Extremschwimmer Wiersig: "Mit den Haien ist nicht gut Kirschen essen"

Stand: 23.03.2022, 10:00 Uhr

Für Extremschwimmer André Wiersig steht das nächste große Abenteuer an. Es geht auf die Seychellen. Der Paderborner will 51 Kilometer durch den Indischen Ozean schwimmen.

André Wiersig hat die Ocean's Seven schwimmend bewältigt, die sieben wichtigsten Meerengen der Welt. Im vergangenen August schwamm er als erster Mensch überhaupt durch die kalten Fluten der Nordsee von St. Peter Ording nach Helgoland, ebenfalls mehr als 50 Kilometer.

Nun geht es auf die Seychellen. Dort will der 49-Jährige am Karfreitag oder Ostersamstag (je nach Witterung) von der Hauptinsel Mahé zum Touristenparadis La Digue schwimmen. Seine Hauptintention neben der sportlichen Herausforderung ist es dabei, auf die ökologische Bedrohung des Inselparadieses aufmerksam zu machen und die Naturschutzbemühungen des Landes zu stärken.

Herr Wiersig, Ihr nächstes "Extremprojekt" führt Sie in den Indischen Ozean. Was ist der Anlass?

André Wiersig: Eine Organisation aus Deutschland hat mich kontaktiert, die sich für nachhaltigen Tourismus auf den Seychellen einsetzt. Sie planten ein Schwimmevent, bei dem die noch nie zuvor bewältigte Strecke zwischen der Hauptinsel Mahé und La Digue absolviert werden soll. Vor ein paar Monaten erst hat es ein Kajakfahrer probiert. Der musste mit einem Hubschrauber auf Mitte der Strecke rausgezogen werden.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie es schwimmend schaffen?

André Wiersig hat wieder Großes vor. | Bildquelle: Team Wiersig / Dennis Daletzki

Wiersig: Ich bringe Erfahrung mit und bin über die Jahre und Jahrzehnte an solche extremen Anstrengungen gewöhnt. Trotzdem merke ich jetzt auch in der Vorbereitung, dass ich ganz straff auf die 50 zugehe und mein Körper auch nicht mehr alles mitmacht.

Wie sieht die Vorbereitung auf das Seychellen-Projekt aus?

Wiersig: Die mentale Komponente liegt bei solch einem Unterfangen deutlich über 50 Prozent. Aber die beste mentale Vorbereitung nützt natürlich nichts, wenn man die Arme nicht mehr nach vorne bekommt. Also, viel Krafttraining, natürlich auch viel schwimmen, immer im Hinblick darauf, die Regeneration einzuhalten, die im fortgeschrittenen Alter auch ein wesentlicher Teil der Vorbereitung ist. Zuletzt war ich zehn Tage zur Intensivvorbereitung auf Mallorca.

Ein Mann des Meeres – André Wiersig WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 29.10.2021 25:29 Min. Verfügbar bis 29.10.2022 WDR 5

Download

Was sind die besonderen Herausforderungen im Wasser vor Ort?

Wiersig: Diesmal ist die besondere Herausforderung die Wärme, das Wasser ist 26, 27 Grad warm. Helgoland hatte 16 Grad, der Northchannel zwischen Irland und England hatte 12 Grad. Natürlich hat man dort Haie. Keiner von den Einheimischen würde abends auch nur einen Fuß in das Wasser setzen. Die haben alle panische Angst. Auch Bullenhaie gibt es dort, mit denen ist nicht gut Kirschessen. Da muss man schauen. Ich bin aber zuversichtlich und komme mit Haien auch ganz gut klar. Wind und Wetter spielen maßgebliche Rollen, aber ich habe ja das gesamte Helgoland-Team dabei mit Nautiker, Skipper und Locals. Wir sind bestmöglich aufgestellt. Aber es ist ein Pionierprojekt. Es ist die rohe, wilde Natur da draußen und die lässt sich nicht immer in die Karten schauen. Man kann sich nicht auf alles vorbereiten.

Wie finanziert sich das Projekt?

Wiersig gibt einem Radiosender auf den Seychellen ein Interview während eines Vorbereitungsbesuchs. | Bildquelle: Team Wiersig- Daniel Danetzki

Wiersig: Die Kosten für mich werden von der Regierung der Seychellen übernommen, die für mein eigenes Team nicht, die übernehme ich. Ich verdiene natürlich kein Geld mit solchen Aktionen, sondern ich habe Geld in die Hand genommen, damit es funktioniert.

Was macht für Sie immer noch den Reiz solcher extremen Unternehmungen aus?

Wiersig: Ich bin ja gerne am Meer. Ich bin nicht nur gerne am Strand und mache Urlaub wie so viele andere Menschen auch, sondern ich gehe ja noch einen Schritt weiter. Ich erlebe halt gerne das Meer ganz direkt auf meine Art. In den vielen Jahren, die ich das mache, ist die Position als UN-Botschafter für Ozeane immer bedeutender geworden. Ich erlebe die Auswirkungen auf das Meer von uns Menschen wie Überfischung, Vermüllung, Klimawandel viel direkter. Viele Leute möchten das hören, die möchten daran teilhaben. Ich kann den einen oder anderen Impuls setzen, auch für junge Leute, für Kinder. Diese Aufgabe hat immer mehr Gewicht bekommen.

Extremschwimmer Andre Wiersig im WDR2-Interview Sportschau 04.04.2022 08:05 Min. Verfügbar bis 04.04.2023 ARD

Was haben Sie sich über die Seychellen hinaus vorgenommen?

Wiersig: Von dem Punkt, mir selber etwas beweisen zu müssen, bin ich lange weg. Ich möchte mehr und mehr in die Siutation kommen, nicht mehr diese völlig wahnsinnigen Rekorde aufstellen zu müssen, gerade wenn es um Streckenlängen geht, sondern ich möchte meine Perspektive stärker über Bilder vermitteln. So sind wir beispielsweise mit Fernsehsendern im Gespräch, um diese Persepektive den Leuten näher zu bringen.

Das Gespräch führte Jens Mickler.