Maria Tietze: Nach 18 Operationen und Unterschenkel-Amputation zur Para-WM

 Maria Tietze (r.) Anfang November waehrend der World Para Athletics Championships in Dubai.

Maria Tietze: Nach 18 Operationen und Unterschenkel-Amputation zur Para-WM

  • Maria Tietze startet bei der Para-WM der Leichtathleten
  • Nach Unfall 18 Operationen und Unterschenkel-Amputation
  • Mit personenbezogener Genehmigung wieder Fußballerin

Am Anfang denkt Maria Tietze, sie habe nur ein paar Brüche. Sie denkt, "dass ich in sechs Wochen wieder Fußball spielen kann". Doch es kommt anders: Die leidenschaftliche Sportlerin muss neun Wochen im Krankenhaus bleiben und wird 18 Mal operiert. Sieben Monate später wird ihr linker Unterschenkel amputiert.

Aufgegeben hat Maria Tietze aber nie: Als Fußballerin mit Prothese ist sie heute ein Musterbeispiel, startet als Sprinterin und Weitspringerin bei den Weltmeisterschaften der Para-Leichtathleten in Dubai (bis 15.11.2019). Im Juli 2015 wird die damals 26-Jährige mit dem Motorrad von einem Auto erfasst. Die erste Diagnose: Bruch des Sprunggelenks, der Fußwurzel sowie des Schien- und Wadenbeins.

Eine scheinbar unendliche Kranken-Geschichte

Heftig, aber eigentlich nur Knochenbrüche. Doch es beginnt eine scheinbar unendliche Kranken-Geschichte. Was genau sie alles hatte, wusste sie nicht. "Und das war auch gut so", ist sie überzeugt: "So habe ich nie mein Ziel verloren. Ich dachte immer: Ich kann wieder Fußball spielen. Es geht nur um die Zeit, die es dauert."

"Zwischendurch konnte ich nur den rechten Arm und den Kopf bewegen", erzählt Tietze: "An allem anderen haben sie rumoperiert." Ostern 2016 kommt es dennoch zur Amputation. Der Vorteil ihrer langen Kranken-Geschichte: Tietze konnte sich darauf vorbereiten.

Die 30-Jährige entscheidet sich bewusst für die Amputation und gegen eine Versteifung. Es ist eine Entscheidung für den Sport. "Mit einem versteiften Fuß hätte ich nicht mal mehr laufen können." Nach der Operation folgt eine neunwöchige Reha zur Gewöhnung an die Prothesen.

Personenbezogene Spielgenehmigung

Die Frauen von Eintracht Hohkeppel im Oberbergischen Kreis sehnten sich ebenfalls nach der Rückkehr ihrer Linksverteidigerin in der Mittelrheinliga. Zwei Tage nach Abschluss der Reha steht sie wieder auf dem Fußballplatz. Zunächst als Co-Trainerin der Mädchen-Mannschaft.

Erst im Tor, dann sogar im Mittelfeld bestreitet sie sogar wieder Spiele. Die angestammte Position ist allerdings nichts mehr für sie. Sie bekommt eine personenbezogene Spielgenehmigung. Der Antrag auf eine allgemeine Spielerlaubnis wird jedoch abgelehnt.

Vom Fußball zur Leichtathletik

Eigentlich nur um fit zu werden, geht sie zur Leichtathletik bei Bayer Leverkusen. Dort sehen sie ein großes Talent in ihr, "auch wenn wir ihr erst einmal den Fußball-Laufstil abtrainieren mussten", wie Teammanager Jörg Frischmann lachend sagt. Im vergangenen Jahr in Berlin ist sie im Sprint und Weitsprung bei der EM dabei. Belegt im Weitsprung den vierten Platz. Bei der WM in Dubai hat sie jetzt laut Frischmann "eine Führungsrolle im Team übernommen".

dpa | Stand: 11.11.2019, 14:51