Isabell Werth tätschelt ihr Pferd Bella Rose beim CHIO in Aachen

CHIO in Aachen

Bella Roses letzter Tanz mit Werth bei CHIO-Abschiedsgala

Stand: 30.06.2022, 13:20 Uhr

Zum ersten Mal in der Geschichte des CHIO wird ein Pferd mit einer eigenen Gala aus dem großen Sport verabschiedet. Die große Bühne für Bella Rose und Isabell Werth ist bereitet.

Bella Rose wartet auf ihren Auftritt. Wie ein Standbild steht die Fuchsstute mit der markanten weißen Blesse auf dem Abreiteplatz, ihre 18 Jahre sieht man ihr nicht an. "Sie sollte wahrscheinlich besser am Sonntag im Großen Preis gehen als am Freitag bei ihrer Abschiedsgala", sagt Isabell Werth: "Aber es ist okay, wie es ist."

Werth und Bella Rose, das ist eine Symbiose von Mensch und Tier, wie es sie in der Geschichte der Reiterei nicht oft gegeben hat. "Bella ist eben Bella", pflegt Werth stets zu antworten, wenn sie erklären soll, was denn nun eigentlich das Besondere an diesem Pferd ist.

Bella Rose vereint beste Eigenschaften aller Werth-Pferde

Viele große Vierbeiner hatte Werth unter ihrem Sattel: Gigolo, mit dem sie 1996 in Atlanta ihr bisher einziges Olympiagold im Einzel gewann, Satchmo, der sie mit seinen Eskapaden 2008 in Hongkong den zweiten Einzel-Olympiasieg kostete, und nicht zuletzt die zuverlässige Weihegold, die sie erst kürzlich beim Weltcup-Finale in Leipzig in den Ruhestand verabschiedete.

Die besten Eigenschaften all ihrer Pferde sieht Werth in Bella Rose vereint. Der Blitz habe bei ihr eingeschlagen, als sie Bella Rose das erste Mal sah, erzählt sie. Das war 2007 in einer Reithalle, Bella war drei Jahre alt und ging an einer Longe. "Ich hatte eine Gänsehaut und wusste: Das muss mein Pferd werden", erzählte Werth vor zwei Jahren der Süddeutschen Zeitung.

Werth macht Bella Rose zu Weltklasse-Dressurpferd

Und es wird ihr Pferd, ihre Mäzenin und enge Freundin Madeleine Winter-Schulze kauft Bella Rose und legt damit den Grundstein für eine einzigartige Partnerschaft. Werth bildet die Fuchsstute von der Pike auf aus, die erfolgreichste Reiterin der Geschichte macht Bella Rose zu einem der besten Dressurpferde der Welt. Federleicht, elegant und kraftvoll tanzt die Stute durch das Viereck.

Tiefschlag bei Weltreiterspielen - und der Erfolg danach

Und dann der Bruch. Bei den Weltreiterspielen 2014 im französischen Caen lahmt Bella Rose plötzlich. Es ist der Beginn einer langen Leidenszeit, Bella verpasst die besten dreieinhalb Jahre eines Dressurpferdes.

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Doch Isabell Werth will sie nicht aufgeben, sie bleibt dran, konsultiert unzählige Tierärzte und Therapeuten. Und hat am Ende Erfolg. Bei der WM 2018 in Tryon holt sie mit Bella zwei Goldmedaillen und lässt den Tränen der Rührung ungehemmt freien Lauf.

Ein Jahr später kommt noch dreimal Gold bei der EM in Rotterdam hinzu, 2021 Gold und Silber bei Olympia in Tokio.

"Isabellarose" bekommen 45-Minuten-Abschiedsgala

Und nun also der finale Tanz. Zum letzten Mal gehen "Isabellarose" am Freitag im Aachener Dressurstadion auf das Viereck. Eine 45-minütige Gala für ein Pferd, sowas hat es selbst im Reitsportmekka Soers noch nicht gegeben. 

Sie wisse noch nicht, wie es sein wird, sagt Werth, wie es sich anfühlen wird, das Pferd ihres Lebens zum letzten Mal vor großem Publikum zu präsentieren, aber: "Es macht mich stolz und glücklich, sie in dieser Form und auf dieser Bühne verabschieden zu können." Und dann wird Bella Rose irgendwo auf einer grünen Wiese die Ruhe genießen - sich vielleicht aber auch ein klein wenig langweilen.

Quelle: sid/red