Aus für Rhein-Ruhr: Deutsche Olympia-Träume wieder geplatzt

Aus für Rhein-Ruhr: Deutsche Olympia-Träume wieder geplatzt

Die Träume der Rhein-Ruhr-Initiative sind geplatzt. Brisbane ist der Favorit des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Sommerspiele 2032. Für die Zukunft von Olympia in Deutschland ist das ein herber Rückschlag.

Olympia 2032 an Rhein und Ruhr - das hatten sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Initiator Michael Mronz so sehr gewünscht. Doch das IOC und Präsident Thomas Bach spielten nicht mit.

Schon 2021 und nicht erst in vier Jahren wollte das Internationale Olympische Komitee in Corona-Zeiten einen belastbaren Kandidaten präsentieren und fand ihn im australischen Brisbane. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Initiative Rhein-Ruhr wurden von dieser Tempoverschärfung des Ringeordens überrascht.

Das Thema "Olympische Spiele in Deutschland" ist damit für Jahre, vermutlich sogar Jahrzehnte, erledigt. Nach "sehr intensiven Diskussionen" verkündete Bach am Mittwochabend, dass eine Evaluierungskommission der Exekutive zielgerichtete Gespräche mit Brisbane hinsichtlich der Sommerspiele in elf Jahren empfohlen habe.

Olympia 2032: Freude in Brisbane, Dämpfer für Rhein-Ruhr

Sportschau 24.02.2021 01:07 Min. Verfügbar bis 24.02.2022 ARD Von Marcus Tepper


Die Kommissionsvorsitzende Kristin Kloster Aasen aus Norwegen erklärte, bezüglich der Rhein-Ruhr-Initiative habe der für die Bewerbung zuständige DOSB Anfang des Jahres bestätigt, dass er "nicht Teil der weiteren Dialogphase sein wird."

Die olympischen Regenspiele an Rhein und Ruhr

WDR RheinBlick 25.02.2021 27:51 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 WDR Online


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Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann wäre dies auf die Schnelle nicht möglich gewesen. Die rasche Entscheidung für Brisbane komme nun "zeitlich überraschend", sagte Hörmann, sei aber "vor dem Hintergrund der Pandemie nachvollziehbar."

Freitag lässt Pandemie als Argument nicht gelten

Dagmar Freitag, Sportausschuss-Vorsitzende im Bundestag, ließ das Virus als Argument jedoch nicht gelten. "Was genau die aktuell schwierige Lage aufgrund der Pandemie mit Planungssicherheit für eine Veranstaltung im Jahr 2032 zu tun hat, erschließt sich mir nicht wirklich", sagte die SPD-Politikerin.

Dagmar Freitag

Dagmar Freitag

Freitag fügte an: "Und sollte der DOSB wirklich - wie von Präsident Hörmann angedeutet - von der frühen Entscheidung des IOC überrascht gewesen sein, ist das für mich ein erneuter Beleg für die mangelnde internationale Vernetzung des DOSB."

Rückendeckung für Brisbane ist vorhanden

Das IOC wollte nach der coronabedingten Verschiebung von Tokio um ein Jahr für künftige Spiele schnellstmöglich eine sichere Lösung. Und die konnte aktuell nur Brisbane bieten. Die Australier hatten ihre Bemühungen in der Coronakrise fortgesetzt und alle Parteien ins Boot geholt. Die Rückendeckung ist also vorhanden, auch 85 Prozent der Infrastruktur. Es gilt daher als sicher, dass Brisbane auf der nächsten IOC-Vollversammlung als Ausrichter verkündet wird.

Wichtige Teile des Rhein-Ruhr-Konzepts waren noch zu klären

Da der DOSB von einer späteren Entscheidung ausging und wichtige Teile des Rhein-Ruhr-Konzepts noch zu klären waren, musste der Dachverband passen. "Es wäre nicht seriös gewesen, vorschnell in den Entwicklungsdialog mit dem IOC einzutreten. Weder sind alle Einzelheiten des Konzeptes abschließend geklärt noch liegen die erforderlichen Finanzzusagen und die notwendigen Bürgervoten vor", sagte Hörmann, der der Initiative jedoch bescheinigte, "gut und sehr engagiert gearbeitet" zu haben.

Mronz und Laschet äußern sich am Freitag

Auch Rhein-Ruhr-Chef Mronz sprach von einem "überraschenden Schritt des IOC, kurzfristig mit den offiziellen Verhandlungen mit einem von mehreren potenziellen Bewerbern zu beginnen." Weiter betonte er, das Projekt als Privatinitiative aufrechterhalten zu wollen.

Da die Festlegung des IOC auf Brisbane aber de facto das Aus für Rhein-Ruhr 2032 bedeutet, dürfte interessant werden, welche konkreten Schlüsse Mronz und Laschet daraus ziehen. Am Freitag wollen beide vor die Presse treten.

Nächster Rückschlag für deutsche Olympia-Bewerbung

Grundsätzlich ist das Scheitern von Rhein-Ruhr der nächste harte Rückschlag für die deutsche Olympia-Bewegung. Nach den Sommerspielen 1972 in München bemühten sich Berchtesgaden, Berlin, Leipzig, München und Hamburg um Winter- oder Sommerspiele. Oft kam es - wie auch mit Rhein-Ruhr - gar nicht erst zu einer offiziellen Bewerbung.

sid | Stand: 25.02.2021, 14:10