Roundnet-EM in Köln: Unkomplizierter Trendsport erobert Deutschland

Roundnet im Park

Roundnet-EM in Köln: Unkomplizierter Trendsport erobert Deutschland

  • 275 Teams bei Roundnet-EM in Köln
  • Trendsport vereint Beachvolleyball und Squash
  • Interview mit Turnierveranstalter Lukas Schmandra

Am kommenden Wochenende (14. und 15. September 2019) findet in Köln-Bocklemünd die Europameisterschaft im Roundnet statt. An den Wettbewerben der Damen, Herren und im Mixed nehmen insgesamt 275 Teams teil. Der Trendsport stammt ursprünglich aus den USA und vereint Beachvolleyball und Squash.

Vor Beginn der Wettkämpfe spricht Lukas Schmandra, Master-Student an der Deutschen Sporthochschule Köln und Turnierveranstalter, über die bisherige Entwicklung und die Perspektiven der Sportart.

Wie würden Sie Roundnet in zwei Sätzen erklären?

Lukas Schmandra beim Roundnet

Lukas Schmandra bei einem Roundnet-Turnier.

Lukas Schmandra: Ähnlich wie beim Beachvolleyball wird Zwei gegen Zwei gespielt. Man schlägt einen Ball nicht übers Netz, sondern in ein Netz, das am Boden steht und man hat keine Spielfeldhälften, sondern einen 360-Grad-Radius. Man kann sich also überall bewegen.

Was macht für Sie die Faszination der Sportart aus?

Schmandra: Einerseits, dass ich den Sport überall ausüben kann. Ich kann das Set überallhin mitnehmen, kann auf der Wiese spielen, auf einem Parkplatz, am Strand, auf einer Beachanlage, in der Halle – ganz egal wo. Was einfach cool ist, sind die Communities an sich. Es ist ein Fair Play-Sport, es gibt keine Schiedsrichter. Die vier Spieler am Netz entscheiden und wenn man uneinig ist, gibt es eine Wiederholung. Dazu kommt die Tatsache, dass es nicht so wie bei den klassischen Sportarten Spielfeldhälften gibt, sondern ein 360-Grad-Spiel.

Anforderungen an Roundnet-Spieler

Sportschau 12.09.2019 01:23 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 ARD

Fehlende Schiedsrichter sind ja sehr ungewöhnlich: Was passiert denn, wenn sich die beiden Teams in einem wichtigen Spiel bei einem wichtigen Punkt uneinig sind?

Schmandra: Dann wird der Punkt wiederholt bei Uneinigkeit. Sollte es irgendwann der Fall sein, dass sich ein Team benachteiligt fühlt, gibt es theoretisch die Möglichkeit, Observer, also Beobachter dazu zu rufen. Sollte es dann wieder zu einer Uneinigkeit kommen, entscheidet der Beobachter, damit es nicht zu 23 Wiederholungen kommt. Aber der Beobachter entscheidet nur auf Nachfrage der Spieler bei Uneinigkeit. Ich behaupte, dass in der Regel auch bei der EM 95 % der Spiele ohne Observer funktionieren.

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Roundnet ist ja noch eine sehr junge Sportart. Welchen Stellenwert kann die EM hier in Köln für die Sportart und ihre Entwicklung haben?

Schmandra: Durchaus einen sehr großen Stellenwert. Gerade für den Sport in Europa mit dieser Europameisterschaft, aber vor allem auch in Deutschland merkt man einfach, wie gut das angenommen wird. Von den teilnehmenden Teams kommen fast zwei Drittel aus Deutschland, das andere Drittel aus den umliegenden Ländern, aus 15 weiteren Nationen. Man sieht einfach an der Größe, wie sich der Sport entwickelt und ich denke, dass das gerade für Deutschland eine sehr, sehr gute Möglichkeit ist, daran anzuknüpfen und das nächstes Jahr auszubauen.

Die Unterschiede zwischen den Spielflächen

Sportschau 12.09.2019 01:17 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 ARD

Wie sehen Sie den Stellenwert des Sports hierzulande im internationalen Vergleich? Der Sport kommt ja ursprünglich aus den USA.

Schmandra: Für Europa sind wir richtig gut aufgestellt, die EM ist das mit Abstand größte Turnier. Weltweit wird auch gemerkt, gerade in Amerika, dass sich in Europa und gerade in Deutschland etwas tut. Die haben das so langsam auf dem Schirm. Vom Level her ist die EM gut, aber die Top-Teams aus Amerika sind nochmal einen Ticken stärker.

Was ist Ihr Eindruck, wann die Begeisterung aus den USA herübergeschwappt ist? Es wird ja von Jahr zu Jahr mehr, gerade in Köln, aber auch insgesamt in Deutschland.

Schmandra: Ich schätze mal Anfang 2017. Wir haben ja den Verein 2016 gegründet, da lief das so langsam an. Wir haben auch mit den Turnieren, die wir veranstaltet haben vom Verein auch ganz gut gerade in Deutschland dazu beigetragen. Nach und nach haben sich dann vor allem in Deutschland die ganzen Communities gebildet.

Oft kursieren ja zwei Begriffe. Heißt der Sport offiziell Roundnet oder Spikeball? Wann verwendet man welchen Begriff und warum?

Schmandra: Roundnet ist die Sportart und Spikeball einfach nur der Hersteller dieser Netze und anderer Merchandise-Sachen, also eine Marke. Der Sport wird als Roundnet bezeichnet. Da gab es auch mal einen Markenrechtsstreit und alles Mögliche. Deswegen gibt es gerade den Umschwung, dass sich eigentlich alle Communities mit Roundnet bezeichnen, weil sie eben Bock auf den Sport haben. Letztendlich heißt der Sport Roundnet und „Spikeball“ stellt die allermeisten Spielgeräte her.

Olympia-Aussichten für Roundnet

Sportschau 12.09.2019 00:54 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 ARD

Sie sind ja selbst Gründer des Verbands „Roundnet Germany“. Welche Projekte treiben Sie, abgesehen von der EM, voran, um die Sportart präsenter zu machen?

Schmandra: Einerseits haben wir dieses Jahr zum ersten Mal eine Deutschlandtour gemacht, die wir nächstes Jahr wieder machen werden, wo wir selber Turniere organisieren, wo aber auch Turniere der Communities mit eingehen. Außerdem erstellen wir ein Ranking, also eine offizielle Rangliste von den Teams, die teilnehmen. Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal eine Deutsche Meisterschaft gemacht in Kooperation mit den Communities. Die wird es nächstes Jahr wieder geben. Über den Winter haben wir uns jetzt noch ein neueres Format überlegt, und zwar eine Team-Liga, also eine deutsche Roundnet-Liga. Dort treten die Spieler mindestens als Fünfer-Team in wechselnden Paarungen an. Das fördert auf jeden Fall nochmal einerseits den Spaßfaktor und gerade diesen Community-Gedanken.

Sie spielen selbst sehr leidenschaftlich und oft Roundnet, sind am Wochenende aber auch als Organisator gefragt. Wo liegen während der EM Ihre Prioritäten?

Schmandra: Bei der EM hätte ich gerne vorne mitgespielt, aber aufgrund der Verletzung meines Spielpartners wird das nicht möglich sein. Ich spiele jetzt mit einem anderen. Wir wollen einfach Spaß haben und schauen, was geht. Er ist auch ein richtig guter Spieler, aber wir haben noch nie zusammengespielt. Deshalb achte ich mehr darauf, dass das Event an sich gut läuft. Ich würde mich aber natürlich freuen, wenn ein Team von unserem Verein, dem 1. Spikeball-Club Köln, Europameister wird.

Das Interview führte Stephan Thalmann

Stand: 13.09.2019, 13:58