent des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes, zugeben. Der Weltverband World Skate legt fest, welche Wettbewerbe zur Qualifikation gehören und nennt dabei ausdrücklich auch kontinentale Meisterschaften. "Aber World Skate hat bislang keine Europameisterschaft sanktioniert", erläutert Barabas.

Angst um die Kultur

Viele Skateboarder sind aber ohnehin gar nicht so glücklich darüber, dass ihre Sportart nun von Olympia vereinnahmt wird. Sie fürchten um ihre Kultur. "Das ist ein Riesenthema", sagt Barnabas. "Die kulturelle Verwurzelung ist ja nicht konform mit der Versportlichung, mit Regeln. Es handelt sich um eine Freiheitskultur. Deswegen gibt es Leute, die dagegen sind."

Zu den Kritikern gehört auch Deutschlands Skateboard-Pionier Titus Dittmann. "Olympia wird Skateboarden nachhaltig verändern, die pädagogische, soziologische Kraft nehmen und es domestizieren", hat der 70-Jährige im Dezember in einem Interview mit t-online.de gesagt. "Das Board ist nicht nur ein Sportgerät, mit dem man Wettkämpfe gewinnen will, sondern ein Ausdrucksmittel der eigenen Persönlichkeit."

Zwei Skateboarder aus NRW im Kader

Barabas sieht dagegen in der Olympiateilnahme mehr Chancen als Risiken für das Skateboarden, gerade in Deutschland. Er rechnet damit, dass der Fokus durch Olympia die Infrastruktur verbessern wird, also etwa der Anlage von Skateparks, die internationalen Standards entsprechen, aber auch mehr Möglichkeiten auf regionaler Ebene. Barabas vermutet jedoch auch, dass sich der Sport verändern könnte, wenn in Zukunft junge Skateboarder durch ein Vereinssystem gefördert werden. Die Frage ist nur wie stark diese Veränderung sein wird. "Das wird man erst mit der Zeit sagen können", sagt Barabas.

Der deutsche Perspektivkader für Olympia umfasst sechs Männer und fünf Frauen. Dazu gehören mit Jost Arens aus Warendorf und Lenni Janssen auch zwei Skateboarder aus NRW. Arens wird auch bei den Ruhr Games dabei sein, bei der zumindest nach olympischen Standards inoffiziellen EM.

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Sportschau 17.06.2019 06:47 Min. Das Erste

Stand: 19.06.2019, 14:00