Ausbau des Radstadions - Lösung für Kölner Hallenprobleme ab 2024?

Bild Kölner Radstadion Albert Richter Bahn

Ausbau des Radstadions - Lösung für Kölner Hallenprobleme ab 2024?

Von Olaf Jansen

Mit dem Ausbau des Radstadions zu einer Mehrzweckhalle könnte Köln sein jahrelanges Hallenproblem lösen. Ab 2024 dürften gleich mehrere Sportvereine eine neue Heimat bekommen.

Es war eine eher unscheinbare Nachricht Mitte Dezember: Die Stadt Köln erhält den Zuschlag von Bund und Land für den Ausbau des Radstadions im Stadtteil Müngersdorf. Das gleich neben dem Stadion und der Deutschen Sporthochschule gelegene Radoval wird bis 2024 für rund 20 Millionen Euro aufwändig umgestaltet: Es entsteht eine überdachte Mehrzweckhalle mit einer Zuschauerkapazität von mindestens 3.000 Plätzen.

Was zunächst nur wie eine gute Nachricht für die Radsportler der Region rüberkam, dürfte sich in Wirklichkeit zu einem Brustlöser für gleich eine ganze Handvoll von Sportvereinen der Stadt erweisen. Denn mit dem Bau dieser Sportanlage dürfte endlich das leidige Thema einer fehlenden Sporthalle der mittleren Größenordnung in der Stadt beendet werden.

RheinStars könnten aufsteigen

"Diese Neuigkeit haben wir mit viel Freude aufgenommen", berichtet Jens Koralewski, Pressesprecher der Kölner Basketballer RheinStars. Jahrelang rangen die langen Männer um Klubchef Stephan Baeck um eine passende Spielstätte, um endlich wieder Top-Basketball in Kön anbieten zu können. Nach einem fehlgeschlagenen Experiment in der riesigen KölnArena zogen sich die Rheinstars zuletzt in die Pro B, die dritte Liga, zurück, weil ihnen aufgrund einer fehlenden passenden Halle die wirtschaftliche Grundlage fehlte, um höher zu spielen.

"Wenn es denn tatsächlich dazu kommt, dass diese Halle ab 2024 zur Verfügung steht, werden wir sicherlich wieder größere Ziele wie den Aufstieg in die Zweite oder sogar Erste Liga anstreben können", sagt Koralewski.

Neue Heimat für die Volleyballerinnen?

Neben den Basketballern dürften aber auch die Zweitliga-Volleyballerinnen der DSHS Snowtrex Köln profitieren. Schon mehrfach verzichteten die Kölner Frauen in der Vergangenheit auf einen Bundesliga-Aufstieg, obwohl sie sportlich qualifiziert waren. Es fehlte ihnen schlichtweg eine geeignete Heimspielstätte. Zwar ist im Moment geplant, eine Schulsporthalle auf der anderen Seite für die Volleyballerinnen fit zu machen, doch weitaus attraktiver wäre das Radstadion natürlich allein wegen der räumlichen Nähe zur Heimat des Vereins.

Aber - und das haben sie in Köln auf offizieller Seite bisher in den Fokus gerückt - profitiert natürlich vor allem der Bahnradsport von dem bevorstehenden Umbau. Mit der Überdachung der Bahn, dem Bau eines neuen Funktionsgebäudes und dem zukünftigen barrierefreien Zugang soll Köln zu einem Radsportzentrum ausgebaut werden. Kölns Sportstätten-Geschäftsführer Lutz Wingerath jedenfalls freut sich: "Köln hat eine große Radsport-Tradition. Wir freuen uns deshalb sehr, dass die Bewerbung der Stadt Köln den Zuschlag erhalten hat."

Radsportler spekulieren auf WM in Köln

Diese Vorlage nimmt Stefan Rosiejak, Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen Radsportverbandes, gern auf: "Mit dem Ausbau der Bahn könnte es uns sogar gelingen, endlich mal wieder hochkarätige internationale Veranstaltungen nach Köln zu holen. Denkbar wären dann sicherlich zunächst die Ausrichtung zum Beispiel einer Junioren-Weltmeisterschaft oder einer WM im Parasport."

Was der Ausbau der Kölner Bahn für die bereits vorhandene Infrastruktur in Büttgen bedeutet, bleibt hingegen zunächst unklar. Dort, am Niederrhein, steht eine Radrennbahn, die bislang von NRWs Bahnradsportlern intensiv genutzt wurde - das dürfte in Zukunft wegfallen. Ist die Bahn dort nun ganz in Gefahr? "Nein", sagt Rosiejak, "aber um die Bahn weiter nutzen zu können, müsste sie sicher auch aufwändig renoviert werden. Sie ist veraltet und zum Beispiel auch nicht barrierefrei."

Weil es in den Plänen ausdrücklich heißt, in Köln solle mit dem Ausbau ein ganz neues Radsportzentrum entstehen, stellt sich natürlich auch die Frage, ob die NRW-Radfunktionäre dann von Duisburg-Wedau nach Köln umziehen werden. "Dazu gibt es noch keine Pläne", sagt Rosiejak, "da lassen wir den Aktiven erst einmal die Vorfahrt."

Stand: 22.01.2021, 10:10