Paralympics: Zweifacher Goldmedaillen-Gewinner Durst sagt aus Respekt und Solidarität ab

Hans-Peter Durst gewann 2016 zwei Goldmedaillen in Rio.

Paralympics: Zweifacher Goldmedaillen-Gewinner Durst sagt aus Respekt und Solidarität ab

Von Sebastian Hochrainer

Radsportler Hans-Peter Durst wird nicht an den im Sommer stattfindenden Paralympics teilnehmen. Der zweifache Goldmedaillen-Gewinner möchte sich mit dem japanischen Volk solidarisieren.

Bei den paralympischen Spielen 2016 in Rio gewann Hans-Peter Durst zweimal Gold im Einzelradrennen und im Zeitfahren. Seinen Plan, in Tokio seine Erfolge zu wiederholen, hat der 62-Jährige jedoch ad acta gelegt. Durst hat sich entschieden, nicht an den Paralympics im Sommer teilzunehmen. "Wer mein Kämpferherz und meine Leidenschaft für die Faszination Dreiradsport kennt, ahnt, wie schwer mir diese Entscheidung fällt", sagte der Dortmunder dem WDR.

Lage in Japan zu angespannt

Zumal sich Durst mit seinem Team in den vergangenen fünf Jahren auf dieses Event vorbereitet hatte. Doch sein Entschluss steht fest. Und er hat drei Gründe. "Zunächst die Gesundheit. Unser höchstes Gut", fängt Durst seine Erklärung an. Er weist auf die in Japan "mehr als angespannte Lage" der Corona-Pandemie sowie den geringen Impffortschritt im Land hin. Umstände, unter denen sich Durst nicht nach Tokio begeben will.

Der zweite Grund: "Respekt vor dem Gastgeberland. Ich möchte den Willen der japanischen Bevölkerung respektieren", sagte der Para-Radsportler angesichts mehrerer Umfragen in Japan, nach denen über 80 Prozent gegen eine Austragung der Olympischen Spielen und Paralympics sind.

Durst hätte sich Absage gewünscht

Und Durst möchte nicht um Gold kämpfen, während es für andere Menschen um die Existenz geht: "Ein kleines Zeichen der Solidarität. Als Sportler bin ich ebenso Mensch. Milliarden von Steuergeldern in Form von Auffangschirmen werden aufgebracht - da ist mir nicht nach fröhlichen Spielen ohne meine Familie, ohne meine Freunde, ohne die mich immer begleitenden Partner und Förderer", so Durst. "Die gebuchten Flüge, Hotels und Besichtigungen sind bereits komplett storniert."

Forderung nach mehr Ehrlichkeit

Der zweifache Rio-Sieger macht auch kein Geheimnis daraus, dass es ihm "natürlich viel lieber gewesen wäre, wenn uns diese schwere Entscheidung abgenommen worden wäre - mehr Transparenz und Ehrlichkeit in der Sportpolitik hätten sicher sehr geholfen. Am Ende ist ausschlaggebend, dass die gesundheitliche und gesellschaftspolitische Situation eine Teilnahme für mich nicht möglich macht", so Durst. "Sie passt nicht in mein Lebensmodell und nicht zu meinen christlichen Werten - aktuell sind andere Aufgaben gefragt, vor Ort und für das Gemeinwohl."

Stand: 17.05.2021, 17:19