Jule Niemeier freut sich über ihren Sieg in Wimbledon.

Jule Niemeiers geglückter Start in Wimbledon

Stand: 28.06.2022, 10:00 Uhr

Die Dortmunderin Jule Niemeier hat ihre Feuertaufe beim Tennis-Turnier in Wimbledon mit Bravour bestanden. Bundestrainerin Barbara Rittner traut ihr viel zu.

Von Jens Mickler

Am Ende war es ein Klassenunterschied. Ganze 74 Minuten benötigte Jule Niemeier bei ihrem ersten Auftritt auf dem "heiligen" Rasen von Wimbledon, um am Montagabend (27.06.2022) die Chinesin Xiyu Wang klar in zwei Sätzen mit 6:1 und 6:4 zu bezwingen.

"Das war sehr souverän. Für mich war es allerdings gar nicht überraschend, dass der Sieg so klar ausfiel", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner am Tag nach Niemeiers glanzvollem Match dem WDR. Immerhin ist die Chinesin (Nummer 105) in der Weltrangliste nur acht Plätze hinter Jule Niemeier (Nummer 97) geführt.

Verletzungen und Corona

Im August wird Jule Niemeier 23 Jahre alt. Dass die gebürtige Dortmunderin erst jetzt erstmals im Hauptfeld des bedeutendsten Turniers der Welt aufschlägt, lässt sich für Barbara Rittner gut erklären. "Sie hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mal mit verletzungsbedingten Rückschlägen zu kämpfen und dann kam Corona. Damit kann der eine besser umgehen, der andere nicht so", sagt die Bundestrainerin. Zudem sei es Niemeier in jüngeren Jahren wichtig gewesen, nicht ausschließlich auf die Karte Profitennis zu setzen und unbedingt das Abitur abzulegen.

Das Tennis-Jahr 2022 verlief allerdings bislang verheißungsvoll für die junge Deutsche. Bei den gut besetzten Turnieren in Berlin, Stuttgart und Bad Homburg, wo Niemeier auch mit Hilfe von Rittner und Rainer Schüttler (Chef der deutschen Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft) eine Wild Card erhielt, war sie stets nah dran an einer Überraschung.

"Traue ihr die Top 20 zu"

So unterlag sie der Schweizer Topspielerin Belinda Bencic in Berlin erst nach großem Kampf. Auch bei den French Open war sie der US-Amerikanerin Sloane Stephens lange ebenbürtig und verlor ganz knapp. Anfang Juni gewann Niemeier ihr erstes Challenger-Turnier im kroatischen Markarska.

Bundestrainerin Barbara Rittner beim Turnier in Berlin

Bundestrainerin Barbara Rittner

Rittner hält viel von dem sehr variablen Spiel der Dortmunderin. "Sie ist eine sehr intelligente Spielerin und hat ein unglaubliches Händchen. Jule besitzt alle Waffen für eine Spitzenspielerin. Ich traue ihr die Top 20 in der Welt zu", sagt Rittner und erwähnt auch ihren Aufschlag, der in Berlin mit kraftvollen 198 km/h gemessen wurde. Auch wenn sie damit gerechnet habe, dass Niemeier schon etwas früher durchgestartet wäre, die Richtung stimme bei Niemeier, da ist sich die Chefin des deutschen Damen-Tennis sicher. Allerdings müsse sie noch an ihrer Beweglichkeit arbeiten und einen Tick "tougher" werden, so Rittner.

Sehr professionell aufgestellt

Helfen soll ihr dabei ihr neuer Trainer Christopher Kas, der Niemeier seit Mitte April vorrangig in der Regensburger Tennis Akademie von Michael Geserer betreut. "Christopher Kas wird Jule mit seiner positiven Ausstrahlung sehr helfen", glaubt Rittner.

Jule Niemeier im Spiel gegen Wang in Wimbledon

Jule Niemeier im Spiel gegen Wang in Wimbledon

Zuletzt stand Jule Niemeier dicht vor dem ersten Einzel-Einsatz in der Frauen-Nationalteam, dem Billie-Jean-King-Cup-Team. In Kasachstan entschied sich das Trainerteam im letzten Moment für die etwas erfahrenere Laura Siegemund.

Gute Chance gegen Kontaveit

Nun schaut auch Barbara Rittner mit Spannung auf den nächsten Auftritt Niemeiers an der Church Road in Wimbledon. Es geht in der zweiten Runde gegen die Weltranglistenzweite Anett Kontaveit aus Estland. Für Rittner allerdings kein Grund, tief zu stapeln.

"Ich glaube, dass sie eine gute Chance hat zu gewinnen." Zu gerne würde die Bundestrainerin in Wimbledon vor Ort sein und auch unterstützen, aufgrund einer noch abklingenden Corona-Erkrankung muss sie allerdings vom heimischen Köln aus zuschauen.