Para-WM: Sprinterin Bensusan holt Gold

 Irmgard Bensusan

Para-WM: Sprinterin Bensusan holt Gold

  • Irmgard Bensusan holt Gold bei Para-WM der Leichtathletik
  • Sieg im Sprint über 200 Meter
  • Maria Tietze wird Sechste

Irmgard Bensusan hat bei der Para-WM der Leichtathleten in Dubai die erste Medaille für den deutschen Behindertensportverband geholt - und dann gleich Gold. Die in Südafrika geborene Leverkusenerin gewann am Samstag (09.11.2019) über 200 Meter in 26,93 Sekunden.

"Im Ziel habe ich gedacht, ich sei Zweite. Offenbar bin ich es zu sehr gewohnt, Silber zu gewinnen", sagte die 28-Jährige, die zuvor bei Welt- und Europameisterschaften sowie Paralympics dreimal Erste und elfmal Zweite geworden war: "Ich war überrascht, als mir die Deutschlandfahne in die Hand gedrückt wurde. Aber umso mehr gefreut habe ich mich, als ich gesehen habe, dass ich gewonnen habe."

Para-WM: Irmgard Bensusan sprintet zu Gold Sportschau 09.11.2019 01:10 Min. Verfügbar bis 09.11.2020 Das Erste

Ihre Vereinskollegin Maria Tietze wurde bei ihrem WM-Debüt in 28,86 Sekunden Sechste und war ebenfalls zufrieden. "Damit habe ich ein Eis gewonnen", sagte die 30-Jährige, die mit Kugel-Paralympicssiegerin Birgit Kober eben darum gewettet hatte.

Bensusans rechtes Bein ist teilweise gelähmt

Der Sprint ist Irmgard Bensusans Leidenschaft. Bereits im Alter von drei Jahren stand sie in ihrer Heimat Pretoria auf der Tartanbahn. Sie wurde südafrikanische Meisterin im Hürdensprint. Mit 18 bleibt sie bei den nationalen Meisterschaften an einer Hürde hängen. "Ich habe mein Bein angeschaut und konnte nur noch schreien", sagt sie. Der Diagnose lautet "drop foot", eine Nervenschädigung. Das rechte Bein ist teilweise gelähmt.

Bensusan wollte weiterlaufen, doch in Südafrika wird sie nicht für den Para-Sport klassifiziert. Ihre in Hannover geborene Mutter stellt Kontakte nach Leverkusen her. Dort wird sie - von derselben Prüferin - klassifiziert. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, zieht sie dorthin. Inzwischen spricht "Tante Irmie" die Sprache, arbeitet bei einem Wirtschaftsprüfer und ist im Team integriert und beliebt.

Von manchen Konkurrentinnen wird sie kritisch beäugt. «Die anderen sehen immer nur, dass ich zwei Beine habe», sagt sie: "Aber ich habe ein Bein ohne Muskulatur. Das hängt nur da. Ohne Schiene würde ich umfallen."

So sagte auch der deutsche Teammanager Jörg Frischmann, dass Bensusans "eindeutig einen Nachteil" gegenüber der Konkurrenz habe: "Die anderen haben Karbonfedern. Die Energie, die reinkommt, kommt auch wieder raus. Das Hilfsmittel, das Irmie hat, dient nur dazu, dass der Fuß stabil ist und nicht nach vorne überschlägt."

Doch diesem Nachteil zum Trotz ist Bensusan nun zum Weltmeistertitel gelaufen.

Stand: 09.11.2019, 10:31