"Die Leute wollen Dustin Brown sehen"

Dustin Brown während einem Bundesligaspiel

"Die Leute wollen Dustin Brown sehen"

  • Rot-Weiss Köln tritt in der Tennis-Bundesliga an
  • Trainer Ralph Grambow über die Chancen des Klubs
  • Tennisstars mögen das Teamgefühl

Wie groß ist Ihre Vorfreude und die Anspannung auf diese Saison?

Ralph Grambow: Die Anspannung hält sich in Grenzen, es ist ja schon das fünfte Jahr, in dem wir in der Bundesliga spielen. Im ersten Jahr war das noch ganz anders. Vor allem, weil wir nicht wussten, wie das Event hier in unserem Klub ankommt und der Umgebung ankommt. Wir hatten in der 2. Liga vielleicht 200 Zuschauer. Mittlerweile sind wir bei rund 2.500 Zuschauern. Das funktioniert mittlerweile gut. Rein sportlich werden wir wieder um den Klassenerhalt spielen.  

Rückt die Vorfreude in den Hintergrund?

Grambow: Es ist eine richtig anstrengende und intensive Zeit. Es ist sehr viel Arbeit, die natürlich auch Spaß macht, die aber alle Beteiligten auch so richtig fordert. Vor allem in der Zeit der Vorbereitung, in der die Teams zusammengestellt werden. Aber auch während der Saison, wenn wir am Freitag in München spielen und zwei Tage später schon wieder zuhause. Das ist logistisch oft auch nicht ganz einfach.  Aber es gibt natürlich jedes Jahr sportliche Highlights, die sogar sehr große Freude machen.

Die Krux mit der Technik beim Tennis Sportschau 01.07.2019 07:11 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 Das Erste

Tennis ist ja eigentlich eine Einzelsportart. Kann für insgesamt neun Bundesligaspiele so etwas wie ein Teamgeist entstehen, so eine Struktur sind die Spieler ja nicht gewohnt?

Ralph Grambow

Ralph Grambow ist seit dem Bundesligaaufstieg Coach des Rot-Weiss-Teams.

Grambow: Für uns und unseren Klub würde ich das mit einem Ja beantworten. Aber grundsätzlich ist das Konstrukt in dieser Frage natürlich schwierig. 14 Spieler stehen auf der Meldeliste, kommen von einem Turnier, spielen für ein Team und fahren wieder. Wir haben hier in Köln von vorne herein darauf Wert gelegt, dass alle Spieler integriert werden. Wir gehen gemeinsam essen, spielen mal Fußball, die Herren aus der 2. Und 3. Mannschaft trainieren mit. Es gibt eine Whatsapp-Gruppe, in der sich alle regelmäßig alle austauschen.  Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass wir uns mit einem kleineren Budget ganz gut behaupten. Und deshalb kommt etwa Benoit Paire auch jedes Jahr wieder. Der liebt einfach diese Emotionalität in der Gruppe. Wegen des Geldes wird er das sicherlich nicht machen.

Weshalb ist es eigentlich so günstig, sich ein Bundesligamatch anzuschauen? Zwischen sieben und zwölf Euro für einen ganzen Tag Spitzensport ist überraschend wenig. Ist das der Versuch, die Leute irgendwie anzuziehen?

Grambow: Wir kamen ja aus der 2. Liga. Da verlangt man kein Geld. Da kamen auch nur rund 200 Zuschauer. Wenn man dann aufsteigt, dann muss man das Event erst einmal etablieren, gerade in so einer Stadt wie Köln, wo es eine große Auswahl an Spitzensport gibt. Aber Tennis zieht. Mannheim nimmt zum Beispiel deutlich mehr Geld, die spielen aber auch schon seit 25 Jahren in der Bundesliga und dort sind auch immer 3.000 bis 5.000 Zuschauer.

Es gibt auf den Meldelisten der Klubs viele Topstars der ATP-Tour  wie Dominic Thiem oder Roberto Bautista-Agut. Rot-Weiss Köln hat mit Andreas Mies sogar einen frisch gebackenen French-Open-Gewinner zu bieten. Die Leute müssten ihnen doch eigentlich die Türen einrennen? 

Grambow: Die Namen ziehen auf jeden Fall. Bei uns stehen jedes Jahr Leute am Eingang und fragen, ob Dustin Brown spielt. Wenn er spielte, dann kamen die Leute auch rein. Wenn nicht, ist die Hälfte auch wieder gegangen. Wir sind aber insgesamt zufrieden mit dem Besuch. Wir bauen die 1000 Sitzplätze mit Stühlen vor jedem Spiel immer wieder mühsam auf. Wir haben keine Infrastruktur wie beim Fußball. Da besteht sicher auch noch weiteres Entwicklungspotenzial, aber da sind uns auch Grenzen gesetzt. Das Interesse am Tennis wächst aber weiter.  

Welches Niveau erwartet die Tennisfans in dieser Saison?

Grambow: Es ist auf jeden Fall Weltklasseniveau. Es sind regelmäßig Top-100-Spieler im Einsatz. Durch den Champions-Tiebreak im dritten Satz setzt sich nicht immer der bessere Spieler durch. Aber es ist total spannend für die Zuschauer. Es ist das beste Vereinstennis, das weltweit zu sehen ist. Das ist definitiv so.  Die Spieler in der Bundesliga werden auch als einzige Liga weltweit von der ATP überprüft. Das zeigt den Stellenwert, den die Bundesliga einnimmt.

Was bedeutet der finanziell begründete Rückzug von Ex-Meister Blau-Weiß Halle für die Liga?

Benoit Paire

Benoit Paire

Grambow: Ein Big Player ist weggebrochen. Das ist sehr schade, weil die Tennis-bundesliga neben dem großen Turnier ein gesetztes Event war und ein großes Zuschauer-Interesse bestanden hat. Das wird der sicher fehlen, das wird auch innerhalb der Liga sehr bedauert.  

Wie steht es um die Ausgeglichenheit in der Liga? Sind Aufsteiger wie der TC Großhesselohe, TuS Sennelager und Blau-Weiß Aachen automatisch Kämpfer gegen den Abstieg?

Grambow: Mit Blick auf die Spieler-Meldelisten könnte es sein, das Blau-Weiß Aachen Probleme bekommen könnte, wenn sie nicht immer vier bis fünf ihrer Topspieler einsetzen können. Gladbach, Krefeld, Mannheim und Kurhaus Aachen sind für mich die Teams, die um die Meisterschaft spielen werden. Bei allen anderen Teams kommt es auf die Form an. Da kann es eine entspannte oder auch eine angespannte Saison werden.  

Gleich sieben von zehn Bundesliga-Klubs kommen aus NRW. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Grambow: So richtig wissen wir das auch nicht. Aber wir freuen uns natürlich darüber, auch weil es uns aus pragmatischen Gründen Reisestrapazen erspart. Vielleicht gibt es hier einfach mehr Tennis-Verrückte.

Das Interview führte Jörg Strohschein

Stand: 04.07.2019, 16:31